Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-01-27 · 4 (27.1.1928) · p. Seite 58

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
4 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9156863--08206-9080941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

58 Das Jüdische' Echo Nr. 4 gen worden. Herr Ussischkin erklärte sich sofort bereit, seine Wohnung dem Oberkommissar zu überlassen und zog in die ihm von Herrn Kalvarisky zur Verfügung gestellten Räume. Die Juden in der palästinischen Polizei London, 18. Januar. (JTA.) Gegenüber der Mitteilung, daß sich unter den 1200 Offizieren und Soldaten der palästinischen Polizei 110 Juden befinden, stellt das Zentralbüro der Zionistischen Weltorganisation in einer Zuschrift an die Jüdische Telegraphenagentur fest, daß laut den Informationen des zionistischen Büros in Jerusalem die Zahl der Juden in der palästinischen Polizei am 1. Dezember 1927: 350 betrug. Davon dienten 249 in der Landespolizei und 101 in der Gemeindepolizei. In der Landespolizei stellen die Juden 40 Offiziere, 10 Sergeanten, 14 Korporäle, 181 Schutzleute; dazu kommen noch 30 Rekruten. In der Gemeindepolizei stellen die Juden einen Offizier, 2 Sergeanten, 9 Korporäle und 89 Schutzleute. Feuilleton lllllll■llllll||lll■l■■l|l||^l^|||||^|||l||illl Vor hundert Jahren Von E. David Goitein Im Juni des Jahres 1827, vor genau hundert Jahren, gab die hebräische Druckerei in Prag ein sehr gelehrtes Werk in drei sauber gebundenen Bänden heraus: „Kessewniwcher“ (Feinsilber). Der Zensor versah den Einbanddeckel mit seinem Vermerk und gab damit das Werk für die Öffentlichkeit frei. Viele hervorragende Rabbiner gaben dem Buche ihren Segen mit auf den Weg und hielten in ihren Vorreden große Lobreden auf den Verfasser. Das Buch wurde ein starker Erfolg. Seine Popularität war so groß, daß schon nach wenigen Jahren ein Buchdrucker, der seinen Hang zur Gelehrsamkeit mit Liebe für den Rubel verband, einen unbefugten Nachdruck herstellte. Die erste Ausgabe ist jetzt sehr selten geworden, und wenn einmal doch noch Exemplare auf den Markt kommen, so sind sie sehr teuer. Die Geschichte dieses Buches ist ungemein interessant. Sein Verfasser war Rabbiner in einem kleinen ungarischen Dorfe. Seine Gemeinde war gering an Zahl, ihre Mitglieder unwissend. Geburt, Beschneidung, Hochzeit und Tod waren die einzigen Unterbrechungen seines sonst so geruhigen Lebens. Gelegentlich — mindestens dreimal im Jahr — mußte der Rabbiner eine Predigt halten. Manchmal kam eine arme Frau, die von ihrem Mann verlassen w orden ist, mit einer „Schaleh“ zum Rabbi: ob sie Herrn Soundso heiraten dürfe, solange über den Tod ihres Mannes nichts Genaues feststand? Oder: ein Mann hätte mit seiner Kuh Arger, könnte der Rabbi vielleicht etwas dagegen tun? Während seine Gemeindekinder ihre Tage damit verbrachten, ihren Unterhalt zu verdienen, saß der Rabbi Tag und Nacht in seinem Studierzimmer, dessen Wände tausend hebräische Bücher von der Decke bis zum Boden bedeckten. Es war ihm nämlich folgende Idee gekommen: Wenn es gelingen könnte, für die Studierenden ein Buch zu schaffen, in dem die Erörterungen, die im Talmud begonnen und jahrhundertelang von späteren Autoritäten weitergeführt wurden, sorgfältig in Tabellen gebracht sind, so würde man den Studierenden eine Unmenge schwerer Arbeit ersparen. Dieser Gedanke ließ ihm vom Augenblick seiner Entstehung an keine Ruhe. Sein Werk, so beschloß er, sollte auf seinem Gebiete vollständig klar und dabei knapp im Ausmaße sein. So nahm er also mit erneutem Eifer das Talmud-Studium wieder auf, und zwar mit Hilfe des Rosch, des Rif und des großen Maimonides. Seine Ergebhisse brachte er in Tabellen. Da er jede Erörterung für sich behandelte, ehe zur nächsten überging, konnte er jedem einzelnen Teile seine gesamte Aufmerksamkeit schenken. Jahrelang arbeitete er so weiter. Einige der ungebildeten Dorfbewohner, die ihn Tag für Tag, einschließlich der Sonn- und Feiertage, an seinem Fenster sitzend arbeiten sahen und bemerkten, daß das Licht in seinem Zimmer bis Mitternacht und später brannte, begannen, ihn der Magie zu verdächtigen. Vielleicht, so meinten sie, schrieb er Zauberformeln. Aber die freundliche Art seines Umgangs entwraffnete jeden Verdacht. Er liebte es, mit Kindern zu spielen, und wenn er auf dem Wege zum oder vom Gottesdienst in der Synagoge einen kleinen Jungen oder ein kleines Mädchen traf, blieb er immer stehen, um ihm einige freundliche Worte zu sagen oder es in die roten Bäckchen zu kneifen. So manche Nacht vergaß er, zu Bett zu gehen, und wenn der Synagogendiener an seine Tür klopfte, fand er ihn in Tallis und Tephillin in seinem hohen Stuhle sitzend und schreibend. Nach vielen Jahren der Arbeit war das leserlich und sauber geschriebene Manuskript fertig. Doch dies war nur der erste Teil des Werkes. Obwohl der Rabbi in seiner eigenen Gemeinde ein kleiner Gott war, war er doch in der mächtigen Stadt Prag gar wenig bekannt. Die hebräischen Verleger sahen das riesige Manuskript, das er ihnen brachte, scheel an. Sie sprachen sehr freundlich, bedeuteten ihm aber deutlich genug, daß, wenn er nicht entweder die Druckkosten selber aufbringen oder für eine Anzahl von Käufern bürgen könnte, sie „Feinsilber“ auf keinen Fall drucken würden. Der Rabbi hatte seine schlaflosen Nächte nicht umsonst verbracht, und obwohl ihm die Arbeit selbst viel Freude gemacht hatte, war er doch überzeugt, daß das Werk in die Hände der Studierenden, für die es doch bestimmt war, gelangen müsse, und daß er nicht eher ruhen dürfe, als bis es veröffentlicht würde. Nachdem er nun viele Jahre mit dem Schreiben verbracht hatte, mußte er auch noch viele Monate damit zubringen, reiche Männer zu suchen, die bereit wären, das Unternehmen zu finanzieren. Er hatte während seines Prager Aufenthaltes die Empfehlungen vieler bekannter Kritiker eingeholt, die er nun den Zaudernden, die sich Wäscherei d. Münchener Hausfrau HÖCKER & BÄUERLE Landwehrslr. 57/59 T. 596858 Hygienisch modernster Betrieb am Platze. Bekannt für erste Qualität. Getrennte Behandlung. Jede Hausfrau kann sich persönlich von der schonendsten Behandlung der Wäsche überzeugen. Waschmittel: Reine Kernseifenflocken 90%ig. Haüshaltwäsche — Vorhangspannerei — Stärkwäsche—Feinbügelei. Größte Lohnwäscherei Münchens Diese Neuerung bietet große Verbilligung. Verlangen Sie Prospekte. Unverbindliche Besichtigung. Abholung und Zustellung mittels Autos.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.