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Das jüdische Echo · 1927-11-11 · 45 (11.11.1927) · p. Seite 737

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
45 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
Seite 737 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 737 stellen und für den Fall, daß ihr diese Absicht nicht gelingen sollte, hatte sie noch einen Pfeil in ihrem Köcher: Daß die Pogrome eine Folge des Verhaltens der Juden waren und daß die in der Ukraine vorhanden gewesene Anarchie von den Juden systematisch erzeugt wurde, die dann gerechterweise infolge der von ihnen hervorgerufenen anarchischen Zustände umkamen. Es bestand also die Möglichkeit, daß die jüdische Gesamtheit im Pariser Prozeß als ewiger Unruhestifter verurteilt worden wäre. Die Rolle der Juden im Pariser Judenprozeß war also von vornherein nicht nur die von Anklägern und Angreifern, sondern von Angeklagten und Angegriffenen. Angesichts dieser Sachlage gab es schon gar keinen Ausweg mehr, und die Bedenken, welche Louis Marshall in Amerika gegen die Aufrollung der Pogromschuldfrage in Paris hatte, waren in keiner Weise berechtigt und bewiesen ein vollständiges Mißverstehen der ganzen Situation. Gegen unseren Willen und gegen unsere Absicht sind wir gezwungen gewesen, in Paris uns in gewissem Maße mit Schwarzbart zu identifizieren. Wir mußten, da die Dinge nun einmal so lagen, alle Anstrengungen machen, um die jüdische Gesamtheit von den unberechtigten Vorwürfen zu reinigen, und wenn wir am Anfang des Prozesses aus Gründen der Gerechtigkeit damit einverstanden gewesen sind, daß Schwarzbart für seine individuelle Tat bestraft werde, so lernten wir im Laufe des Prozesses um. Schon am dritten Verhandlungstage war es für. uns klar, daß Schwarzbart nicht verurteilt werden dürfe, wiewohl dieses nicht ganz den Bestimmungen des Strafgesetzes und auch unserem Empfinden entsprach. Eine Verurteilung Schwarzbarts wäre aber angesichts der Taktik der Verteidigung nach dieser Prozeßverhandlung nicht nur eine Strafe für den von ihm verübten Mord, sondern auch eine Rechtfertigung der Pogrome gewesen. Da beide Dinge innig miteinander verknüpft waren, so blieb für uns nur diese Forderung: Schwarzbart muß befreit werden. Das verstand das französische Gericht, das verstand die französische Jury, Schwarzbart wurde befreit. Sicherlich ist dieses Ergebnis vom politischen Standpunkte aus nicht ganz befriedigend. Das Gegenteil wäre aber tausendfach schlimmer gewesen. So aber ist unser Golusschicksal. Deutsche Neu Wäscherei 0.m.b.H. FELIX BRANDNRR * MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 21 o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden »nd Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Taee Die Tage um den neunten November Dieses Thema leuchtet gegenwärtig in München in der bekannten roten Farbe von den Plakatsäulen und kündigt eine Erinnerung Hitlers an jene für ihn wenig ruhmreichen Tage an. Auch wir glauben, daß man sich mit dem 9. November 1923 und ganz besonders mit der Zeit, die in ihm ihren Höhepunkt und ihren Abschluß fand, ausgiebig zu befassen hätte; mit einer Zeit, in der die Juden in Bayern in einem Zustand lebten, der von Gesetzlosigkeit sehr wenig entfernt war. Es ist unrecht, wenn wir Juden geneigt sind, die schwere Last jener Tage und vor allem die tiefen Demütigungen jener Zeit so schnell zu vergessen. (Auch heute sind die gleichen Parteien an der Herrschaft wie damals und die Verwaltung der Justiz liegt in den gleichen Händen.) Der Untersuchungsausschuß im Landtag hat manche Blicke hinter die Kulissen tun lassen, hat auch denen, die es nicht wußten, gezeigt, wie ungeheuerlich der Einfluß der Hitlerleute auf die Führung des Staates war, ein Einfluß, unter dem es zu einer ununterbrochenen Kette von Ungeheuerlichkeiten kam. Es ist beispielsweise damals möglich gewesen, daß ein Mann, der für die Ordnung im Staate mitverantwortlich war, auf Vorstellungen wegen der ungesetzlichen Ostjudenausweisungen meinte, die Ostjuden sollten doch froh sein, wenn sie fort kommen, die Hitlerleute wollen sie unbedingt erschlagen. Dieser Mann rechnete es sich noch als ein großes Verdienst an, daß er, wie er sagte, sich gegen Blutvergießen wehrte. Es ist recht schade, daß der Landtagsausschuß von den vielen Protokollen, die er in die Hände bekam und aus denen er manches der Öffentlichkeit zur Kenntnis brachte, keines gebracht hat, welches mit der Behandlung der Juden in jenen Tagen sich beschäftigt. Es ist nach allem, was vorkam und noch viel mehr, nach vielem, was unseres Wissens verhindert wurde, gewiß, daß aufschlußreiche Dinge zu erfahren gewesen wären, an denen auch heute noch die Öffentlichkeit ein starkes Interesse hat und sei es auch nur um den Grad der Gesetzlosigkeit, der damals herrschte, ganz zu erkennen. Durch das Mittel der antisemitischen Hetze sollte das Staatsschiff in die Richtung gelenkt werden, die den Machthabern erwünscht war und so wurde der Hitlerbewegung jener Spielraum gelassen, der nach ihrem Charakter notwendig zu Gesetzlosigkeiten führen mußte. Wenn wir in diesen Tagen aus den Berichten des Schwarzbartprozesses mit Schaudern die entsetzlichen Greuel der Massen-Judenabschlach- L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpreislage: Mk. 180. bis Mk. 250 - Kein Anzug über Mk. 280.- v_s

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