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Das jüdische Echo · 1928-01-27 · 4 (27.1.1928) · p. Seite 60

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
4 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 Das Jüdische Echo Nr. 4 nicht mehr zurück. Die Bedingungen wurden für beide Teile in zufriedenstellender Weise festgelegt. Zu Beginn des Jahres 1827 begann der Druck. Der Rabbi las die Korrekturen der Druckbogen mit außerordentlicher Sorgfalt. Und als ihm das erste gedruckte Exemplar zugeschickt wurde, fühlte er, daß das Zeitalter des Messias nicht mehr fern sei. Zur großen Verwunderung des Verlegers wurde das Buch gleich nach seinem Erscheinen erstaunlich viel gekauft. Ein derartiges Buch — so klar und erschöpfend — hatte es in der hebräischen Literatur bisher nicht gegeben. Natürlich besannen sich viele der Schuhmacher und Kerzenfabrikanten, die versprochen hatten, Exemplare zu übernehmen, beim Erscheinen eines anderen. Aber ihre Exemplare wurden bald an andere begeisterte Käufer abgegeben. Einige junge Bachurim, die das Werk besitzen wollten, setzten es durch, es auf Abzahlung zu bekommen. Der Verfasser hatte das Buch natürlich nicht zum Zwecke des Gelderwerbs geschrieben. Er hätte die Thora nicht als Axt gebraucht, um einen Baum zu fällen. Immerhin hatte nach zwei Jahren großartigen Absatzes der Verleger seine Taschen hübsch gefüllt, und auch der Rabbi erhielt eine nicht unbeträchtliche Geldsumme. Er träumte nun davon, es Raschi gleich zu tun und einige Stunden des Tages in einem eigenen Weingarten zuzubringen. Durch das Buch hatte er genügend Geld verdient, und so ritt er eines Tages zur Besitzung des Grafen, wurde von diesem empfangen und trug sein Vorhaben vor. Der Graf wies ihn an den Verwalter, und dieser, wie es die Art des Verwalters schon ist, faßte den Plan, einiges von dem durch „Feinsilber“ erworbenen Golde in seine eigenen Taschen fließen zu lassen. Er zögerte die Sache hinaus, verschob immer wieder den Termin und das Land kam auf diese Weise niemals in den Besitz des Rabbis, obwohl ein Kontrakt unterzeichnet worden war. Der Kontrakt befindet sich noch immer im Besitz der Familie des Rabbis-— und das Land in dem des Grafen. Gemeinden-u. Vereins-Echo Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München. Auf vielfachen Wunsch wurde die im November begonnene philosophische Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Herrn Dr. Willy Meyer im Frühjahr 1928 .fortgesetzt. Am 18. Januar fand bereits der dritte Abend statt, an dem Herr Dr. Meyer in seiner außerordentlich klaren und eindringlichen Weise über die Philosophie des Aristoteles sprach und schließlich ihre Bedeutung im Judentum zeigte. Ganz besonders aufschlußreich war die klare Gegenüberstellung jüdischer Ideen gegenüber der aristotelischen Philiosophie. Am 1., 15. und 29. Februar werden die weiteren drei Abende stattfinden, an denen die griechisch-römischen Philosophenschulen, Philon aus Alexandraia und Plotin zur Behandlung kommen. Dem Vortrag schließt sich jeweils eine Aussprache und ausgewählte Lektüre der betreffenden Philosophen an. Am Sonntag, dem 22. Januar, schloß Herr Dr. Raphael L e v y mit einem dritten Abend seine Vortragsreihe über J e s a i a ab. Nachdem der Vortragende am ersten Abend die politisch-kulturelle Situation zur Zeit Jesaias plastisch schilderte, am zweiten Abend auf das Wesen der Prophetie einging, zeigte er am letzten Abend in vielen Beispielen die meisterhafte Behandlung des oratorischen und poetischen Kunstspieles des „Königs aller Propheten“ und legte schließlich die Ein jüdischer Maler im Kunstverein Der Kunstverein hat vor einiger Zeit in seinen Räumen in der Galeriestraße eine sehr beachtenswerte Ausstellung veranstaltet: Die Porträtkunst Münchner Maler wurde in ihren besten Arbeiten aufgezeigt. Neben manchen Bildern, die nur geteilten Beifall finden konnten, waren ausgezeichnete Werke zu bewundern. Eine besondere Freude war es, unter den besten Arbeiten zwei Bilder eines jüdischen Künstlers zu sehen, der in München geboren wurde: Joseph Zieg- 1 e r. Zieglers Bilder (neben Porträts von Stuck), ihrem Range nach sehr gut plaziert, zeigten Anfang und Entwicklung seines künstlerischen Schaffens. 1912 hat Ziegler seiner Mutter Bildnis gemalt. Mit feiner Charakteristik und ins Einzelne gehender Nuancierung der Farbe hat hier ein Achtzehnjähriger eine erstaunliche Leistung vollbracht. Nur das Gesicht ist ausgemalt, kein Hintergrund, nicht einmal der Kopf ist fertig und doch fesselt den Betrachter die naturwahre Lebendigkeit so sehr, daß er kaum der unbemalten Leinwand ringsum gewahr wird. Ein zweites Gemälde, ein Porträt des Schriftstellers Hermann Roth, wirkt nicht nur durch seine Ähnlichkeit überzeugend. Hier tritt zu der Darstellungskraft einer feinen Farbempfindung — wie subtil sind die Hände und die Gesichtshaut gemalt! — die Komposition, welche die Aufgaben der Gestaltung harmonisch ergänzt. Auge und Haltung dieses Mannes weisen auf eine eigenwillige Geistesart hin. Kein lauter Witz, aber ein stiller Humor, ein wenig gedämpft vielleicht durch schmerzliche Erfahrungen, strömt aus dem Rahmen. Hier wirkt ein Künstler, der zielbewußt seinen Weg geht, von dessen treffsicherer Zeichnung und Farbtonbeherrschung wir noch viel Schönes erwarten dürfen. —-!— jesaianische Auffassung vom Sinne des Lebens und von der Zukunft der Weltgeschichte dar, eine Auffassung, die zu den wertvollsten Teilen unserer Religion gehört. Herr Rabbiner Dr. Leo B a e c k hat sich freundlicherweise bereit erklärt, am 5. und 6. Februar zwei Vortragsabende der jüdischen Mystik, ihrem Werden und Wesen, zu widmen. Wir dürfen hoffen, daß Dr. Leo B a e c k, der hier bereits auf eine starke Gemeinde zählen kann, an diesen Abenden die Ergebnisse seiner besonderen Studien darbieten wird. Um an dem 80. Jubiläumsjahr eines so bedeutenden Künstlers wie Max Liebermann, den wir mit Stolz den unsrigen nennen dürfen, nicht vorüberzugehen, bieten die Lehrkurse am 11. und 12. März zwei Vorträge, die der Kunsthistoriker, Universitätsprofessor Dr. Max Eisler (Wien), übernommen hat. Herr Professor Eisler wird an Hand von Lichtbildern zunächst eine Anleitung zum Betrachten von Kunstwerken mit Heranziehung von Werken jüdischen Inhalts oder jüdischer Herkunft darbieten und dann auf das Wirken des deutschen Meisters Liebermann eingehen. Jüdischer Jugendverein München. Die Neuwahlen auf der Generalversammlung ergaben eine Wiederwahl des ersten Vorsitzenden. Ferner wurden in die Vorstandschaft gewählt: die Damen Frl. Bober, Frl. Kovacs und die Herren Stu-

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