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Das jüdische Echo · 1928-01-06 · 1 (6.1.1928) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
1 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Das Jüdische Echo Nr. 1 sind mit den Bändern und Tüchern und Kleidchen für einen zarten Neugeborenen. Es scheint, daß für Mirjam im himmlischen Buche keine langen Tage verzeichnet waren. Sie wurde in ihrer Blüte dahingerafft. So starb Mirjam, ohne Sohn und Tochter hinterlassen zu haben. Nachdem aber die sieben Tage der Totentrauer vorbei waren, stand Rapael auf, zog die Schuhe an und ging auf den Markt. Dort kaufte er Pergamentbögen, Bündel von Gänsefedern, ein Kränzchen Galläpfel, Tinte und noch weiche Adern zum Weben und schickte sich an, eine Gesetzesrolle zum Andenken an die Seele seines Weibes zu schreiben, das ihm Gott genommen hatte. Raphael sitzt und schreibt eine Thora Tag und Nacht. Ein Betmantel ist auf dem reinen Tisch ausgebreitet und die Schaufäden hängen herab und vermischen mit den eigenen Schaufäden seines Betleibels. Auf dem Betmantel liegt ein Pergamentbogen, liniert und glänzend in seinem Weiß wie der Himmel in seiner Reinheit. Von früh bis abend wird die Gansfeder auf dem Pergament geführt und schöne schwarze Buchstaben erstehen auf dem Blatte, wie eine Vogelgemeinde auf frischem Schnee an einem Wintersabbat. Wenn er aber zum Niederschreiben des großen, ehrfürchtigen Gottesnamen gelangt, da steigt er immer vorerst in das Reinigungsbad und untertaucht sich. Tage vergingen und Tage kamen, aber seine Rolle hat er noch nicht vollendet. Sein Gesicht wird fahl, seine Schläfen verdorren, seine Augen werden immer größer, müßig sitzt er in seinem leeren, verwaisten Hause. Die Zeit wirft Grau in seine Schläfenlocken. Raphael, Raphael, vergiß an den Tod nicht! Jedoch Monate vergehen. Monate kommen ohne Tat und Arbeit. Manchmal ermannt er sich, steckt die Feder in die Tinte und schreibt ein Wort. Jedoch keine Tat, keine Arbeit. Wenn er sich anschickt, einen Buchstaben zu schreiben, füllen sich die Augen mit Tränen. Wenn er aber die Tränen verschlingt und siegt, die Zeit ist da! — so gerät er in eine Begeisterung und in eine Inbrunst, so daß er Kleckse macht infolge des Händezitterns, und er konnte keinen einzigen Buchstaben richtig zeichnen. Einst geschah im Winter, daß das Bad behördlich geschlossen werden mußte, denn es war baufällig. Er nahm eine Hacke, ging aus der Stadt zum Fluß hinaus, zerschlug das Eis, zog sich aus und untertauchte dreimal. Dann stieg er wieder heraus und schrieb den Gottesnamen in unsagbarer süßer Inbrunst. Gemeindenu. Vereins-Echo Kompositionsabend von Heinrich Schallt Aus Elberfeld wird uns geschrieben: Die Bergische Loge von Elberfeld und Barmen veranstaltete am Dienstag, den 13. Dezember, unter gesanglicher Mitwirkung des Kölner Oberkantors Hermann Fleischmann einen Kompositionsabend, der ausschließlich von Werken des Münchener Tondichters Heinrich Schalit bestritten wurde. Heinrich Schalit selbst saß am Steinway-Flügel und bewältigte mit souveräner Meisterschaft den instrumentalen Teil des in jeder Beziehung bis zur Spannung interessanten Abends. Über die Kunst Schalits zu sprechen, dürfte den Rahmen eines einfachen Konzertberichtes bei weitem überschreiten; nichtsdestoweniger muß und adrf es angedeutet werden, daß Schalit ganz moderne Wege geht, daß er aber nie die tonale Linie vernachlässigt oder gar außer acht läßt. Seine Harmonien sind geistreich und von angenehmer Wirkung, und da, wo er instrumental wirken will, da sitzen seine Akkorde in monumentalem Aufbau und mit überzeugender Kraft. Sein ganzes Schaffen steht bereits auf sehr bemerkenswerter Höhe und rechtfertigt den künstlerischen Ruf, den er selbst schon bei den ganz Großen genießt. In der Erfindung vornehm, und gefühlvoll in der Art des Gestaltens, so repräsentiert sich Schalit als ein schaffender Künstler von eigener Art und als eine mend sein wird, wenn es sich darum handelt, die zukünftige Gestaltung der Musik wieder in lebensfähige und gesunde Bahnen zu lenken. Schalit ist augenblicklich Organist an der Hauptsynagoge in München; er ist aber auch ein feinsinniger Pianist in solistischer wi ein begleitender Weise. Als geborener Wiener hatte er in seiner Jugend reichlich Gelegenheit, mit dem ostjüdischen Idiom in Berührung zu kommen, während seine große Musikalität ihn damals schon befähigte, die in jener Geistesrichtung aufgespeicherten Schätze zu erkennen und, sie musikalisch selbsaerlebend, sich zu eigen zu machen. Seine Gesänge atmen vielfach diese Atmosphäre; das Gewand aber, in dem sie sich präsentieren, lassen den Meister im Lichte der vornehmsten Kultur erscheinen. Von seinen Klavierwerken spielte er ein wie aus Marmorblöcken festgefügtes Tongebäude, ein „Choralvorspiel für Klavier“ von großer Innigkeit und von überzeugender Gewalt und seine „Bilder aus dem Marionettentheater“ waren Kabinettstücke von kompositorischer Begabung, Die „Seelenlieder“ und auch die „Jüdischen Volkslieder und Gesänge“ sind so schön, daß sie bereits von den größten Sängern mit Bevorzugung und Liebe gesungen werden. Die Texte sind spezifisch jüdischen Inhalts, zum Teil Nachdichtungen aus dem Hebräischen von Emil Bernhard-Cohn. Einen adäquaten Gesangsinterpreten der herrlichen, mitunter ins Grandiose ausgreifenden Lieder und Gesänge fand Schalit in dem ausgezeichneten Kölner Oberkantor Herman n Fleischmann. Sein weicher, in allen Lagen gesanglichen Könnens gleichmäßig vornehm klingender Bariton, durchflutete wohltuend die weiten Räume des Konzertsaales, und wenn einer berufen ist, in unseren westeuropäischen Gegenden ostjüdische Lieder zu singen, dann ist cs Fleischmann, der durch seinen kultivierten Geschmack bewiesen hat, daß man ostjüdische Lieder und Gesänge auch mit westeuropäischer Kultur in charakteristischer Weise vortragen kann. Mit dieser Veranstaltung hat sich die Bergische Loge unstreitig ein großes Verdienst erworben, das unausgesprochenermaßen in dem überaus zahlreichen Besuch des Konzertabends zum Ausdruck kam. Das Publikum nahm die von hochstehender Warte gebotenen Kunstgenüsse dankbar entgegen und quittierte wiederholt mit großem Beifall. Von den „Jüdischen Volksliedern“ mußte das „Wiegenlied“ wiederholt werden. H. Z. Bar Kochba München. Turnbetrieb in allen Abteilungen beginnt wieder Montag, den 9. Januar, laut folgender Turntafel: Montag von 6.30 bis 7.15 Uhr Mädchenabteilung; 7.15 bis 8 Uhr Damenabteilung I; 8 bis 8.45 Uhr Damenabtei-

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