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Das jüdische Echo · 1928-01-27 · 4 (27.1.1928) · p. Seite 59

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
4 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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Mr. 4 Das Jüdische Echo 59 ZIONISTEN! Die Schekel-Aktion für das Jahr 5688 hat begonnen. Die Zionistische Exekutive hat den Preis des Schekels auf RM. 1.50 festgesetzt. Die Schekelblocks sind den Ortsgruppen und Vertrauensleuten zugegangen, und es müssen nunmehr alle Kräfte mobilisiert werden, um das Ergebnis der diesjährigen Schekelsammlung in Deutschland zu einem vollen Erfolg für unsere Sache zu machen. Gegen allen Widerstand, gegen Engherzigkeit und Trägheit, gegen ängstliche Bedenken und veraltete Anschauungen hat sich die zionistische Bewegung auch im deutschen Judentum durchgesetzt, aber noch immer stehen weite Kreise der deutschen Judenheit dem Zionismus indifferent oder ablehnend gegenüber. Es gilt aufs neue, für unsere Idee zu werben. Alle Zionisten sollen in diesen Wochen für sich und ihre Familienangehörigen den Schekel entrichten, aber zugleich ist es ihre Aufgabe, unserer Bewegung auch neue Anhänger zuzuführen, die durch Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zum Baseler Programm ablegen. Jeder Zionist ist dafür verantwortlich, daß das Ergebnis der diesjährigen Schekel-Aktion von der organisatorischen Größe und der Kraft der zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt. Zionistische Vereinigung für Deutschland Deutscher Landesverband Misrachi Deutscher Landesverband Hitachduth Deutscher Landesverband Poale Zion Vereinigung Radikaler Zionisten Deutscher Landesverband der Zionisten-Revisionisten. nicht entschließen konnten, Geld in eine Sache zu stecken, die weder „Wohltätigkeit“ noch „Geschäft“ war, vorlegte. Es sprach einiges für den Verfasser: er war nicht wie einige andere Rabbiner jener Gegend, die dauernd um Geld baten, dabei verschwenderisch lebten und das Geld für extravagantes Gepränge ausgaben. Der Verfasser war im Gegenteil ein ruhiger, bescheidener Mann, der mit seinem geringen — o gar zu geringen — Unterhalt ohne jede Klage auskam, so daß, wenn er — nach so vielen Jahren — nun zum erstenmal um etwas Geld bat, man es ihm wirklich nicht verweigern konnte. Aus diesem Grunde gaben ihm die etwas Nachdenklicheren kleine Beträge. Außerdem gab es noch einige, die reicher erscheinen wollten als sie waren, die fürchteten, von einem Konkurrenten aus dem Sattel gehoben zu werden, und die sich deshalb erboten, nach dem Erscheinen Exemplare zu übernehmen. Dazu kam noch die Zahl derer, die eine Sünde begangen hatten oder sich das wenigstens einredeten; sie befreiten mit wenigen Kronen ihr Gewissen. Aber als das ganze Dorf sorgfältig bearbeitet war, hatte der Rabbi noch lange nicht die phantastische Summe zusammengebracht, die der Prager Verleger forderte. Der Rabbi verzagte nicht. War dies denn das einzige Dorf? Gab es nicht auch an anderen Orten Juden, die gern ein so verdienstvolles Unternehmen fördern würden? Er mietete einen Wagen, und der Kutscher, ein sorglos gemütlicher Jude mit rundem Gesicht, der, bevor er sich dem Rabbi als Kutscher vermietete, „Schadchen“, „Baichan“ und „Baalagola“ beim Grafen war — erklärte sich bereit, ihn sechs Monate lang für geringen Lohn zu fahren. Dieser Kutscher wurde 101 Jahre alt — er starb am Tage vor seinem Geburtstag —, und in hohem Alter pflegte er gern die Geschichte von dem Rabbi und seinem „Feinsilber“ zu erzählen. „Ich erinnere mich,“ so begann er, „wie wir einmal zwei Stunden lang im bitteren Frost fuhren. Der Rabbi — sein Andenken zum Segen — hatte gehört, daß in einem, ihm näher beschriebenen Hause ein reicher Jude wohnte. „Rabbi,“ sagte ich, „er ist wohl ein reicher Jude, aber er hält all sein Geld in seinem Strumpf; du wirst ihn ihm ausziehen müssen, ehe er mit einer Peruta herausruckt.“ Nun müßt ihr wissen, daß der Rabbi nie auf das hörte, was man ihm sagte; er lachte bloß. Also nach zwei Stunden kamen wir vor dem Hause an und sahen durch die Fenster den Mann, die Frau und die beiden Kinder warm und behaglich um den Ofen herumsitzen. Ich stieg von meinem Sitz herunter und hämmerte an die Tür. Inzwischen nimmt der Rabbi, um den Mann nicht unnötig aufzuhalten, sein Manuskript unter den Arm und kommt zur Tür, wo ich stehe. Aber, wollt Ihr’s mir glauben, die Tür wurde nicht geöffnet. Ich klopfe noch einmal, dann gehe ich zum Fenster, aber diesmal ist niemand mehr im Zimmer zu sehen. Ich klopfe wieder und wieder, aber der Flegel hatte gehört, zu welchem Zweck der Rabbi gekommen war, und machte nicht auf. Als ich nun zum Rabbi sagte: „Das ist hier vergebliche Arbeit“, antwortete er: „Nein, es ist gut, daß der Mann uns nicht hörte. Vielleicht hätte er das Geld nicht gehabt und sich geschämt.“ Da könnt ihr sehen, was das für ein Mann war. In Wirklichkeit hatte der Rabbi mit viel größeren Schwierigkeiten zu kämpfen. Einige Leute wollten für die Bücher mit Eiern bezahlen, andere wollten Bücher nehmen, wenn der Rabbi dafür einen „Studierten“ für ihre Tochter finden könnte. Wieder andere fürchteten, das Buch könnte „reformistische“ Gedanken enthalten, denn das Schreckbild der Reform richtete zu jener Zeit unter den Juden Deutschlands Verheerungen an. Trotz all dieser Hindernisse kam der Rabbi wieder nach Prag mit seinem Manuskript in der einen und einer langen Liste voraussichtlicher Käufer in der anderen Hand. Der Verleger, der es nicht erwartet hatte, daß dieser unbekannte Rabbiner eines kleinen ungarischen Dorfes das Geld aufbringen könnte oder derartige Lobreden vieler bekannter Rabbiner vorzuweisen haben würde, biß sich in die Lippen. Er ärgerte ihn, die Sache unternommen zu haben. Wenn es doch nur ein kleiner Band gewesen, aber nein, mindestens drei Bände. Er hatte aber sein Wort gegeben und konnte

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