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Das jüdische Echo · 1927-11-11 · 45 (11.11.1927) · p. Seite 738

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
45 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
Seite 738 (sequence 6)
Language
German
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738 Das Jüdische Echo Nr. 45 Beachtet das Programm der Lehrkurse der Isr. Kultusgemeinde Beginn: Mittwoch, 16. November tungen in der Ukraine wieder an uns vorüberziehen lassen, so sollten wir in den Tagen um den 9. November daran denken, daß wir im Herbst 1923 von ähnlichen Ereignissen vielleicht nicht allzu weit entfernt waren. Die Ostjuden, wohl kaum mehr gehaßt als alle Juden, aber noch schwächer als die anderen, mußten die Feindschaft der antisemitischen Staatsleitung, die sich noch dazu dem Druck der Hitlerleute beugte, vor allem fühlen. Ohne jeden Rechtsgrund drang die Polizei in die Häuser der Ostjuden ein, suchte und fand Dinge, die wohl in den meisten Häusern zu finden waren, nämlich ein paar Dollars, und eröffnete darauf eine Reihe von Strafverfahren zum Zwecke der Ausweisung. Aber auch in all den Fällen, in denen etwas strafbares nicht gefunden wurde, scheute man sich nicht, die Ausweisung zu verhängen, zumeist mit ganz kurzen Fristen, und heute noch sind zahllose Familien verarmt und existenzlos, die durch die Kahrsche Ausweisung um Hab und Gut gebracht waren. Viele waren gezwungen, ihre Habe gegen lächerliche Papiermarksummen zu verschleudern, um überhaupt von München wegziehen zu können, und gar manche von diesen Familien sind heute noch auf Wohltätigkeit angewiesen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß es sich um Menschen handelt, die seit Jahrzehnten in München ansässig waren und denen man irgend etwas Ernstliches überhaupt nicht vorwerfen konnte. Der Besitz einiger Goldsachen oder ein bescheidener Wohlstand, der unter der mißgünstigen Beurteilung jener Behörden zu „großem Reichtum“ wurde, spielte in den Begründungen eine regelmäßig wiederkehrende Rolle. Über die Absichten, die in jenen Tagen gegen die deutschen Juden bestanden, gibt es interessante Anhaltspunkte, die sich leider mangels schriftlich dokumentierter Unterlagen nicht zur Behandlung an dieser Stelle eignen. Es wäre eine dankenswerte, wichtige Aufgabe des Untersuchungsausschusses des bayerischen Landtags, seine Ermittlungen auf die hier behandelten Dinge auszudehnen. Wir sind überzeugt, daß das Ergebnis noch in stärkerem Maß als das bisherige zur Beurteilung und Verurteilung der damaligen Regierungsmethoden beitragen wird. Den Juden aber möchten wir sagen, es ist Unrecht, solche Erlebnisse allzu schnell zu vergessen. Koppel. MODELLHAUS SOPHIE OELDENBERGER HAUS FÜR FEINSTE DAMENMODEN MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 40 TELEPHON 27168 Palästina nach dem Kongreß Jerusalem, Ende Oktober 1927. Dr. Weizmann, der Präsident der Zionistischen Organisation, hat sich sofort nach Schluß des Kongresses nach Palästina begeben. Er findet hier in mancher Hinsicht eine bessere Lage vor, als sie vor einigen Wochen geherrscht hat. In Jerusalem ist die Arbeitslosigkeit liquidiert, und die allgemeine wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung Jerusalems kann als gesund gelten. In den neuen jüdischen Stadtvierteln, die sich im Süden und Westen um die Stadt zu einem Ring zusammenzuschließen beginnen, wird eifrig gebaut. Die neue Verkehrsader, die durch den auf den Boden der Palestine Land Development Company im Zentrum der Stadt gelegenen neuen Merkas Mischari führt, ist der Vollendung nahe, Die verschiedenen großen öffentlichen Gebäude, die in diesem Jahre in Jerusalem gebaut werden sollen, sind bereits begonnen. Auch in Haifa hat sich die Lage wesentlich gebessert. Die großen Irrigationsarbeiten, die in den Siedlungen des Keren Hajessod um Nahalal herum und im Nurisblock durchgeführt werden sollen, werden dieser Tage beginnen. Nur in Tel Awiw ist die Lage unverändert geblieben und die Stimmung durch die Dauer der Krise gedrückter noch als sie zuvor war. Viele der Palästinenser haben sich bis jetzt noch Illusionen hingegeben und wollen die Wirkung der Lage nicht sehen. Sie haben daher vom Kongreß auch Wunder erwartet. Diese Wunder sind selbstverständlich ausgeblieben und an die Stelle der unberechtigten Illusionen ist eine ebenso unberechtigte Depression getreten. In den Pflanzungskolonien in Judäa ist freilich davon kaum etwas zu merken. Dort sind auch in der letzten Zeit große Käufe von Orangenboden durchgeführt worden. Eine Anzahl jüdischer Arbeiter wird in der letzten Zeit in steigendem Ausmaße von Arabern beschäftigt. Seit dem Erdbeben in Palästina hat sich die Überzeugung bei den Arabern festgesetzt, daß die jüdischen Häuser besser und sicherer gebaut seien als die arabischen. Arabische Bauunternehmer ziehen daher vielfach nicht nur für qualifizierte Spezialarbeiten jüdische Arbeiter heran. Hat so die wirtschaftliche Lage in der letzten Zeit eine Besserung erfahren, so ist die Stimmung gegenüber dem Ausgang des Kongresses und gegenüber der für Palästina neu gewählten Zionistischen Exekutive durchaus keine allzu freundliche. Insbesondere in den Kreisen der Arbeiterschaft steht man der neuen Exekutive mit Mißtrauen gegenüber. Es ist aber bezeichnend, daß die Arbeiterschaft die neue Exekutive und auch Dr. Weizmann dessen anklagt, daß sie ein arbeiterfeindliches Regime einführen, während gleichzeitig die Vertreter der bürgerlichen Parteien, wie z. B. das Mitglied des Aktionskomitees Supraski,

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