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Das jüdische Echo · 1927-11-11 · 45 (11.11.1927) · p. Seite 742

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
45 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
Seite 742 (sequence 10)
Language
German
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742 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 45 Bücher und Zeitschriften Der fünfte Band von „Dubnows Jüdischer Geschichte“ (Jüdischer Verlag Berlin) rechtfertigt wiederum den Titel „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“, den das Gesamtwerk führt, denn dieser Band behandelt die jüdische Geschichte in Deutschland, England, Frankreich, Italien und Osteuropa vom 13. bis zum 15. Jahrhundert. Muß man da ausdrücklich sagen, daß auch dieser Band eine kolossale Fülle geschichtlichen Materials enthält und daß nur ein Mann von Bedeutung dieses Material überblicken und es so vorzüglich gliedern konnte? Wir erleben leider täglich so manchen Umstand, der uns die jüdische Gegenwart in einem „betrübten“ Licht erscheinen läßt. Daß eine Arbeit wie die Dubnows nicht nur geschrieben, sondern auch verlegt, nicht nur verlegt sondern auch gekauft und von vielen mit Hingabe auch gelesen wird — dieser Umstand wiegt alle Hitler-Hudelei und alle Streicher-Streiche auf und' ist die einzige wirklich wirksame „Abwehr“, die es gibt: Stärkung des Selbstbewußtseins. Es gibt bei uns deutschen Juden auch unter den führenden Männern nur mehr wenige, die von jüdischen Dingen mehr als höchstens oberflächliche Kenntnisse haben. Das ist nicht die Schuld der einzelnen — oder war es doch bis jetzt nicht. Durch eben dieses Werk von Dubnow hat sich das nun aber um einiges geändert: Wenn der alte — zu Unrecht so gemiedene Grätz nicht mehr in weiteren Kreisen gelesen wurde, so konnte man das verstehen. Aber dieses neue repräsentative Geschichtswerk muß gelesen werden von allen, denen es um jüdische Dinge Ernst ist, und es ist gerade leicht genug, um von allen verstanden zu werden, und gerade schwer genug, um den nachhaltigen Eifer ernstlich zu belohnen. Gegenüber dieser großen Bedeutung des Werkes wiegen die Mängel, wie sie auch der fünfte Band stellenweise zeigt, leicht. Wiederum zeigt sich, daß der Verfasser zu geistesgeschichtlichen Tatsachen ein engeres Verhältnis findet als zu wirtschafts- und verfassungsgeschichtlichen. In diesen letzteren Zusammenhängen ist manches nicht gesagt, was gesagt sein müßte, und manches Gesagte undeutlich gesagt (z. B. § 20). Dieser Mangel ist deshalb besonders bedauerlich, weil auch die früheren Gesamtdarstellungen der jüdischen Geschichte (zuletzt also Grätz) in diesem Punktei versagen. Einige andere geschichtliche Werke verdanken ihr Erscheinen der „Gesellschaft zur F Order u’ng der Wissenschaft des Judentums, die am 2. November ihr 25. Jubiläum gefeiert hat. Wenn diese Gesellschaft nichts anderes bewirkt hätte als das Erscheinen der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“, die sie finanziert, so dürften wir sagen: „es ist uns genug“. Aber darüber hinaus ING. G. AIGNER’S PRIVATE KRAFTFAHRKURSE gegründet 1913 Gabelsbergerstr. 62 I Telephon 51314 Straßenbahnhaltestelle: Kreuzung Augusten-Gabelsbergerstraße der Linien 2, 7, 17; — garantieren als alteingeführtes Unternehmen mit besten Referenzen für vollkommene Qualitäts-Ausbildung hat sie mit den noch unvollendeten Sammelwerken „Corpus Tannaiticum“ und „Germania Judaica“ eine Arbeit aufgenommen, die kaum ohne sie hätte bewirkt werden können. Leider sind nicht alle von der „Gesellschaft“ unterstützten Werke so grundlegend wie diese. Die als „Jubiläumsprachtwerk“ angekündigte Darstellung über: „Abraham Abrahamson, 50 Jahre Berliner Medaillenkunst“ wird gewiß „Aufsehen erregen“ (wie eine offiziöse Kundgebung der Gesellschaft sagt); aber so sehr wir überzeugt sind, daß dieses Werk in jeder Hinsicht wertvoll ist, so sehr glauben wir doch, daß die Mittel der Gesellschaft für solche Spezialarbeiten erst dann Verwendung finden dürfen, wenn die grundlegenden Aufgaben erschöpft sind. Das ist aber keineswegs der Fall. 1902 hat die seither längst entschlafene „Historische Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland“ die bekannte Aroniussche Regestensammlung veröffentlicht, die nur bis 1273 reichen. Kein Privatmann kann die Sammlung fortsetzen; die harte1 Arbeit, die eine solche Quellenedition bedeutet, bedarf sogar moralisch der Ermutigung durch die Öffentlichkeit. Bei einer Spezialarbeit über „Berliner Medaillenkunst“ und bei manchen früher von der Gesellschaft herausgebrachten Bänden ist das in viel geringerem Grade der Fall, und wenn wir heute den führenden Männern der Gesellschaft unsern Glückwunsch und aufrichtigen Dank aussprechen, so sei uns die Bitte gestattet: daß sie ihre leider begrenzten Mittel auf wesentliche Aufgaben in noch höherem Grade als bisher konzentriere. rst. Anläßlich ihres 25jährigen Bestehens veranstaltet die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums am Mittwoch, dem 16. November, nachmittags 6 Uhr, im Logenhaus, Berlin W. 62, Kleiststraße 10, eine Festsitzung, bei der außer den auf das Jubiläum bezüglichen Ansprachen ein Vortrag von Herrn Dr. C. Tasilo Hoffmann mit Lichtbildern über das Thema: Jacob Abraham und Abraham Abramson, 55 Jahre Berliner Medaillenkunst (1 755 — 181 0) stattfinden wird. * * * Von der in Nummer 38 besprochenen neuen Bibelübersetzung von Buber-Rosenzweig (Verlag Lambert Schneider, Berlin-Dahlem) ist inzwischen der sechste Band „Jehoschua“ erschienen, der all das vielfältig wieder zeigt, was bereits rühmend hervorgehoben wurde. Ganz besonders sei noch auf die in jeder Beziehung vorbildliche Ausstattung der Bände hingewiesen, die ohne Einschränkung eine typographische Meisterleistung genannt werden dürfen. * * * Seit nunmehr fast einem Jahre erscheint in Wien wieder, herausgegeben vom Zionistischen Landeskomitee für Österreich und unter der Redaktion von Adolf Böhm, die Zeitschrift „P a 1 ä - s t i n a“, Monatsschrift für die Erschließung Palästinas. Die Hefte vermitteln ausgezeichnete Information über alle aktuellen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme in ausführlicheren Aufsätzen bester Palästinakenner, in einer Rundschau wird jeweils eine Revue über die Ereignisse und Vorgänge in Palästina gegeben. Wer sich für Palästina wirklich interessiert und nicht imstande ist die hebräische Presse zu verfolgen, wird gut daran tun, sich diese Zeitschrift zu halten. (Sie ist zu beziehen durch die Administration: Wien I., Kärntnerstraße 28.)

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