Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-02-03 · 5 (3.2.1928) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
5 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9156865--08221-9080956
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

72 Das Jüdische Echo Nr. 5 Aus der jüdischen Welt Jahresversammlung des deutschen Pro-Palästina- Komitees Berlin, 27. Januar. (JTA.) Am 9. Februar findet im Hotel Kaiserhof unter dem Vorsitz des Präsidenten Grafen Bernstorff die erste Jahresversammlung des deutschen Pro-Palästina-Komitees seit dessen Gründung statt. Herr Direktor Oscar Wassermann wird über die während seines Palästina-Besuches empfangenen Eindrücke sprechen. Das liberale Einheitsgebetbuch Berlin, 31. Januar. (JTA.) (Amtlich.) Die beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden bestehende Kommission zur Vorbereitung des liberalen Einheitsgebetbuches hat das Manuskript des hebräischen Textes und der Übersetzung soweit gefördert, daß im Laufe des Monats Februar 1928 mit dem Druck von Band I begonnen werden kann. Ein jüdisches Hallensportiest in Berlin Berlin, 20. Januar. (JTA.) Am 18. März veranstaltet das Jugendamt der jüdischen Gemeinde Berlin im Sportpalast ein Hallenfest. An dieser Veranstaltung beteiligen sich sämtliche jüdischen Turn- und Sportvereine Berlins. Bar Kochba, Boxklub Maccabi, Sportklub Hakoah lassen ihre ersten Mannschaften antreten. Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten entsendet seine Jiu- Jitsu-Gruppe, die anderen Turnvereine schicken ihre besten Turner. Aus dem vielseitigem Programm seien erwähnt: Handballspiel, 1500-Meter- Vorgabelauf mit Katz am Start, gymnastische Übungen der Frauen, Boxkämpfe des Maccabi, ein Hockeywettspiel, eine Rundenstaffel für Männer und Frauen sowie ein Fußballspiel. Die Jüdische Sonderschau auf der „Pressa“ Köln, 27. Januar. (JTA.) Die Arbeiten für die Jüdische Sonderschau auf der Internationalen Presse-Ausstellung „Pressa“, die im Mai d. J. in Köln eröffnet wird, schreiten gut vorwärts. Für den zu errichtenden „Jüdischen Pavillon“ sind die Pläne bereits fertig, so daß mit dem Bau schon in den nächsten Tagen begonnen werden wird. Namhafte jüdische Körperschaften des Auslandes, besonders Amerikas, Englands, Hollands und Frankreichs, haben ihre Bereitwilligkeit, sich an der jüdischen Sonderschau zu beteiligen, zum Ausdruck gebracht. Bei den gelehrten jüdischen Körperschaften des Auslandes macht sich ein besonderes Interesse für den historischen Teil der Ausstellung geltend. In England haben sich die Interessenten der Jüdischen Sonderschau, in erster Linie die Vertreter der jüdischen Zeitungen, zu einem Komitee zusammengeschlossen. Ein Delegierter des geschäftsführenden Ausschusses der Jüdischen Sonderschau („ISOP“) besuchte Holland, um die dortigen jüdischen Institutionen für die Sonderschau zu gewinnen. Demnächst begeben sich Delegierte der „ISOP“ nach anderen Ländern, um die Beteiligung an der Sonderschau zu organisieren und das Ausstellungsmaterial sicherzustellen. Die Strafe wegen Gotteslästerung gegen Theodor Fritsch bestätigt Leipzig, 27. Februar. (JTA.) Der Inhaber des Hammer-Verlages Theodor Fritzsch war vor kurzem wegen Gotteslästerung und Religionsbeschimpfung zu RM. 200.— und 300.— verurteilt worden. Einen der beiden inkriminierten Artikel hatte Dr. Dinter verfaßt, der aber als Abgeordneter des thüringischen Landtags nicht verfolgt werden kann. U. a. war Jahwe, der Gott der Juden, als Gott des Hasses und der Bosheit bezeichnet worden. Gegen dieses Urteil hatte Fritzsch Berufung eingelegt. Vor dem Berufungsgericht erklärte er, der Paragraph 166 des Reichsgesetzbuches schütze nicht den Gott der Juden, sondern könne sinngemäß nur für den deutschen und christlichen Gottesbegriff Geltung haben. Das Berufungsgericht teilte diese Ansicht nicht, sondern verwarf die Berufung mit dem Hinweis, daß § 166 auch die jüdische Religionsgemeinschaft schützt. Die Geldstrafe wurde aber im ersten Falle auf RM. 150.— ermäßigt, im zweiten Falle blieb es bei den RM. 300.—. Sühne für die Friedhofsschändung in Gerolshofen Berlin, 26. Januar. (JTA.) Vor dem Jugendgericht in Gerolshofen (Franken) hatten sich ein Friseurgehilfe und ein Friseurlehrling wegen Grabschändung zu verantworten. Die Angeklagten hatten auf dem israelitischen Friedhof mehrere Grabsteine von den Gräbern gestürzt. Während der Gehilfe zwei Monate Gefängnis erhielt, wurde ein jüngerer Kollege zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Schächtverbofts-Beschluß der Budgetkommission des Warschauer Stadtrates. — Große Erregung im polnischen Judentum Warschau, 26. Januar. (JTA.) In der gestrigen Sitzung der Budget-Kommission des Warschauer Stadtrates brachte der Nationaldemokrat Dr. Zawadski die folgende Resolution ein: „Der Magistrat wird aufgefordert, in den städtischen Schlachthäusern nur solche Schlachtungen zu gestatten, wie sie in der ganzen zivilisierten Welt üblich sind, und die Schächtung nach ritueller jüdischer Vorschrift durch Schächter zu verbieten.“ Das jüdische Stadtratsmitglied Meist ergriff sofort das Wort und forderte, daß über diesen Antrag zur Tagesordnung übergegangen werde, da diese Frage gar nicht in die Kompetenz der Budgetkommission fällt. Der Präsident der Budgetkommission, der frühere Finanzminister Dr. Michalski, brachte den Antrag Zawadskis dennoch zur Abstimmung; der Antrag wurde mit fast allen christlichen Stimmen — die Linken und die Pilsuskianhänger inbegriffen — gegen die Stimmen der Juden und einiger weniger Christen angenommen. Die jüdischen Stadtratsmitglieder verließen hierauf unter Protest die Sitzung. Der Präsident der Warschauer jüdischen Ge- meinde, Herr Farbstein, hat die Repräsentanten der Gemeinde, die Mitglieder des jüdischen Parlamentsklubs und des Warschauer Stadtrates, die Mitglieder des Warschauer Rabbinates Tünd das Präsidium des Schächtervereins zu einer Sitzung eingeladen, in der zu dem Beschluß der Budgetkommission des Warschauer Stadtrates Stellung genommen werden soll. In weiten jüdischen Kreisen hat der Beschluß der in solchen Fragen ganz und gar unzuständigen städtischen Budgetkommission große Empörung hervorgerufen. Man sieht hierin einen Versuch, auf Umwegen ein Schächtverbot einzuführen. Die jüdischen Zeitungen glauben, daß die den Rechten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.