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Das jüdische Echo · 1928-02-10 · 6 (10.2.1928) · p. Seite 85

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 85 dieser Art wurden mir genannt. Das eine bezieht sich auf ein Gebiet, das sich als ein schmaler 2000 Kilometer langer Streifen am Nordrande des Asowschen Meeres erstreckt. Dieses Gebiet ist jetzt sumpfig, soll aber trockengelegt werden können. Man nannte mir auch den Betrag, der für diese Ameliorationsarbeiten notwendig ist, nämlich 5 Millionen Rubel. Ich kann mich über dieses Projekt nicht weiter äußern, da mir die technischen Einzelheiten nicht bekannt sind. Ein zweites Projekt bezieht sich auf ein großes Gebiet am Amurflusse in Sibirien, westlich von Chabarowsk. Hier soll ein wald- und mineralreiches Gebiet von 2 500 000 Desjatinen vorhanden sein, von denen 1 500 000 Desjatinen eben sind. Die Eisenbahn durchschneidet es in einer Länge von etwa 200 Kilometer. Das Gebiet soll jetzt fast unbewohnt sein und zur Ansiedlung von 100 000 jüdischen Familien genügen. Das Klima soll zwar im Sommer außerordentlich heiß und im Winter sehr kalt sein, trotzdem hat aber eine im Jahre 1927 von der Regierung dorthin entsandte Expedition, das Land als zur Ansiedlung von Juden geeignet bezeichnet. Es ist mir natürlich nicht möglich, mich über die technischen Aussichten auch dieses Projektes zu äußern. Es scheint mir aber vorläufig so viel sicher, daß die Juden die größte Abneigung dagegen haben werden, in ein so weit entferntes Gebiet zu gehen. Es ist auch für den Erfolg der Kolonisation sehr ungünstig, ein so entferntes Gebiet zu wählen. Alle Schwierigkeiten, welchen die Kolonisation in den der Zivilisation bereits erschlossenen Gebieten, wie Krim und Ukraine, begegnet, werden sich in weit größerem Umfange geltend machen, wenn die Ansiedlung in einem so ganz unerschlossenen und so weit von aller Zivilisation entfernten Gebiete erfolgt. Wirtschaftliche Wirkungen Wenn es der Regierung gelingt, zu den bisher angesiedelten 12—13 000 Familien in den nächsten 3 Jahren noch weitere 12 000 Familien im europäischen Rußland anzusiedeln — was wegen der Bodenknappheit durchaus nicht leicht ist — so würde sie insgesamt 25 000 Familien aus anderen Berufen zur Landwirtschaft überführt haben. Das bedeutet 4—5 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung in Rußland. Der Berufswechsel eines so kleinen Prozentsatzes im Laufe von 6 Jahren kann natürlich keine bedeutenden wirtschaftlichen Resultate für die gesamten Juden Rußlands zeitigen. In derselben Zeit, in der diese 25 000 Familien oder etwa 125 000 Seelen zur Landwirtschaft übergehen, vermehren sich die russischen Juden durch natürlichen Zuwachs um mehr als das Doppelte dieser Zahl. Es besteht deshalb die Frage, ob man für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der russischen Juden und insbesondere der erwerbslos gewordenen Händler nicht viel mehr erreichen könnte, wenn man die für die landwirtschaftliche Kolonisation benutzten Gelder für die Überführung der Juden zu Industrie und Handwerk benützen würde. Es gibt in Rußland zurzeit einen ungeheuren Mangel an Maschinen. Viele Deutsche Neuwäscherei H.m.b.H. FELIX BRANDNEU * MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage Juden könnten sehr leicht ein Handwerk erlernen (viel leichter als die landwirtschaftliche Arbeit) und dabei ein anständiges Auskommen verdienen — ein größeres als in der Landwirtschaft — wenn man ihnen durch Kredit die Anschaffung kleiner Maschinen ermöglichen würde. Ein augenfälliger Beweis hierfür ist die Tatsache, daß viele Tausende von Juden bereits Handwerker geworden sind, wobei sie natürlich diejenigen Handwerke bevorzugen, in denen sie ohne eine längere Lehrzeit sofort Geld verdienen können. Besonders erwähnenswert ist hier die Strumpfstrickerei, die auf kleinen Handmaschinen, von denen eine etwa 120—150 Rubel kostet, betrieben wird. Allein dn der Stadt Kiew sollen 2000 Juden sich der Strumpfstrickerei zugewendet haben und mit Hilfe dieser kleinen Maschinen und unter Zusammenschluß zu Genossenschaften bis zu 80 und 100 Rubel im Monat verdienen. Eine gerechte Abwägung des Für und Wider zwischen der Überführung der Juden zur Landwirtschaft einerseits, zu Industrie und Handwerk anderseits ergibt, daß die Überführung zum Handwerk schneller und erheblich billiger ist und in einem viel größeren Prozentsätze zum Erfolg, d. h. zu einer auskömmlichen Existenz führt. Aber dem steht gegenüber, daß die Zukunft dieser Handwerker eine unsichere ist. Sie werden eines Tages, wenn die Großindustrie erstarkt oder der Export vom Auslande erlaubt wird, konkurrenzunfähig werden und dann von neuem nach einem anderen Berufe sich umsehen müssen. Demgegenüber hat die Überführung in die Landwirtschaft den Vorzug, daß der Siedler, wenn er einmal die Anfangsschwierigkeit überwunden hat, hier normalerweise dauernd mit einer Existenz versorgt ist. Es ist ferner eine richtige Erwägung, daß die wirtschaftliche Lage der Juden Rußlands um so fester fundiert ist, je mehr sie sich auf alle Erwerbszweige und darunter auch auf die Landwirtschaft verteilen. Eine industrielle Krisis, die natürlich immer im Bereiche der Möglichkeit liegt, läßt dann wenigstens die in der Landwirtschaft tätigen Juden unberührt. Weiter ist zu erwägen, daß in diesem Augenblicke die Regierung noch Land zur Verfügung hat und an jüdische Siedler verteilt; es ist aber als sicher anzusehen, daß in wenigen Jahren die Regierung bereits kein Land mehr zu ihrer Verfügung haben wird. Wenn also jetzt die Gelegenheit zur Erlangung von Boden für die jüdische Siedlung verpaßt wird, so kehrt sie später niemals wieder. Ich glaube, daß es besonders diese letzte Erwägung ist, welche die jüdische Kolonisation in Rußland wirtschaftlich rechtfertigt und welche auch die jüdischen Kolonisationsgesellschaften zu ihrer Tätigkeit veranlaßt hat. Es ist allerdings eine Tätigkeit auf lange Sicht und sie kann vom Standpunkt der ganzen russischen Judenheit nur eine Renault Audi die führenden Weltmarken Mototechnische Ges., K.-G. München / Odeonsplatz 12 Telephon 26397 und 20654

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