Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 46 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- Seite 753 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 753 zu sein. Der hauptsächlichste Grund, der Balfour bewog, die historische Deklaration zu erlassen, war das Gefühl der Gerechtigkeit einer Rasse gegenüber, die viel zur Zivilisation der Menschheit beigetragen hat. Es waren nicht Beweggründe politischer Zweckmäßigkeit, sondern wirklich nur der Gerechtigkeit einer alten gegenüber. Ich möchte ein Geheimnis enthüllen: der einzige Einwand, den Lörd Balfour machte, war der, daß er gern gesehen hätte, wenn Groß-j britann-ien und die Vereinigten Staaten gemeinsam oder Amerika allein das Mandat übernommen hätten. Dies beweist zur Genüge, daß es sich nicht um ein materielles Ziel handelte, sondern um einen Akt der Gerechtigkeit, der seit 2000 Jahren fällig ist. Jene Juden, mit denen Lord Balfour in Kontakt kam, waren gar nicht so sehr darauf erpicht, Zeugen dieses Gerechtigkeitsaktes zu sein; Lord Balfour aber mit seinem prophetischen Scharfblick wußte, daß das jüdische Volk nicht nur in Park Lane zu London lebt. Die Deklaration hat Gefühle der Hoffnung und der Sehnsucht im jüdischen Volke der ganzen Welt erweckt. Sie sahen die Erfüllung ihrer jahrhundertealten Gebete und Wünsche kommen und erkannten, daß alle ihre Leiden durch die Generationen hindurch nicht vergeblich gewesen waren. Lord Balfour war es, der die zionistische Frage vor das Kabinett brachte. Ich erinnere mich, wie der verstorbene Sir Mark Sykes von der Kabinettsitzung zu den draußen auf das Ergebnis Wartenden trat und ausrief: ,Meine Herren, es ist ein Junge! Jawohl es ist ein Junge, ein unartiger, ein lärmender Junge zuweilen, aber jetzt nach zehn Jahren ist er gereift.4 Die Balfour- Deklaration wurde in der natürlichen Weise verstanden, daß Palästina den Juden gegeben werden sollte. Judäa den Juden. Sogar die Soldaten Lord Allenbys hatten es so verstanden. In den Straßen Jerusalems hörte man sie zueinander sprechen: die heilige Stadt wurde den Zionisten gegeben. Baron Edmond de Rothschild sah mit seinem prophetischen Scharfblick voraus, daß noch einmal der Tag kommen würde, an dem Palästina vor dem Gericht der Nationen stehen werde. Er legte den Grundstein hierzu. Das Fundament wurde von der Balfour-Deklaration hundertfältig befestigt. Es ist an den Juden, der Bedeutung der Deklaration gemäß zu handeln. Wir haben während dieser zehn Jahre, der Periode des Experiments, viel geleistet; wir haben der Welt gezeigt, daß Palästina von jüdischen Hän de n e r'b'a u't . w e r d e n kö n ne und solle. Jetzt, da wir an der Schwelle eines neuen Jahrzehnts stehen, ist es an der Administration Palästinas und an der Mandatsmacht, die erforderlichen Schritte z u u n ter nehmen, um die Dinge der Bodenpolitik, Einwanderung und Besteuerung in Fluß zu bringen, Erleichterung zu schaffen. Es ist die Pflicht der Mandatsmacht, das Jüdische Nationalheim auf festem Boden zu errichten, was nicht nur das Leben der Juden erleuchten, sondern der ganzen Menschheit Neubelebung bringen wird.“ Sir Herbert Samuel, dei erste britische Oberkommissar für Palästina, erinnerte in seinem Trinkspruch an den Tag der Eröffnung der hebräischen Universität durch Lord Balfour uhd skizzierte die jüdischen Leistungen in Palästina in den letzten Jahren. „Zwei Dinge,“ fuhr Sir Herbert Samuel fort, „sind für die zukünftige Entwicklung des Jüdischen Nationalheims lebenswichtig: erstens der Ausbau der Jewish Agency als ein alle Teile der Judenheit umfassendes Organ auf fester Basis; zweitens — und dies ist mehr als dringend — müssen die britische Regierung und die Palästina-Administration der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas eine stets steigende Aufmerksamkeit widmen. Vor 50 Jahren,“ schloß Sir Herbert, „arbeitete Balfour mit dem großen Juden Disraeli auf dem Berliner Kongreß zusammen; wahrscheinlich hörte er damals zum ersten Male von Disraeli Gedanken über die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes in Palästina. Als er mit Disraeli verbunden war, war er mit der jüdischen Vergangenheit verbunden; als er dann die Deklaration verkündete, knüpfte er seinen Namen an die jüdische Zukunft.“ Lord Balfour Nun erhob sich Lord Balfour zu einer Dankrede, die Anwesenden brachten ihm stehend eine stürmische Ovation dar. Ich bin, sagte er, tief bewegt darüber, daß man meinen Namen mit einem der bedeutendsten Experimente verbindet. Es ist wahr, daß ich einer der ältesten britischen Zionisten bin. Lange vor der Deklaration haben ich und Dr. Weizmann in privaten Gesprächen unsere Hoffnungen und Befürchtungen mit Bezug auf dieses große Unternehmen ausgetauscht. Aber r L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpreislage: Mk. 180. bis Mk. 250.- Kein Anzug über Mk. 280.- V