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Das jüdische Echo · 1928-01-13 · 2 (13.1.1928) · p. Seite 20

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
2 (13.1.1928)
Date
1928-01-13
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 Das Jüdische Echo Nr. 2 einige freundliche Ausdrücke einstreut, oder sie ihr anhängt. Ja, er spart dabei durchaus nicht mit schönen Worten der Anerkennung, sogar der Bewunderung für die geleistete Arbeit, für den „prachtvollen Willen“, die „großartige Hingabe“, den „idealen Schwung“ usw. So soll der Leser zu der Überzeugung gelangen, der Verfasser stehe dem Palästinawerk mit innerer Teilnahme und freundlichem Fördererwillen gegenüber und führe nur pflichtgemäß die vorhandenen Mängel des Werkes an. In Wahrheit ist dies aber nicht die Einstellung des Verfassers. Der polemische, gegen das Palästina-Aufbauwerk gerichtete Zweck der Schrift tritt für den kritischen Leser nicht nur in der obenerwähnten Centralvereinspropaganda in Erscheinung, sondern bestimmt Anlage und Inhalt der Schrift von Anfang bis zu Ende. Schon der erste Abschnitt der „Grundlagen der Palästinaerkenntnis“ zeigt dies deutlich. Hier wird die Größe Palästinas und des jüdischen Bodenbesitzes nicht, wie man erwarten konnte, in Form einer sachlichen Angabe der Ziffern geschildert. Es wird vielmehr durch Wort und Bild der Leser eindringlich davor gewarnt, sich Palästina zu groß vorzustellen. „Vorgestellte und wirkliche Größe“ ist das Kapitel überschrieben. Wer stellt sich denn Palästina „zu groß“ vor? Seine tatsächlichen Angaben hat Dr. Wiener hier ja den zionistischen und englischen Quellen entnommen, so wie sie stets und überall gebracht werden! Dr. .Wiener fühlt sich allerdings bemüßigt, in Wort und Bild energisch auf die „lehrreiche“ Tatsache hinzuweisen, daß Palästina nur ein Zwanzigstel der Bodenfläche Deutschlands umfaßt und nur dreimal so groß ist wie der Freistaat Hessen. Was soll das besagen? Ist das Deutsche Reich mit seinen sechzig Millionen Einwohnern ein geeignetes Vergleichsobjekt für das von weniger als einer Million Menschen bewohnte Palästina? Oder ist das deutsche Volk seiner Größe nach vergleichbar mit der für die Palästinasiedlung selbst günstigstenfalls zu erwartenden Menschenzahl? Diese ganze Darlegung, ergänzt durch ein Bildchen, das den Pariser Platz zwischen dem Brandenburger Tor und den Linden in Berlin in „Dunam“-Rechtecke aufteilt, ist rein tendenziös! Palästina und die Arbeit im Lande sollen in den Augen des Lesers, der die das Inkommensurable der hier nebeneinander in Vergleich gestellten Größen nicht durchschaut, bagatellisiert werden. Dieselbe Absicht herrscht beim Vergleich des jüdischen Bodenbesitzes in Palästina mit dem von Groß-Berlin(!), bei der Gegenüberstellung der jüdischen Siedlungen in Argentinien und Rußland, wo zwar die Flächengrößen in graphischer Darstellung mit den palästinischen verglichen werden, deren „meist unbekannte Kleinheit“ damit bewiesen werden soll, eine gleiche bildliche Darstellung der Sied- MODELLHAUS SOPHIE OELDENBERGER HAUS FÜR FEINSTE DAMENMODEN MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 40 TELEPHON 27168 lerzahl in ihrem gegenseitigen Verhältnis aber unterlassen wird, obwohl (oder weil) sich hier ein wesentlich anderes Bild ergeben hätte. — Ebenso wird in dem darauffolgenden Abschnitt über „die Bevölkerungsgliederung“ angesichts der nicht abzuleugnenden Tatsache, daß die jüdische Bevölkerung des Landes heute bereits 17,81 Prozent der Gesamtbevölkerung beträgt, keineswegs festgestellt, daß somit schon jetzt die Juden in Palästina eine wesentlich stärkere Beteiligung an der Gesamtbevölkerung aufweisen, als in irgendeinem Lande der Welt; vielmehr die „wenig günstige Bevölkerungsgliederung“ zum Anlaß genommen zu der „Warnung, von einer Besiedlung Palästinas nach weitverbreitetem und propagandistisch genährten Glauben gegenwärtig auch nur bescheidene Teillösung östlicher Judennot zu erwarten“. Anderseits werden die Kolonien in Argentinien, Brasilien und Kanada mit Anerkennung erwähnt, obwohl ihre Bedeutung für die Lösung der Judennot gewiß nicht größer, ihre jüdischkulturelle Bedeutung unvergleichlich geringer ist wie die der Palästinasiedlung. Die gleiche Zielrichtung ist auch sonst überall in der Wienerschen Schrift zu beobachten. Die hebräische Universität in Jerusalem wird abfällig kritisiert, zunächst mit der erschütternden Feststellung, daß „nach zionistischen Zeitungsmeldungen“ der Eröffnungsfeier zwei deutsche Ehrengäste daran teilgenommen hätten, die gar nicht daran teilgenommen haben(!); dann mit der — übrigens durchaus unwahren — Behauptung, die Universität habe überhaupt keine Studenten. Als Forschungsinstitut wird ihr zwar eine gewisse Existenzberechtigung zuerkannt, dagegen als „Chauvinismus“ gerügt, daß die Lehrenden in absehbarer Zeit hebräisch unterrichten sollen (welches Land verlangt nicht ein gleiches von seinen Hochschullehrern?), und daß die Universitätsmitteilungen auch in hebräischer Sprache erscheinen („doch nur um den nationalen Tendenzen Vorschub zu leisten“!) — dagegen wird von dem jüdischen Autor mit Bedauern konstatiert, daß durch „die ungeheure Propaganda für die hebräische Universität“ das deutsch-evangelische Institut für Altertumskunde in Jerusalem „in Schatten gestellt“ werde und im gleichen Sinne auf „manche gediegene wissenschaftliche Leistung der deutschen Katholiken geistlichen Standes in der heiligen Stadt“ hingewiesen. Es dünkt uns wenig wahrscheinlich, daß die evangelischen und katholischen Institute und Geistlichen in Palästina auf eine Propaganda für ihre Tätigkeit in jüdischen Kreisen besonderes Gewicht legen, ebenso, daß die etwa durch Herrn Dr. Wieners Darlegung überzeugten Förderer der hebräischen Universität in Zukunft die bisher dieser zugewendeten Mittel nunmehr den nach Dr. Wieners Meinung zu Unrecht „in Schatten gestellten“ Einrichtungen der deutsch-christlichen Palästinaforschung zur Verfügung stellen werden. Auch „unseren Rabbiner- und Lehrerseminarien“, auf deren Notlage der Autor in diesem Zusammenhang verweist, ist durch die der Jerusalemer Universität zugewendeten Mittel bisher sicher nichts entzogen worden. — Hingegen kann die wissenschaftliche Forschung im jüdischen Palästina —, der nach einer in die Form der rethorischen Frage gekleideten Versicherung Wieners niemand „so verblendet sein wird... Hindernisse in den Weg zu legen“ — nicht existieren, wenn das nichtpalästinische Judentum künftig nach den von Wiener befürworteten Grundsatz handelt; „Das Hemd ist

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