Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 740 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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740 Das Jüdische Echo Nr. 45 Aus der jüdischen Welt Die Tagung des großen Rates des Landesverbandes Berlin, 1. November. (JTA.) Vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden wird amtlich mitgeteilt: Am 30. Oktober d. J. fand unter dem Vorsitz des Kammergerichtsrats Wolff eine Sitzung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Fünfzig Angelegenheiten standen auf der Tagesordnung, von denen in fast zwölfstündigen Beratungen ein großer Teil erledigt werden konnte. Herr Dr. Ismar Freund berichtete über die Gewährung und Verteilung der Staatsbeihilfen für den Religionsunterricht und die Rabbinerstaatsbeihilfen im Jahre 1927. Sodann wurde eingehend die Schächtfrage besprochen und der Beschluß des landwirtschaftlichen Ausschusses im preußischen Landtag gewürdigt. Um elfeinhalb Uhr wurden die Verhandlungen unterbrochen, weil der Große Rat an der Trauerfeier teilnahm, die die Jüdische Gemeinde Berlin in dem gleichen Hause für den verstorbenen Justizrat Leo Lilienthal abhielt. Hierauf beschäftigte sich der Rat eingehend mit der in Berlin neu eröffneten Vorbereitungsanstalt für jüdische Lehrer und Lehrerinnen. — Es folgten die Beratungen über die Angelegenheit „Reichsverband der deutschen Juden“. Man war allgemein der Ansicht, daß ein baldiges Zustandekommen der Reichsorganisation durchaus notwendig sei; unüberbrückbare Schwierigkeiten ständen nicht mehr im Wege. Der von den Landesverbänden und dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund bei der Dresdener Besprechung vom 22. Mai 1927 einmütig gefaßte Beschluß, daß unter Zugrundelegung bestimmter Richtlinien neue Verhandlungen zur Begründunng der Reichsorganisation aufgenommen werden sollen, wurde vom Rat gutgeheißen. Es wurde ein neunköpfiger Ausschuß gewählt, der sich sofort mit den anderen Verbänden in Verbindung setzen soll. In das Kuratorium des Gesamtarchivs der deutschen Juden in Berlin soll im Einverständnis mit dem Archiv Herr Prof. Dr. Türk abgeordnet werden. Für die Prüfung von Neuerscheinungen jüdischer Religionslehrbücher, wie sie der Konservative Kultus-Ausschuß in seiner letzten Sitzung angeregt hatte, wurde ein Betrag bewilligt. Die Wäscherei der Münchener Hausfrau ist ein mit allen neuzeitlichen Mitteln auf das hygienischste eingerichteter Betrieb. Streng getrennte Behandlung jedes 'Wäsche»Postens . Größte Mietwäscherei” Münchens Wir laden die Hausfrauen ein, d. bill., schonendste und dabei müheloseste Verfahren zum Reinigen der Wäsche praktisch kennenzulernen.^ Jede Hausfrau ist begeistert von der schönen Einrichtung Viele Anerkennungsschreiben. Trockenanlage und Bügelmaschinen stehen zur Verfügung. Wir bitten um unverbindliche Besichtigung unserer Anlagen. Auto zum Abholen und Zubrin 9 en. Wäscherei d. Münchener Hausfrau HOCKER & BXUERLE Landwehrstr.57/59, T 596858 Vom Rechnungsabschluß für das Jahr 1926/27 wurde Kenntnis genommen. Zum Schluß erstattete Herr Rechtsanwalt Dr. Klee über die Presse-Ausstellung in Köln und die dabei geplante jüdische Abteilung Bericht. Der Landesverband wird sich an diesem Unternehmen unterstützend beteiligen. Maximilian Harden gestorben Berlin. (JTA.) Ein Telegramm aus Montana- Bermala (Schweiz) meldet, daß dort am 30. Oktober Maximilian Harden nach schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren verstorben ist. Harden wurde als Jude geboren und hieß ursprünglich Isidor Wittkowsky. Noch in seiner Schülerzeit nahm er auf Veranlassunng seiner Eltern den evangelischen Glauben an. Er war zweifellos das größte publizistische Talent im Vorkriegsdeutschland gewesen. 1892 gründete er die Wochenschrift „Die Zukunft“, die er bis zum Jahre 1923 herausgab und in der er Woche für Woche einen umfangreichen leitenden Artikel über die politischen Ereignisse schrieb. In der ganzen Welt bekannt wurde er durch seinen Kampf gegen Wilhelm II. und durch sein Eintreten für Bismarck. Dieser Kampf trug ihm mehrfache Festungsstrafen ein. Nach der Revolution ging er mit den radikal-republikanischen Elementen und war deswegen von der Reaktion sehr scharf angegriffen worden. Insbesondere war er wegen seiner jüdischen Abstammung Schmähungen ausgesetzt. Kurz nach dem Rathenaumord wurde Harden von gedungenen Hakenkreuzlern in dem Garten seiner Villa zu Berlin- Grunewald überfallen und durch Schläge auf den Kopf sehr schwer verletzt. Seitdem kränkelte er und konnte seine publizistische Tätigkeit nur in Interwallen ausüben. Wiederbeginn der Vorlesungen an der Budapester Universität Budapest, 4. September. (JTA.) Nach fünftägiger Pause wurden an der Budapester Universität die Vorlesungen wieder aufgenommen. Die jüdischen Hörer gelangten ungestört in die Vortragssäle. Die Hörer wurden von den Beamten zur Ausweisleistung angehalten, so daß Fremde nicht hineingelangen konnten. Heute Nacht fand ein Säbelduell zwischen zwei jüdischen Universitätsstudenten und zwei Präsidenten der studentischen Hakenkreuzlerverbände statt. Beim ersten Duell machte der erste jüdische Student den Präsidenten des Kameradschaftsverbahdes „Turul“ durch Kopfhieb kampfunfähig, der andere Zweikampf endete mit der Kampunfähigkeit beider Gegner. Die Forderung ging von den jüdischen Studenten aus, die erklärten, die jüdischen Studenten fühlen sich durch die von den Kameradschaftsverbänden ausgeübte Legitimierung persönlich beleidigt. Andauernde Unruhen an der Budapester Universität Budapest, 5. November. (JTA.) An einzelnen Instituten der Universität haben sich die Kundgebungen gegen jüdische Hörer auch heute trotz der Androhung der Behörden wiederholt, und in einem der Hörsäle bedurfte es energischen Einschreitens des Vortragenden Professors, um Ausschreitungen gegen die Juden zu verhüten. Die Universitätsbehörden wollen nun noch einige Tage zuwarten und drohen im Wiederholungsfälle mit unbedingter Schließung. Fortsetzung siehe Seite 743