Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 21 uns näher als der Rock“ und folgerichtig für Palästina seine Taschen verschließt. Daß die Rothschildschen Kolonien nicht von den Zionisten angelegt wurden, daß T e 1 - A w i w und das Kinderdorf Kfar-Jelad i m nicht vom Keren Hajessod erbaut wurden, diese doch allgemein bekannten Dinge betont Dr. Wiener mit Nachdruck, um der „großen Täuschung“ entgegenzutreten, die alle Schöpfungen in Palästina der zionistischen Exekutive „zugute rechnet“. Wiener bezeichnet dies als „den Glauben in Deutschland“, den er, der unbestechlich objektive Forscher, zu zerstören sich verpflichtet hält. — An anderer Stelle aber macht er die zionistische Leitung dafür verantwortlich, wenn Projekte, die wirklich unabhängig von der zionistischen Verwaltung aus rein privater Initiative entstanden, (wie etwa die Textilstadt Manor u. a.) sich als Fehlschläge erwiesen. Das nennt Herr Dr. Wiener dann „Licht und Schatten gleichmäßig verteilen“! Das, was die Wienersche Schrift „Kritisches“ über die Dinge ist — soweit es zutrifft — fast durchweg zionistischen Quellen entnommen. Die zionistische Organisation erachtet es eben bei aller durchaus notwendigen Propaganda seit Jahren für ihre Pflicht, wahrheitsgemäß über die Lage im Lande aufzuklären und auch das zu berichten, was nicht gelungen ist. Auch die ernsthafte zionistische Parteipresse geht diesen Weg. Herr Wiener entnimmt wesentliche Teile seiner Ausführungen den von ihm selbst als gut unterrichtet gekennzeichneten Artikeln der „Jüdischen Rundschau“. — Die zionistische Leitung in all ihren Gliedern und jeder ernste Zionist kennen die enormen Schwierigkeiten des Aufbaus eines jüdischen Palästina, kennen auch die Fehler, die bei unserer Aufbauarbeit trotz guten Willens bisher gemacht wurden, und scheuen sich nicht, sie offen einzugestehen. Aber — und das unterscheidet den wirklichen Palästinafreund von Herrn Dr. Wiener, obwohl sich dieser in mindestens einem Dutzend Stellen in seiner Schrift mit Worten als solchen bekennt — für den wahren Freund des Aufbaus sind die Schwierigkeiten da, um durch zähe Willenskraft und ernste Arbeit überwunden zu werden, spornt die Entdeckung bisher gemachter Fehler dazu an, es künftig besser zu machen, mit verdoppelter Kraft und erhöhtem Opferwillen sich dem Werke zu widmen. Herr Dr. Wiener denkt anders über die Sache. Zwar weiß er recht gut, und betont es mehrmals, daß die weitere Entwicklung des jüdischen Palästina abhängig ist von der materiellen Förderung der Judenheit, insbesonders auch der nichtzionistischen, da ja „die Einnahmen des Keren Hajessod bisher viel zu gering sind, um auf die Dauer das bestehende Werk zu erhalten, geschweige denn auszubauen“. Aber er zieht daraus keineswegs die Folgerung, die nichtzionistische Judenheit zur Mitwirkung aufzufordern. Im Gegenteil: er warnt sie davor; denn der Aufbau ist national-jüdisch. Herr Wiener gesteht allerdings selbst zu, daß die Besiedelung Palästinas nur national (d. h. nationaljüdisch) sein kann. Doch gerade dies macht sie ihm verhaßt, und er erklärt daher seinen C.-V.- Brüdern, es stünde ihnen ja, wenn sie sich nun schon einmal für die Kolonisation Palästinas interessierten, „die die zionistische Organisation weit überragende Pica zur Verfügung“. Allerdings muß Herr Wiener gleich im nächsten Satz einräumen, daß „die Pica erst eine Form schaffen müsse, um Außenstehenden die Mitarbeit zu ermöglichen“ (Baron Edmond Rothschild wird sich gewiß beeilen, diesem guten Rat zu folgen, um seinen Kolonien durch einige Tausend Mark Jahrespenden aus Kreisen des C.-V. zu neuer Blüte zu verhelfen!). Solange dies nicht geschieht, wird für den echten deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens der Palästinaaufbau eben nicht existieren. Dies erscheint Herrn Dr. Wiener trotz seiner zur Schau getragenen Palästinaliebe aber offenbar gar nicht so schlimm. Denn er fügt (schamhaft in einer Anmerkung) bei: „Wer jede Palästinaarbeit ablehnt in der Befürchtung, sie könnte über kurz oder lang einen nationalen Charakter erhalten, oder so umgedeutet werden, wird nachprüfen müssen, ob er seine offene Hand nicht lieber dem großen Siedlungswerke in Osteuropa zuwendet ...“ Es ist hier nicht die Stelle, uns über die Krimsiedlung auszusprechen, insbesondere darüber, in welchem Umfang sie von jüdischer Seite in Deutschland gefördert werden kann. Das jedenfalls sollte man vermeiden: daß man durch die — bisher übrigens ziffernmäßig recht minimale — Unterstützung des Krimwerkes auf deutsch-jüdischer Seite sich von der Verpflichtung freimachen zu können glaubt, am Aufbau Palästinas mitzuarbeiten. „Sein Ende weist hin auf seinen Ausgangspunkt“, man kann diese Übertragung einer althebräischen Redensart wohl auf die Wienersche Schrift anwenden. Dr. Wieners Kritik ist eine unfruchtbare Kritik, denn sie wird an das Werk angelegt, nicht um es zu bessern und zu fördern, sondern um es herabzuwürdigen und zu stören. Wiener leistet sich an einer Stelle, die sich mit der von ihm viel gelästerten zionistischen Pro- L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpr eislage: Mk. 180.-bis Mk. 250.- Kein Anzug über Mk. 280.- _:_/