Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 5 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- Seite 76 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Das Jüdische Echo Nr. 5 und alltäglichen wie des getragenen und feierlichen Ausdrucks, es ermöglicht Übergänge von zarter Schattierung und es überbrückt die Kluft zwischen dem Stammellaut des chassidischen Tanzes und der Gewalt des biblischen Spruchs. Das vollbesetzte Haus ließ sich von dieser Kunst, die Unkenntnis der Sprache und des Milieus überwindet, zu Beifallsstürmen begeistern. I. E. Der Golem Das Repertoire der Habima ist religiös bestimmt. Der „Golem“ Leiwiks ist eine Dramatisierung der alten jüdischen Legende, über deren Wirksamkeit an sich deshalb sehr schwer etwas ausgesagt werden kann, weil das Habima-Ensemble mit seiner unvergleichlichen Darstellungskraft sie spielt. Der hohe Rabbi Löw in Prag will sein Volk aus den Fesseln der Bedrückung befreien und schafft sich zu diesem Zweck als Waffe den Golem, eine Lehmpuppe, deren Beseelung ihm unter äußerster Anspannung seiner Kräfte gelingt. Der Golem, ein Riese an Gestalt und Kräften, aber ebenso ungelenk wie ungefügig, soll im Hause des Rabbi als Diener tätig sein. Ihm selbst unbewußte und unbekannte Gefühle regen sich in ihm, zum großen Schreck des Rabbi küßt er plötzlich dessen Enkelin Deborah und zeigt damit seine Furchtbarkeit. Der Rabbi meistert indessen den Golem und schickt ihn in den fünften Turm, die Zufluchtsstätte verfolgter Juden, die von Theodoro, einem spanischen Granden durch die Inszenierung der Blutlüge vernichtet werden sollen. Der Golem erregt bei seinem Erscheinen allgemeines Entsetzen, nur der Narr Tanchum, dessen Geist verwirrt ist, seit man seinen Sohn Jochanan erschlagen hat, lacht über ihn — Tanchum ist auch mit dem Maharal der einzige, der in zwei spät noch kommenden Wanderern den Propheten Elijah und den Meschiach erkennt, die zur Erde herabgestiegen sind, um den Juden zu helfen. Rabbi Löw, der die Zeit des Meschiach noch nicht gekommen glaubt und fürchtet, daß sein eigener Plan, durch den Golem die Feinde zu vernichten, vereitelt werden könnte, weist Elijah und den Meschiach aus dem Turm; die Juden- Wäscherei d. Münchener Hausfrau HÖCKER & BÄUERLE Landwehrstr. 57/59 T. 596858 Hygienisch modernster Betrieb am Platze. Bekannt für erste Qualität. Getrennte Behandlung. Jede Hausfrau kann sich persönlich von der schonendsten Behandlung der Wäsche überzeugen. Waschmittel: Reine Kernseifenflocken 90°/0ig. . Haushaltwäsche —Vorhangspannerei — Stärkwäsche—Feinbügelei. Größte Lohnwäscherei Münchens Diese Neuerung bietet große Verbilligung. Verlangen Sie Prospekte. Unverbindliche Besichtigung. Abholung und Zustellung mittels Autos. Verfolgung setzt ein, ihr aber folgt auf dem Fuße ein schreckliches Blutbad, das der Golem mit Wissen und Willen des Rabbi anrichtet. — Der Golem aber findet sich mit dem Leben nicht ab, seine Kräfte können sich nicht ausleben, er ist sehr einsam und unglücklich. Der Rabbi, nach dem er verlangt, tadelt und verläßt ihn, da überfällt ihn grenzenlose Wut und er, den Rabbi Löw zur Rettung der Juden erschaffen hat, stürzt sich auf Juden, vergießt jüdisches Blut. Es gelingt dem Rabbi Löw schließlich, den Golem zu stellen und zu besänftigen; er erkennt, daß er selbst an diesem Blutvergießen schuldig ist und hadert mit sich und mit Gott, der solche Schreckenstaten zugelassen hat. Als nun gar der Golem wiederum in Beisein des Rabbi Deborah an sich reißt und nicht von ihr lassen will, muß der Rabbi einsehen, daß er nicht fähig ist, solche Kräfte zu meistern; er selbst, der Schöpfer, vernichtet den Golem, auf den er seine ganzen Hoffnungen gesetzt hat. Man mag die Durchkreuzung der Motivreihen wenig logisch finden, man mag allzu starke Anklänge an die Gestalt des Großinquisitors aus den Brüdern Karamassoff finden und an den Goetheschen Zauberlehrling, man mag überhaupt der Meinung sein, daß die Akte auseinanderklaffen und daß eine eigentliche Lösung fehlt, soweit sie den Rabbi Löw betrifft, man vergißt solche möglichen Einwände vor der Aufführung der Habima. Der Golem Messkins, eine riesenhafte ungestalte Marionette, mit ungelenken abgehackten Bewegungen, einer Stimme, die wie aus der Urwelt dröhnt, einem Schreiten, das Angst und Entsetzen einjagt, einem kindlichen Lachen und Lallen zeitweise, das Liebe erweckt — dieses Werkzeug, das zum Leben gezwungen sich gegen seinen Schöpfer kehrt und doch mit der Treue eines Hundes, mit der Verehrung eines Kindes an ihm hängt und das schließlich sich mit der ganzen Wucht seiner primitiven und unentwickelten Persönlichkeit gegen den Tod wehrt, — dieser Golem, eine zugleich machtvolle, erschreckende und doch liebenswerte kindliche Gestalt ist einzigartig. Und dazu das Ensemble der Habima, aus dem man jeden einzelnen nennen müßte! Es ist kein Wunder, daß auch die Aufführung des „Golem“ das Publikum zu außerordentlichen Beifallskundgebungen hinzureißen vermochte. I. E * * * Es ist der Direktion der Kammerspiele im Schauspielhaus gelungen, das Gastspiel des Moskauer Hebräischen Künstlertheaters „Habima“ um einige Tage zu verlängern. Am Donnerstag, dem 2. Februar, nachts 10 Uhr, gelangte „Der ewige Jude“ zur Erstaufführung. Das Stück wird am Sonntag, dem 5. Februar, nachmittags 3Va Uhr und nachts 10 Uhr wiederholt. Am Montag, dem 6. Februar, wird als Abschiedsvorstellung „Der Golem“ von Leiwik gegeben. Da die bisherigen Vorstellungen ähnlich wie in Frankfurt, Stuttgart und Berlin Tage zuvor schon ausverkauft waren, empfiehlt es sich, sich rechtzeitig Karten zu sichern. Auch in Nürnberg gibt die Habima ein Gastspiel, und zwar am Samstag, dem 4. Febr., abends 10^ Uhr, im Phöbuspalast. Zur Aufführung gelangt der Dybuk. Wann lebte Benjamin vonTudela?