Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 3 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Das Jüdische Echo Nr. 3 ING. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 Qabelsbergerstr. 62 # Telephon 51314 Straßenbahnhaltestelle: Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit besten Referenzen fürvollkommene Qualitäts-Ausbildung Freiheit erlangt und stürzte sich in die Chaluzinth, die das neue produktive Judentum begründen sollte. Opferwillig und gesund war diese Jugend und erfaßte mit ihrem Impuls alle Gebiete des jüdischen Lebens. Und so kam es, daß sich in den verschiedenen Städten Rußlands zu gleicher Zeit Theatergruppen bildeten, die sich erst später in der allerschlimmsten Zeit des Bürgerkrieges vereinigten, um den Grundstock zu bilden, aus dem dann die „Habima“ hervorgegangen ist. Es waren dieselben Kräfte, die mit den >,Luftgeschäften“ des Städtchens ein für alle Male gebrochen hatten, um die wüste, verwahrloste Gegend der Krim zu kolonisieren. Es war dieselbe Begeisterung, die einen großen Teil der jüdischen Jugend Hunger und Malaria ertragen ließen, um den steinernen Boden Palästinas fruchtbar zu machen. Und derselbe Pionierdrang war es, der die jungen Leute aus verschiedenen Arten nach Moskau kommen ließ, wo sie eines Tages Stanislavski mit der Bitte überraschten, sie unter seine Obhut zu nehmen und ihnen bei der Gründung eines Theaters beizustehen. Obwohl sie schon früher versucht hatten, Theater zu spielen, bestand in diesem Augenblick ihr künstlerisches Inventar doch nur aus viel gutem Willen und nicht ganz geklärter Begabung. Aber der Leiter des epochemachenden Moskauer Künstlertheaters, Meister Stanislavski, wies sie nicht hochmütig ab, denn er erkannte mit der ihm eigenen Intuition gleich, welch dankbares Material er vor sich hatte. Er segnete sie und gab ihnen seinen besten Schüler, Wachtangow, zum Leiter. Auch Wachtangow schätzte sie richtig ein. Aber als tiefer Künstler wollte er keine Wunderkinder, sondern Meister aus ihnen machen. — Sie lernten draußen Bürgerkrieg, Blokkade, Hunger und Kälte. In stundenlangem Anstellen fror man sich die Finger ab, um ein Stückchen saures Brot und faulen Fisch zu bekommen. In den kalten Betten lauerten Insekten und Seuchen. Aber sie lernten. Der Mangel an Kalorien wird durch Sprachtechnik, Akrobatik und Rhythmik ersetzt, die Temperatur der Moskauer kalten Häuser durch Gesang und pathetische Reden erhöht. Man lernte und kam vorwärts. Bis die Krankheit Wachtangows sie zwang, für eine gewisse Zeit die Studien zu unterbrechen. Es ist nicht Aufgabe dieser Skizze, die ausführliche Geschichte der „Habima“ zu bringen. Der kommende Foliant, der diesem Stoffe gewidmet sein wird, wird auch alle Einzelheiten und Wandlungen des ruhmreichen Kampfes enthalten. Denn jeder Tag des Habima-Werdens war ein Tag des großen Erlebens. Hier soll nur das schönste Datum des 31. Januars 1922 festgehalten werden: an diesem Tage fand im eigenen, kleinen Theater der „Habima“ in Moskau die Erstaufführung des „Dybuk“ statt. Diese Leistung brachte der „Habima“ auch gleich die restlose Anerkennung. Die hervorragendsten Persönlichkeiten des russischen Kultur- und Kunstlebens bis auf Gorki und Schaljapin brachten öffentlich ihre Begeisterung für die „Habima“ zum Ausdruck. Man lobte Wachtangows Regie, Altmanns Bühnenbild, Engels Musik und das Spiel jedes einzelnen „Habima“- mitgliedes. Jetzt hatte man die Genugtuung der Anerkennung, ja des Ruhmes, aber um so größer war die Last der Verantwortung. Den jungen Leuten war es schwer, mit einem Male auf die Höhe des „Dybuk“ruhmes zu gelangen, aber noch schwerer war es der schon anerkannten Gruppe, aus dieser eroberten Position noch weiter vorzustoßen. „Dybuk“ verpflichtete. Wachtangkow war leider tot. Aber unermüdlich, mit der Demut eines Anfängers, mit der Gewissenhaftigkeit eines Meisters, mit der Gründlichkeit und Begeisterung eines würdigen Wachtangow- Schülers schritt das „Habima“-Kollektiv weiter. Unter der Regie Metschidolows wird der „Ewige Jude“ von Finski neu inszeniert. Nach der stilisierten, düsteren Realistik des „Dybuk“ erscheint hier die „Habima“ in der feierlichen Symbolik eines Passionsspieles und verzeichnet einen neuen großen Erfolg. Dann wird Leiwiks dramatische Dichtung „Der Golem“ aufgeführt. Regisseur ist Werschilow. Die Aufgabe ist, zugleich das Mittelalter als Epoche, die Wechselwirkung des Volksglaubens und der schöpferischen Persönlichkeit darzustellen. Auch dies Ziel wird erreicht und bringt einen neuen Triumph. Fast gleichzeitig erweist die „Habima“ ihre Vielseitigkeit durch zwei andere, grundverschiedene Aufführungen: Richard-Beer-Hoffmanns Bibeldichtung „Jacobs Traum“ wird mit grandioser Ursprünglichkeit gestaltet und eine amerikanische moderne fin-de-siecle-Komödie, Bergers „Sintflut“, vollendet herausgebracht. Mit diesem Repertoire macht die y,Habima“ eine Tournee durch Europa und Amerika und findet überall begeisterte Anerkennung. Aus den Kämpfen seiner ersten Jahre kommt das „Habima“-Kollektiv gehärtet und erfahren, aber genau so gläubig und arbeitsfreudig wie am ersten Tage. Der Geist des unbedingten Kollektivismus läßt die weiteren Ziele durch keine Extravaganzen Einzelner trüben. Bewaffnet mit Können und Zielbewußtsein tritt jetzt das Theater vor neue Aufgaben. Aus drei Elementen besteht die „Hadima“: Kunst, jüdische Renaissance und Revolution. Diese Vereinigung erfüllt uns mit der Hoffnung, daß die „Habima“ weiteren großen Erfolgen entgegengeht. __ LEHRKURSE der Israelitischen"" _ ' München Sonntag, den 22. Januar 1928, abends 815 Uhr im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße l/o RG Dr. R. Levi „Jesaia“ 3. Abend Voranzeige Sonntag, 5. Februar 1928, 20 Uhr und Montag, 6. Februar 1928, 20 Uhr im Herkulessaal der Residenz Dr. Leo Baeck „Werden und Wesen der jüdischen Mystik“ 00141184