Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-01-20 · 3 (20.1.1928) · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
3 (20.1.1928)
Date
1928-01-20
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9156862--08187-9080922
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

40 Das Jüdische Echo Nr. 3 und der Präsident der zionistischen Welt-Exekutive Nahum Sokolow werden dem Festakt beiwohnen. Dem Wiener Präsidium werden u. a. angehören: Der frühere Ministerpräsident Wladimir v. Beck und Graf Mensdorff. Mitglieder der österreichischen Bundesregierung und Polizeipräsident Schober werden dem Ehrenpräsidium angehören. Die Abänderung des numerus clausus in Ungarn Budapest, 11. Jan. (JTA.) Der Unterrichtsausschuß des ungarischen Parlamentes hat heute die Regierungsvorlage über die Abänderung des numerus clausus angenommen und alle auf Verschärfung der Prozentnorm für Juden ausgehenden Anträge abgelehnt. Das bedeutet, daß ein numerus clausus gegen Juden direkt nicht mehr besteht, jedoch ist die Ordnung eine solche, daß die Gesellschaftskreise, denen die Juden angehören, erst in letzter Reihe für die Zulassung zum Studium in Betracht kommen. Chassidim-Fascismus in Munkacs? Prag, 15. Januar. (JTA.) Die Prager Zeitungen bringen sehr seltsam klingende Nachrichten aus Munkacs, der Hauptstadt Karpatho-Rußlands, in der der bekannte Chassidim-Rabbi Spiro, ein scharfer Gegner des „Beizer Rebbe“, auch das Stadtrabbinat innehat und einen starken Einfluß ausübt. Die Anhänger Rabbi Spiros sollen eine Fascistenpartei gebildet haben, die es sich zum Ziele gesetzt hat, die religiösen Übungen der „Beizer“-, „Sepinker“-Chassidim, sowie der Zionisten, wenn nötig mit Gewalt, zu ver¬ Länge cirka 133 cm Alleinige Niederlage: Pianohaus Hirsch MÜNCHEN / LINDWÜRMSTRASSE 1 (am Sendlingertorplatz) hindern. — Die Prager Zeitungen wissen weiter zu melden, daß Rabbi Spiro sich mit einer Fascisten-Garde ständig umgibt, deren Mitglieder unschöne Frauen haben, da Frauenschönheit die Männer von dem Sichversenken in Gott ablenkt. Fortdauer des antijüdischen Kurses in der Türkei Konstantinopel, 15. Januar. (JTA.) Gemäß der Forderung der öffentlichen Anklage hat die türkische Nationalversammlung vor kurzem beschlossen, daß gegen die im September 1927 von der Anklage aufwieglerischen antistaatlichen Verhaltens beim Begräbnis des vom Türken Osman Bey ermordeten jüdischen Mädchens, Elsa Niego, freigesprochenen neun Juden das Gerichtsverfahren aufs neue eingeleitet werde. Die Gerichtsverhandlung hat gestern begonnen und wird bis zum 26. Januar andauern. Die Anklage lautet auf Beleidigung der türkischen Republik; darauf steht in der Türkei Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren. — Der Mörder der Elsa Niego befindet sich noch immer zur Beobachtung seines Geisteszustandes im Hospital. Die Genfer Hochschüler klagen die rumänischen Studenten vor dem internationalen Studentenverband an Genf, 15. Januar. (JTA.) Der Generalrat des Vereins Genfer Universitätshörer hat die Veröffentlichung der nachstehenden Erklärung beschlossen: „Der Verein Genfer Universitätshörer hat Kenntnis erlangt von den bedauerlichen Vorfällen, die sich in Rumänien abgespielt haben und in deren Verlauf die in Großwardein zu einem Kongreß versammelten rumänischen Studenten in dieser sowie in anderen Städten Rumäniens die ungarischen und die jüdischen Minderheiten insultiert haben.... Der Verein rügt streng die Haltung der rumänischen Studenten und bittet, der internationale Studentenverband möge diese Rüge dem Verband rumänischer Studenten zur Kenntnis bringen.“ Neue Verschärfung der Einwanderungsgesetzgebung Neuyork, 16. Januar. (JTA.) Dem Kongreß der Vereinigten Staaten wurde heute eine Bill zur Beschlußfassung unterbreitet, die besagt, daß das Quotengesetz gegenüber denjenigen Ländern für die nächsten fünf Jahre keine Geltung habe, die ihre aus den Vereinigten Staaten ausgewiesenen oder von der Einwanderung zurückgewiesenen Bürger nicht mehr wiederaufnehmen. Eine Annahme dieses Gesetzes durch den Kongreß würde bedeuten, daß für die Dauer von fünf Jahren jede Einwanderung von Personen aus Rußland, Tschechoslowakei, Litauen und Lettland verboten ist. Verfasser der Bill ist der Minister für Arbeit und Einwanderung, Davis, von dem auch das Quotengesetz stammt. Würden nun die erwähnten Länder beschließen, ihre aus den Vereinigten Staaten ausgewiesenen Bürger wieder aufzunehmen, so würde die Regierung der Vereinigten Staaten sofort mit der Abschiebung einer beträchtlichen Zahl von Juden, namentlich aus Rußland, die ohne gültige Visa nach Amerika gekommen sind, beginnen. Viele dieser jüdischen Bürger wohnen schon viele Jahre in den Vereinigten Staaten, haben sich hier geschäftlich eingerichtet, mehrere von ihnen haben hier Ehen geschlossen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.