Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 739 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 45 739 Das Jüdische Echo Dr. Weizmann ebensooft deswegen angreift, daß er den gesamten Aufbau Palästinas den Arbeitern ausgeliefert habe und auszuliefern fortfahre. Es zeigt sich eben, daß in einem verhältnismäßig kleinem Lande, in dem jeder Teil notwendigerweise auf die Wahrung seiner Interessen gerichtet sein muß, der Blick für die Interessen der Allgemeinheit leicht verloren geht. Die palästinische Öffentlichkeit sollte sich aber vornehmen, der neuen Exekutive ihr ohnedies schweres Amt der notwendigen Konsolidierung der Budgetwirtschaft nicht durch immer wieder erhobene, unerfüllbare Forderungen zu erschweren, sondern ihr die Möglichkeit geben, im Laufe der nächsten zwei Jahre zu zeigen, ob die neue Exekutive den bei ihrer Wahl gehegten Erwartungen entsprechen kann. Es ist dabei begreiflich, daß die verschiedenen Parteien die Zwischenzeit ausnutzen wollen, um ihre Stellung in den Ländern der Diaspora zu befestigen und Anhänger für ihre Anschauungen zu finden. Die Arbeiterorganisation hat entsprechend auch beschlossen, die Massen in den Ländern des Galuth über die Lage im Lande und über die wahren Bestrebungen der palästinischen Arbeiterschaft zu informieren und die jüdische Arbeiterschaft in Amerika und Europa in palästinafreundlichem Sinne zu organisieren. Zu diesem Zwecke werden hervorragende Führer der Arbeiterschaft sich in der nächsten Zeit zu längerem Aufenthalt in das Ausland begeben. Ein kleinlicher Standpunkt ist von einzelnen Teilen des Jischuw, insbesondere leider auch von der Arbeiterschaft, der neuen Exekutive gegenüber entwickelt worden. Man hat darauf hingewiesen, daß die neuen Mitglieder der Exekutive, Miß Szold und Harry Sacher, erst jung in der zionistischen und jüdischen Bewegung seien. Selbst als man auf die vollständige Unrichtigkeit dieser Behauptung hingewiesen hat, hat man es nicht für nötig gefunden, dies mit dem genügendem Nachdruck zu widerrufen. Noch eigentümlicher ist der Vorwurf, der der neuen Exekutive gemacht wird, daß ^ie anglo-sächsisch sei. Es war gerade der Standpunkt des Zionismus, daß er die Einheit des Judentums proklamierte untf daß die von den Assimilanten betonten Gegensätze zwischen englischen, französischen, deutschen, russischen und anderen Juden bei ihm nicht bestanden. Nun scheint es, als ob gewisse russisch-jüdische Kreise behaupten wollen, sie hätten das Monopol des Judentums und des Zionismus und andere Teile des jüdischen Volkes seien volksfremd. Hierin liegt nicht nur eine völlig unberechtigte Überheblichkeit, sondern mehr noch eine Gefahr für die Zukunft des Zionismus. Es ist eine Tatsache, der man Rechnung tragen muß, daß der Schwerpunkt der zionistischen Bewegung, der vor dreißig und zwanzig Jahren in Rußland lag, später nach Deutschland und Österreich verlegt wurde und heute nach den anglo-sächsischen Ländern seine Richtung nimmt. Dieser soziologischen Tatsache, die auch im allgemeinen Weltgeschehen begründet ist, muß auch die zionistische Bewegung und zionistische Öffentlichkeit Rechnung tragen, wenn es auch bedeuten sollte, daß manche bisher führenden Kreise einen Teil der Führung werden allmählich abgeben müssen. Nur eine bereitwillige Zusammenarbeit zwischen der Palästinaexekutive und der jüdischen Bevölkerung des Landes kann jene Stimmung in der Diaspora schaffen, die eine großzügige Keren- Hajessod-Arbeit ermöglicht. Was in dem letzten Jahre in weiten Kreisen unseres Volkes gefehlt hat, war das Vertrauen zur Leitung des Aufbauwerkes in Palästina. Dieses Vertrauen wieder herzustellen, vor allem durch eine gesunde Finanzpolitik, ist die Aufgabe der neuen Palästinaexekutive. Gerade durch ihre Zusammensetzung wird sie auch imstande sein, von der palästinischen Regierung alles das zu erhalten, was diese an aktiver Hilfe in der jetzigen Lage dem jüdischen Aufbauwerke geben kann. Die ersten Herbstmonate zeigen wie immer einen Rückgang in den Einnahmen des. Keren Hajessod und dieser Ausfall kann auch gerade für den Beginn des neuen Finanzjahres und für die Aufgaben der Exekutive von nachteiligen Folgen sein. Die zionistische Öffentlichkeit in und außerhalb Palästinas muß sich dessen bewußt sein, daß es gerade zu Beginn der Tätigkeit des neuen Budgetjahres erforderlich ist, daß die notwendigen Mittel zur Stelle seien. Die amerikanischen Zionisten haben bereits als erste mit einer speziellen Kampagne zur Erlangung erhöhter Einnahmen den Anfang gemacht. Dr. Weizmann, der sich jetzt in Palästina befindet, wird von hier aus mehrere europäische Länder, unter ihnen Deutschland, Rumänien und Holland, besuchen. Das Budget des Keren Hajessod für dieses Jahr ist so angesetzt worden, daß man nach aller Voraussicht seine volle Deckung durch die Eingänge erwarten kann. Wird dies gelingen, wird unzweifelhaft ungeachtet aller notwendigen und schmerzlichen Einschränkungen in Palästina selbst die Stimmung im Lande sich heben und das Vertrauen in die Methoden der zionistischen Aufbauarbeit in weitesten Kreisen wiederkommen. H. K. ❖ * * Besondere Schwierigkeiten haben sich leider bei der Regelung des Erziehungswesens ergeben, wie aus dem folgenden Bericht hervorgeht: Jerusalem, 28. Oktober. (JTA.) Das Direktorium des Waad Leumi und der Waad Hachinuch (Erziehungsrat) sowie die Leiter des Erziehungsdepartements der zionistischen Exekutive hielten eine gemeinsame Beratung ab, um sich über die durch die Kürzung des Erziehungsbudgets laut Beschluß des Baseler Zionistenkongresses geschaffene Lage schlüssig zu werden. Nach einer Rede Dr. Thons, der die Notwendigkeit betonte, daß kein Kind vom Unterricht ausgeschlossen werden dürfe, stellte Dr. Lurie, der frühere Direktor des Erziehungswesens, fest, daß der bisherige Standard nur bei einem Erziehungsbudget von £ 82 000 aufrechterhalten werden könnte. Bei dem jetzigen Budget werden etwa 3000 Kinder draußen bleiben müssen. Die Vertreter der Lehrer erklärten, daß die Lehrer von ihren Minimalforderungen nicht abgehen können. Es wurde beschlossen, die zionistische Exekutive aufzufordern, Verhältnisse zu schaffen, daß allen Kindern die Möglichkeit gegeben werde, eine normale hebräische Erziehung zu genießen. Seit fünf Tagen halten die hebräischen Lehrer eine Konferenz ab, ohne daß endgültige Beschlüsse gefaßt werden konnten. Dr. Weizmann und B i a 1 i k haben die amerikanischen Zionisten telegraphisch gebeten, alle Anstrengungen zu machen, um die amerikanischen Beiträge für das Schulbudget zu erhöhen. Sonntag, den 11 .Dezember 1927 im Odeon Konzerldesjad.GesanQverßinsMfincl)eD Solist: Herr Oberkantor Älter, Hannover