Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 1 (6.1.1928)
- Date
- 1928-01-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Nr. 1 Das Jüdische Echo zum jüdischen Menschentum ist, und Sie haben — welch charakteristischer Erfolg —, gerade dadurch, daß sie diesem Chaimke für Ihre Flucht aus dem Judentum auszunützen suchten. Ihre volle Zugehörigkeit zu dieser jüdischen Gemeinschaft bewiesen; denn: Nie noch dürfte es einem Deutschen oder einem Russen eingefallen sein, aus der Fremdheit, die er einem verbrecherischen Individuum seines Volkes gegenüber empfand, die eigene Nicht-Zugehörigkeit zu diesem Volke abzuleiten. Das ist — verzeihen Sie vielmals — leider eine jüdische Eigenschaft; genauer, eine Eigenschaft unserer heutigen Assimilations-Juden, die sie — nur noch mit den Antisemiten gemein haben (natürlich mit umgekehrtem Vorzeichen). Daß dieser Lump ein Jude war, das wird von so weltanschaulicher Bedeutung oder — wie Sie selbst schreiben, zu einem Erlebnis — nur Juden, die sich auf der Flucht vom Judentum, oder Antisemiten, die sich im Kampfe mit dem Judentum befinden. Ein normaler Mensch wird gegenüber diesem Chaimke nur die normale Erbitterung fühlen, die einen überfällt, wenn man von einem Schurken geprellt wird. Den unhysterischen Juden wird der Fall nur nachdenklich machen. Er wird sich sagen: Also auch so sind wir- und: Kann man etwas tun, um hier zu bessern? (Nicht aber: Wir haben auch solche Menschen? Also gehöre ich nicht dazu.) Wir haben Chaimkes. Das ist traurig. Aber die andern haben sie auch; wahrscheinlich in noch ärgerer Weise und in noch größerem Maße. Wir haben auch Kurt Hillers; und — verzeihen Sie — wir dürfen vielleicht mit einem kleinen, verzeihlichen Stolze sagen — vielleicht haben die andern davon sogar weniger. Aber — wir haben auch Kurt Hillers, welche die Chaimkes dazu benützen, um ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Menschentypus, zur jüdischen Schicksals- und Zielgemeinschaft zu leugnen. Und — das haben die andern nicht. Darauf brauchen wir aber nicht mehr stolz zu sein. Immerhin aber können wir auch hier sagen: So sind wir eben... und: Kann man das ändern? Gerade das aber ist das eigentliche Ziel des jüdischen Nationalismus. Beschlüsse der Lehrertagung München, 30. Dezember. (JTA.) Das am Schlüsse des ersten Verhandlungstages gehaltene Referat des Hauptlehrers Dr. J. Bamberger (Nürnberg) über „Die jüdische Schule in ihrer Bedeutung für das gesamte jüdische Leben in Deutschland“ gipfelte in den folgenden Leitsätzen: I. 1. Die jüdische Schule erzieht jüdische Menschen auf Grund der jüdischen Seele (Bewahrung vor Vergiftung der jüdischen Seele im jugendlichen Alter mit all den häßlichen Folgeerscheinungen für Charakter usw.). 2. Sie pflegt den sozialen Gedanken im Sinne des jüdischen Schrifttums. 3. Sie vermittelt positive lebendige Kenntnisse jüdischen Inhalts und Erlebens. II. 4. Die jüdische Schule pflegt eine harmonische Verbindung von Judentum und Deutschtum; Klarstellung des gegenseitigen Verhältnisses in ruhiger Atmosphäre. III. 5. Harmonische Entwicklung der Individualität und Per¬ Deutsche Neuwäscherei ©.m.h.H. FELIX BRANDNER * MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage sönlichkeit des jüdischen Kindes; Aufhebung der inneren Zwitterstellung; Judentum und Deutschtum im Leben des deutschen Juden. 6. Einflußnahme auf die Berufswahl der Jugend (Berufsumschichtung). Zu Vorstandsmitgliedern wurden gewählt: Vorsitzender Stern (Berlin), Stellvertreter Dingfelder (München) und Steinhardt (Magdeburg), Geschäftsführer Abraham (Berlin), ferner J. B. Levy (Frankfurt a. M.) und Peritz (Königsberg). Dem Vorstand gehört außerdem Feiner (Hamburg) als Ehrenvorsitzender an. Es wurde beschlossen, eine Zentralhilfskasse zu gründen in Anlehnung an die bestehende Achawa, Frankfurt a. M. Weiters wurde die Einsetzung einer Jugendschriften- und pädagogisch-wissenschaftlichen Kommission beschlossen. Weitere Angelegenheiten wurden dem Ausschuß zur Behandlung übergeben. Für den nächsten Verbandstag ist Wiesbaden in Aussicht genommen. Sondersitzung des Vereins Israelitischer Lehrer Bayerns München, 28. Dezember. (JTA.) Im Rahmen des 9. Verbandstages der jüdischen Lehrervereine hielt der Verein israelitischer Lehrer Bayerns seine diesjährige Tagung in München ab, die der Vorsitzende Dingfelder (München) mit der Erstattung des Jahresberichtes eröffnete. Er wies auf die brennenden Tagesfragen, wie Reichsschulgesetz, Schächtfrage u. a. hin. Nach Erstattung des Kassenbeiichtes nahm die Versammlung Stellung zu den Anträgen der Bezirkskonferenz München, als deren Ergebenis folgende Resolutionen gefaßt wurden: 1. Die Beschaffung eines Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Volks- und Mittelschulen ist eine dringende Notwendigkeit. 2. Es soll eine Kommission gewählt werden, die die Richtlinien für den zu schaffenden Lehrplan beraten und der demnächst stattfindenden Versammlung vorlegen soll. In diese Kommission werden gewählt: Dr. Bamberger (Nürnberg), Seminardirektor Stoll (Würzburg), Adler, Dr. Kessler, Rosenfeld (München), Hirnheimer (Höchberg), Dr. Fränkel (Augsburg). Der Rabbinerkonferenz sollen diese Resolutionen zur Kenntnis gebracht werden mit der Bitte, ihrerseits an diesen Fragen mitzuarbeiten. Sondertagunsr des Preußen-Verbandes München, 28. Dezember. (JTA.) Im Rahmen der Tagung des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine Deutschlands hielt der Verband der jüdischen Lehrervereine Preußens eine Sondersitzung ab. Nach Begrüßung der beiden neu hinzutretenden Vereine Oldenburg-Emden-Bremen und der Lehrerkonferenz Hessen, gab der Verbandsvorsitzende Stern (Berlin) einen umfassenden Geschäftsbericht, der sich mit der Stellung des Landesverbandes zu den Lehrerforderungen, ferner mit der Lehrerbildung, den Vorbereitungsanstalten, mit wirtschaftlichen Fragen, der Stellung der Lehrer in den Kleingemeinden, mit den Rabbinatsbezirken, mit der Bildung von Hilfskassen befaßte. Nach der Diskussion wurden die folgenden Resolutionen angenommen: Levy (Frankfurt) zur Frage der Schul - und Rabbinatsbezirke: Der Verband erklärt sich für die Anstellung von Lehrern in Kleingemeinden nur unter der Voraussetzung, daß ihre völlige materielle