Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 744 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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744 Das Jüdische Echo Nr. 45 Handwerker wurden erwerbslos. Die großen amerikanischen philantropischen Gesellschaften Joint und Ica versuchen mit Unterstützung der Sowjet- Regierung diese „Luftmenschen“ in der Krim landwirtschaftlich anzusiedeln. Man denkt an 100 000 Familien, wenn das nötige Geld aufgebracht werden kann. Bisher sollen etwa zehntausend Familien in hundert Dörfern in drei getrennten Gebieten (Nord-Krim, Cherson, Jekaterinoslav) Wohnsitz gefunden haben; für weitere fünftausend soll noch Platz ‘sein. Wo der restliche größere Teil angesiedelt wird, ist noch unklar — man denkt an Nord-Kaukasus, Zentral-Asien, Sibirien und ruft dadurch den Eindruck hervor, als ob die Juden verbannt werden sollten. Doch soweit wird es kaum kommen; es scheint unmöglich, die entsprechenden Geldmittel selbst in Amerika aufzubringen. Die Sowjet-Regierung zeigt sich sehr interessiert: sie gibt Boden und Kredit, befördert die Ansiedler, stellt Holz zur Verfügung und gewährt drei Jahre Steuer- und Militärfreiheit. Wenn trotzdem die Kolonisation mit ungeheuren Schwierigkeiten zu kämpfen hat, so zeigt das deutlich, daß Juden, die nicht beruflich vorgebildet sind und deren Umschichtung nicht eine Idee als Ursache hat, als Menschenmaterial für landwirtschaftliche Siedlung wenig geeignet sind. Man rechnet heute schon mit fünfzehn Prozent Rückwanderern. Die Siedler bilden anfangs eine enge Gemeinschaft; wenn die Vorarbeiten (Brunnenbohren, Häuserbau u. ä.) durchgeführt sind, trennen sich die einzelnen Familien und arbeitet jede für sich. Vollkommenheit im Ton ist das hohe Ziel, dem alles Forschen im Klavierbau gilt. Die rastlose Versuchsarbeit dreier Generationen der Klavierbauer-Familie S ch w e ch t e n führte zur Erfindung des Schwechten-Patent-Klang-Meges, der den Schwechien Flügel/Pianos ihre dominierende Stellung verlieh. Dieser bedeutendste klaviertechnische Fortschritt brachte eine bisher unbekannte Veredelung u. Bereicherung des Tones. Einen Schwechten hören — ist hoher Genuß, einen Schwechten spielen — ein Erlebnisl Auch diese hochvollendeten Instrumente liefern wir zu angenehmen Zahlungsbedingungen Alleinige Niederlage: Pianohaus Hirsch München / Lindwurmstratje 1 (am Sendlingerto rplatz) Für kulturelle und sanitäre Institutionen ist kein Geld da. Es herrscht großer Mangel an Schulen und Krankenhäusern, Kindergärten u. ä. — Der öffentliche Religionsunterricht ist, wie in ganz Rußland, verboten. Sicherlich muß jeder ernste und gesicherte Versuch, Juden eine wirtschaftlich gesunde Basis zu verschaffen, begrüßt werden. Bei der Krimkolonisation aber handelt es sich um ein begrenztes, inner-russisches Unternehmen, aufgebaut auf die momentane Tendenz der Stadtflucht, das nicht einmal einen wirklichen Schutz vor Pogromen darstellt und das selbst auf so schwachen politischen, wirtschaftlichen und psychologischen Grundlagen steht, daß man ernstlich zweifeln muß, ob es gerechtfertigt ist, diesem Unternehmen große Summen zuzuwenden — zumal dann, wenn sie auch noch dem Palästinaaufbau dadurch entzogen werden sollten. W. G. Generalversammlung des Bar - Kochba. Am Dienstag, dem 1. November, fand die diesjährige sechzehnte Generalversammlung des jüdischen Turn- und Sportvereins Bar-Kochba statt, die von besonderer Wichtigkeit war, da der Verein kurz vor der Auflösung gestanden war. Die Tagesordnung sah folgende Punkte vor: 1. Bericht der Vorstandschaft, 2. Bericht des Kassiers, 3. Entlastung und Neuwahl, 4. Anträge, 5. Verschiedenes. Herr J. Orljansky erstattet einen kurzen Bericht über die von der Vorstandschaft im letzten Jahre geleistete Arbeit, die leider sehr unproduktiv war. Zum Teil sei diese auf die schlechte finanzielle Lage des Bar-Kochba zurückzuführen. Herr Orljansky gibt dabei gleichzeitig bekannt, daß sich ein Mitglied der Z.O.K. bereit erklärt habe, den Bar-Kochba pekuniär für die nächsten Monate zu unterstützen, so daß also diese Angelegenheit ziemlich geklärt sei. Seit etwa zwei Wochen existiert wieder die Herrenabteilung unter Leitung des Sportlehrers Veith. Die bisher beste Abteilung des Vereins, die Damenabteilung, sei leider in der letzten Zeit zurückgegangen, was wohl ebenfalls durch die allgemeine Krise des Bar-Kochba zu erklären sei. Aus dem Kassenbericht des Herrn Friedländer ist zu entnehmen, daß die seit dem Vorjahre bestehenden Schulden auf die Hälfte reduziert seien, und zwar durch das Entgegenkommen einiger Herren, die durch Tilgung bestehender Schulden des Bar-Kochba eine Reorganisation der Kasse ermöglichten. Herr Dr. B. Silbert vom Präsidium des deutschen Kreises des Makkabi-Weltverbandes in Berlin referiert dann über die Bemühungen des Präsidiums, den Münchener Verein neu zu gestalten. Dieser habe die Aufgabe, aus seiner eigenen starken zionistischen Einstellung heraus die übrigen süddeutschen Vereine zionistisch zu beeinflussen. Besonders von einer Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Bar- Kochba verspräche er sich sehr viel. — Nach Entlastung der alten Vorstandschaft wird zur Neuwahl geschritten. Von seiten der zurückgetretenen Vorstandschaft liegt folgender Vorschlag vor: 1. Vorsitzender Herr Josef Orljansky, 2. Vorsitzender Herr Bernhard Lustig, Kassier Herr Gustav Friedländer, 1. Schriftführer Fräulein Henny Feuchtwanger, 2. Schriftführer Herr Leo Fleischer, Leiterin der Damenabteilung Fräulein Camilla Hohenberger, Leiterin der Mädchenabteilung Fräulein Tda Orljansky, Leiter der Sport- bzw. Herrenabteilung Herr Josef Orljansky, Leiter der Herrenturnabteilung Herr A. Mysliborski-Misch, Leiter der jüngeren Knabenabteilung (vorläufig noch un-