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Das jüdische Echo · 1927-11-18 · 46 (18.11.1927) · p. Seite 754

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
46 (18.11.1927)
Date
1927-11-18
Page
Seite 754 (sequence 6)
Language
German
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754 Nr. 46 Das Jüdische Echo wir sahen damals noch nicht voraus, daß sich die große Gelegenheit noch zu unseren Lebzeiten bieten würde und daß das, was ein Traum war, Wirklichkeit werden würde. Die Bewegung für Errichtung eines jüdischen Heims in Palästina war nicht nur eine Frage intellektueller und Gefühlsentwicklung. Das hochgebildete jüdische Volk, das soviel für die westliche Zivilisation getan hatte, wird, in das Land des Ursprungs seiner Zivilisation zurückversetzt, mehr als je für den allgemeinen Fortschritt der Erkenntnis tun. Es ist ein neues Experiment, das mich optimistisch stimmt, aber wenn dieses große Experiment ein Erfolg werden solle, so müsse ihm die Mitarbeit nicht nur der jüdischen Siedler in Palästina, nicht nur der Mandatsmacht, sondern auch die moralische, intellektuelle und wirtschaftliche Hilfe der jüdischen Rasse in der ganzen Welt zuteil werden. Lord Balfour kam dann auf seinen Besuch in Palästina zu sprechen und erklärte, er habe, auf dem Mount Scopus stehend, das Gefühl gehabt, mit einer großen geschichtlichen Zeremonie verbunden zu sein, die nie vergessen werden würde. Nichts habe auf ihn einen größeren Eindruck gemacht, als die ruhige Art, mit der Juden und Araber herzlich und friedlich miteinander auskamen, wenn sie sich selbst überlassen waren. Keinerlei Gewalt ist notwendig, um diese beiden Rassen, von denen fälschlich versichert wurde, daß sie in unheilbarem Antagonismus einander gegenüberstehen, auf eine gegenseitige harmonische Basis zu bringen. Ich bin überzeugt, daß unter einer Führerschaft, wie wir sie jetzt in Palästina haben, die Schwierigkeiten sich mit der Zeit vermindern werden. Die jüdische Rasse legt sich tüchtig ins Zeug; es ist aber eine der Pflichten der Mandatsmacht, dieser gesammelten Kraft eine Chance zu geben, alles, was in inrer Macht steht, zu tun, damit diese Anstrengung nicht umsonst sei. Diese Chance würde aber keine faire sein, wenn irgend jemand die Mandatsmacht einer unfairen Behandlung der übrigen Einwohner des Landes wird zeihen können. Lord Balfour ging auf die Bemerkungen Dr. Weizmanns betreff der Schwierigkeiten der jüdischen Siedler ein und erklärte, er sei von den für die Palästina-Regierung Verantwortlichen ermächtigt, die folgende Erklärung — als eine Art zweiter Deklaration — abzugeben: „Die Palästina-Regierung beabsichtigt in Anbetracht der Schwierigkeiten, mit denen die Zionistische Organisation zu kämpfen hat. sobald als möglich gewisse allgemeine Reformen in Sachen der Bodensteuer einzuführen. Ein besonderer Beamtenstab ist vor kurzem ernannt worden, um das Werk der Landbesiedlung zu führen, dies bedeutet eine wichtige Vorstufe in Fernruf Nr. 90 9 39 •ji.'v., jni B. MARSTALLER kgl. Hofsattler / München Erzeugnisse unserer Großwerkstätten: Schiffskoffer / Schrankkoffer Autokoffer (D. R. Patent) Menageu. Toilettekoffer FEINE LEDERWAREN Verkaufsräume Damenstiftstraße 16 der Reform der Bodenbesteuerung. Nach Beendigung der Arbeit dieses Stabes wird die Regierung in der Lage sein, die gegenwärtige einschneidende Wirkung der Bodenbesteuerung zu beheben.“ Sie dürfen versichert sein, schloß Lord Balfour, daß alles, was nach Recht und Billigkeit getan werden kann, auch getan werden wird, um die vielen Aufgaben der Zionistischen Organisation erfolgreich zur Durchführung zu bringen. Dies ist der Wunsch aller Alliierten Groß-Britanniens und der Juden der ganzen Welt, und es gibt keine Macht, die dies hindern könnte. Ich habe oft über die weiten Aspekte des Zionismus gesprochen und will dies heute nicht wiederholen. Nicht alles ist so einfach, wie wir Zionisten es wünschten. Die Arbeit, die wir im Jahre 1917 begonnen haben, werden die zukünftigen Generationen fortzusetzen haben: ein Werk, das nicht nur für die Juden Palästinas, sondern auch für die ganze Menschheit ein Segen sein wird. Es kamen ferner zu Worte das Unterhausmitglied Wedgwood, Sir Alfred Mond, Nahum Sokolow, Mrs. Philip Snowden u. a. m. Sokolow kündigte an, daß auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds in Palästina ein „Balfour-Wald“, der 50 000 Bäume zählen wird, gepflanzt wird. Mrs. Snowden teilte mit, daß in England ein Palästinamandats-Komitee aus Nichtjuden mit dem Ziele, das Mandat verwirklichen zu helfen, in Bildung begriffen sei; Lord Balfour ist eines der Mitglieder des Komitees. Generalversammlung des Centralvereins Am 9. November fand im Mathildensaal die Generalversammlung der Ortsgruppe München des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt. Die Versammlung wurde eröffnet und geleitet durch Herrn Sanitätsrat Dr. Baron, der bei Beginn der Versammlung ein Schreiben des ersten Vorsitzenden, Dr. Ludwig Wassermann, bekanntgab, in welchem dieser sich auf eine bereits früher in einer Vorstandssitzung abgegebene Erklärung bezog, daß er nach vierjähriger Tätigkeit als erster Vorsitzender nicht mehr in der Lage sei, eine Neuwahl anzunehmen und von seinem Amte zurücktrete. Er könne auch an der Generalversammlung selber nicht teilnehmen. Das Überraschende und Befremdende dieser etwas gewundenen Erklärung, aus der sichtlich Eingeweihte etwas über die wirklichen Motive des Rücktritts herauslesen konnten, fand seine Aufhellung indirekt in dem Referat, das Herr Dr. Freund über die Tätigkeit der Ortsgruppe und über die politische Lage im allgemeinen erstattete. Dieses außerordentlich lebendige und verständige Referat deckte deutlich begangene Fehler auf und zeichnete eine Neuorientierung auf der ganzen Linie, welche nicht ausgesprochen zwar, aber deutlich kennbar in starkem Gegensatz zu der bekannten Einflußnahme Dr. Wassermanns in der abgelaufenen Periode der Centralvereinstätigkeit stand. Es ist außerordentlich erfreulich, daß man sich innerhalb der Vorstandschaft anscheinend von den durch die persönlichen Beziehungen Dr. Wassermanns diktierten Auffassungen endlich freigemacht hat, und es wirkte lediglich wie ein kleiner Dämpfer dieser Freude, als der Vorsitzende erklärte, daß „er-

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