Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1927-11-18 · 46 (18.11.1927) · p. Seite 755

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
46 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
Seite 755 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9103079-9156857--08127-9080863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr 46 Das Jüdische Echo 755 freulicherweise“ Herr Dr. Wassermann seine sonstigen Ämter im Centralverein heibehalte. Uns jedenfalls will die nunmehr so veränderte Einstellung des ehemaligen radikalen Zionisten Dr. Wassermann zu jüdischen Dingen als wenig segensreich für die Entwicklung der Lage erscheinen. Heute sind mehr denn je eindeutig klare charaktervolle Männer zur Vertretung jüdischer Interessen nötig. Die Versammlung erteilte nach kurzer Diskussion, in der ein Vorstandsmitglied die erwähnten Dinge nochmals unterstrich, der Vorstandschaft Entlastung und genehmigte einstimmig und ohne Gegenvorschläge die Wahl der von der Vorstandschaft neu vorgeschlagenen Ausschußmitglieder. Es war dabei befremdlich, daß die Versammlung auseinanderging, ohne zu wissen, wer nun eigentlich erster Vorsitzender würde, da die Nominierung desselben anscheinend in Übereinstimmung mit den Satzungen in der geheimen Vorstandssitzung vorgenommen werden sollte. ali. Aus der jüdischen Welt Sitzung des liberalen Kultusausschusses Berlin, 2. November. (JTA.) Unter Vorsitz des Rabbiners Dr. Cäsar Seligmann (Frankfurt a. M.) fand am Montag, dem 31. Oktober 1927, eine Sitzung des liberalen Kultusausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt, die in fast siebenstündiger ununterbrochener Verhandlung wichtige Fragen des Kultus, insbesondere die Schaffung eines liberalen Einheitsgebetbuches, zu erledigen hatte. Dr. Seligmann, der Hauptberichterstatter der Versammlung, behandelte zuerst Punkt 1 der Tagesordnung: Das Vikariatsjahr der von den Rabbinerseminaren zu entlassenden Rabbiner. Alle Anwesenden sprachen sich dafür aus, daß es für die Ausbildung des Rabbiners unbedingt notwendig sei, vor dem Antritt des Amtes unter Anleitung eines erfahrenen Kollegen ein Jahr lang in das Amt eingeführt und zu Rabbinatshandlungen zugezogen zu werden. Man beschäftigte sich dann mit dem Antrag einer Landgemeinde, betreffend Übertragung des Sabbat-Gottesdienstes durch Rundfunk, und gelangte nach eingehenden Beratungen, an denen sich besonders die anwesenden Rabbiner beteiligten, zu dem; Ergebnis, daß vom liberalen Standpunkt aus religionsgesetzliche Bedenken hinter der Tatsache zurückstehen müßten, daß der religiösen Sehnsucht auch nur eines einzigen Juden, der keine Gelegenheit hat, einen Gottesdienst zu hören, Rechnung getragen werden muß. Zu der Frage der Unterstützung einer zu schaffenden jüdisch-theologischen Zeitschrift äußerten sich mehrere Redner sehr ausführlich: die Bedürfnisfrage wurde ausnahmslos bejaht, aber die Zuständigkeit des Landesverbandes in Frage gestellt. Zu dem Hauptpunkt der Tagesordnung legte nun der Vorsitzende den ersten Band des von ihm im Manuskript fertiggestellten Einheitsgebetbuches in hebräischem Text der Versammlung? vor. Er wünschte die. Ansicht des Ausschusses über mehrere wichtige Einzelpunkte zu hören, dereii endgültige Festsetzung die bisherigen Bearbeiter in die Hände des Ausschusses legen wollen. Dazu gehört die Wiederherstellung der Zionsgebete, soweit sie messianische Deutung zulassen. Sehr eingehend wurden sodann die Frage der doppelten Tephilla während ein und desselben Gottesdienstes, die verschiedenen Kaddisch-Gebete, die Einfügung neuer Psalmen u. a. behandelt. Wegen der Dringlichkeit der Fertigstellung des Einheitsgebetbuches wurde einstimmig beschlossen, daß Dr. Seligmann mit der Übersetzung betraut werde, die von einer Kommission von Sachverständigen überprüft werden soll. Auf diese Weise ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß der erste Band des Gebetbuches bis zum Frühjahr nächsten Jahres gedruckt vorliegen wird. Für die Vorbereitung und schleunige Inangriffnahme des Druckes soll ein zu diesem Zwecke gewählter Unterausschuß mit Sachverständigen und Druckereien in Verbindung treten. Während der Fertigstellung des ersten Bandes soll gleichzeitig der zweite Baud für die hohen Festtage in Angriff genommen werden. Oberkantor Zivi (Elberfeld) als Berichterstatter für die musikalische Ausgestaltung des Gebetbuches gab einen Überblick über die Vorbereitungen, die hier bereits getroffen worden sind. Er habe sich mit einigen hervorragenden Komponisten und Kantoren in Verbindung gesetzt. Er vertrat die auch von den übrigen Mitgliedern geteilte Ansicht, daß die Gemeinde in weit größerem Maße als bisher zum Gesang heranzuziehen und die traditionellen Melodien der alten jüdischen Gesänge beizubehalten seien. Zum Schluß wurden noch zwei von Dr. Wachstier dem liberalen Unterrichtsausschuß unterbreitete Anträge, die das Gebetbuch betreffen und darum dem liberalen Kultusansschuß überwiesen worden waren, angenommen. Der Hetzprofessor Berlin, 11. November. (JTA.) Die Berliner Presse berichtet über einen unerhörten Mißbrauch der akademischen Lehrfreiheit, dessen sich der Titularprofessor E. von Möller an der Universität Berlin schuldig gemacht hat. Schon in der ersten Vorlesung dieses Semesters wandte er sich in den einleitenden Worten an die „anwesenden Katholiken und Protestanten“. Heute nun hat Prof. Möller Katholiken und Protestanten in der Vorlesung aufgefordert, sich zusammenzuschließen und alles aus dem Vaterlande auszuschließen, was nicht deutsch und nicht christlich sei. Als hiergegen neben dem selbstverständlich nicht ausbleibenden Beifallsgetrampel auch Protest laut wurde, rief der Herr Professor aus: „Die Studenten, die sich hierzu in bewußten Gegensatz stellen, haben nicht das Recht, hier zu bleiben.“ Darauf verließen einige Studenten den Hörsaal, und Professor v. Möller hielt es nicht unter seiner Würde, ihnen nachzurufen: „Es ist nicht schade darum.“ TO ^xccxxxs Äberrerx^^efg-^länfel $offtür|cfmcr {Segt. 15T4 '^t&ftolmxg @cl. 20519 ^aßanferfigxmg ^.efröen^rfraße 14/15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.