Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 89 General Motors Automobile Chevrolet LORIN/ER & CO Oakland Nymphenburger Straße128/ Telephon 61836 La Salle Aus der jüdischen Welt Der Preußische Landesverband und das Frauenwahlrecht in den Gemeinden Berlin, 3. Februar. (JTA.) (Amtlich.) Über die Anträge zum Frauenwahlrecht im Normalstatut sind dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden eine Reihe von Anfragen zugegangen, die Aufklärung darüber verlangen, welchen Standpunkt der ständige Ausschuß schließlich eingenommen hat. Hierauf ist mitzuteilen, daß ein Antrag der liberalen und volksparteilichen Fraktion zugunsten des Frauenwahlrechts Annahme fand, nachdem sich der Vertreter der konservativen und Mittelpartei, sowie auch ein Volksparteiler dagegen, eine Reihe anderer Mitglieder der Volkspartei jedoch dafür ausgesprochen hatten. Konservative und mittelparteiliche Anträge mit dem Ziel, die Frage des Frauenwahlrechtes der Entscheidung der Gemeinden zu überlassen, waren durch die Annahme des ersten Antrages im ablehnenden Sinne erledigt. Sämtliche in der Sitzung des ständigen Ausschusses angenommenen Entschließungen wurden dem Rat zur Weiterbearbeitung zugeleitet. Aron Hirsch 70 Jahre alt Berlin, 5. Februar, (JTA.) Am Montag, dem 6. Februar, begeht Dr.-Ing. e. h. Aron Hirsch, Seniorchef der Firma Hirsch, Kupfer- und Messingwerke A.-G., seinen 70. Geburtstag. Geboren im Jahre 1858 als ältester Sohn des damaligen Juniorenchefs der Firma Aron Hirsch & Sohn, trat er schon in jungen Jahren in diese im Jahre 1805 gegründete Firma ein. In die Zeit seiner Tätigkeit fällt die Ausdehnung der Handelsfirma zu einer weltumspannenden Organisation. Um die Jahrhundertwende siedelte Aron Hirsch von Halberstadt, seinem Geburtsort, nach Berlin über. Er gehört u. a. dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank an und ist Mitglied der Berliner Industrie- und Handelskammer. Der Jubilar steht den gesetzestreuen jüdischen Kreisen Deutschlands nahe und ist Mitkurator jüdischer wissenschaftlicher Anstalten. Zusammenschluß der freiheitlichen und großdeutschen Studenten Berlin, 6. Februar. (JTA.) Die auf der Heidelberger Dezembertagung beschlossene Konferenz der freiheitlichen Studentenschaften trat am Samstag in den Klubräumen des „Bundes freiheitlicher Akademiker“ zusammen, um den organisatorischen Zusammenschluß aller freiheitlich gerichteten Studentengruppen in den Hochschulen des deutschen Sprachgebietes zu vollziehen: der „Deutsche Studenten-Verband“ ist gegründet. Vertreter aller Hochschulen des deutschen Sprachgebiets, nicht nur Reichsdeutschlands, sondern auch Österreichs, der Tschechoslowakei, Danzigs sind erschienen: Prag und Brünn haben ebenso ihre Vertreter geschickt wie Wien, Graz und Insbruck, wie die süddeutschen Hochschulen, wie die preußischen und sächsischen Universitäten: Über die Ziele des Verbandes schreibt die „Vossische Zeitung“: „Die Satzung, die auf diesem ersten freiheitlichen Studententag beschlossen worden ist, läßt deutlich erkennen, welchem Ziel man zustrebt: Kulturdeutschland, das nicht auf verschwommenen Rasseideologien theoretisierender Fanatiker, sondern auf dem Leben und Weben deutscher Sprache und Kultur begründet ist, soll der Leitstern sein, unter dem der neue Verband kämpfen will. Zugleich will er sich einsetzen dafür, daß an allen Hochschulen, die keine staatlich anerkannte studentische Selbstverwaltung mehr haben, nicht die völkische ,Deutsche Studentenschaft* sich als Alleinvertretung aller Studenten aufspielt.“ Fritsch und Ford Berlin, 3. Februar. (JTA.) Wie erinnerlich, hat der Besitzer des Hammer-Verlages in Leipzig, Theodor Fritsch, ein offenes Schreiben an Henri Ford gerichtet, in welchem er den amerikanischen Milliardär zu überreden versuchte, zu der antisemitischen Bewegung zurückzukehren. Der Brief war nichts anderes als eine Häufung von Schmeicheleien und Lobhudelungen und enthielt zum Schluß die Bemerkung, daß in einem anliegenden Schreiben die Bedingungen genannt werden, unter denen er, Fritsch, bereit wäre, auf den Vertrieb des Fordschen Werkes „Der internationale Jude“ zu verzichten. Wie die „C.-V.-Zeitung“ erfährt, hat Theodor Fritsch, der am 20. Januar dem Richter in der Leipziger Hauptverhandlung auf die Frage nach seiner Wirtschaftlichen Existenz erklärt: „Mit den Antisemiten kann man kein Geld verdienen“, nicht weniger als 40 000 RM. als angeblichen Verdienstentgang durch die Aufgabe des Vertriebs des Fordschen Buches verlangt. Der Vorschlag war bis zum 9. Januar d. J. befristet. Die „C.-V.- Zeitung“ knüpft hieran noch die folgende Bemerkung: „Dieser Betrag ermöglicht nach mancher Richtung hin bemerkenswerte Feststellungen. Entweder verlangt Fritsch als Ehrenmann nur seine Selbstkosten, — dann ist es wichtig festzustellen, daß ein Mann wie Fritsch in der Lage ist, in ein einziges Werk seines Verlages 40 000 RM. hineinzustecken, oder aber, das Buch ist in seinen Selbstkosten beträchtlich billiger, — dann bedeutet Fritschs Forderung, daß er nach seinen eigenen Äußerungen zum ersten Male in seinem Leben aus seinem Judenhaß ein „Geschäft“ machen wollte. Für einen Fünfundsiebzigjährigen wäre ein solcher Bruch mit den Prinzipien seines Lebens überaus bedenklich. Ford scheint diese Forderung für unberechtigt zu halten, die Frist bis zum 9. Januar muß wohl /ergebnislos abgelaufen sein, den Fritsch veröffentlicht im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ nach dem 9. Januar wieder eine auffallende Annonce, in der er ankündigt, daß er, gestützt auf die urheberrechtlichen Gutachten prominenter deutscher Juristen, berechtigt sei, seine Ausgaben des Fordschen Buches weiter zu