Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 44 (4.11.1927)
- Date
- 1927-11-04
- Page
- Seite 729 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103079-9156854--08099-9080835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 44 Das Jüdische Echo 729 band Jüdischer Gemeinden zu Berlin errichteten Vorbereitungsanstalt für jüdische Lehrer und Lehrerinnen statt. Nahum Sokolows Audienzen beim Papst und beim italienischen König Rom, 28. Oktober. (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Weltexekutive, Nahum Sokolow, wurde gestern vom Papst in längerer Audienz empfangen. Heute wurde Nahum Sokolow vom König Victor Emanuel im königlichen Palais zu San Rossore in Audienz empfangen. Nahum Sokoilow ist bekanntlich vor einigen Tagen vom Regierungschef Mussolini und dem Staatssekretär der pästlichen Kurie, Kardinal Gaspari, empfangen worden. Ein neues Mitglied der Agency-Sachverständigen- Kommission Jerusalem, 30. Oktober. (JTA.) Sir John Campbell, bisher vom Völkerbund ernannter Kommissar für die Ansiedlung der griechischen Flüchtlinge aus der Türkei in Griechenland, nahm die Mitgliedschaft der Experten-Kommission der Jewish Agency an. Er ist am 29. Oktober in Kairo mit Dr. Weizmann zusammengetroffen und begibt sich von dort nach Palästina. Er gilt als der erfolgreichste Siedlungssachverständige. Zusammenschluß der palästinischen Arbeiterschaft Jerusalem, 28. Oktober. (JTA.) Die beiden größten Arbeiterorganisationen in Palästina, Achduth Haavodah (Poale Zion) und Hapoel Hazair (Hitachduth), haben beschlossen, sich zu einer einzigen Partei zu vereinigen. Die Stärke jeder der beiden Parteien ist unter anderem daraus zu ersehen, daß_ z. B. Achduth Haavodah zum Baseler Zionistenkongreß neun, Hapoel Hazair fünf Delegierte entsandt hat. Die Gewerkschaftsorganisation „Histadruth“, die etwa 23 000 Mitglieder zählt, wird von einem Rat geleitet, der sich aus 18 Vertretern der Achduth Haavodah und neun Vertretern des Hapoel Hazair und sechs Vertretern kleinerer Gruppen zusammensetzt. 111 II! II11 .!J 111 11 | Feuilleton | |||| liilii 11 11111II HIN IIIIII Ein Äusflug der Zöglinge Meier Shfeyahs ins Emek von Dr. Abraham Hanasee-Shfeyah Der nachfolgende Aufsatz ist von einem Lehrer des Waisendorfes Meier Shfeyah geschrieben, das bekanntlich von der Junior Hadassah in Amerika unterhalten wird und eine der interessantesten Erziehungsstätten des modernen jüdischen Palästina darstellt. An der Wanderung beteiligten sich die 7. und 8. Klasse und die „Absolventen“, im ganzen 54 Seelen. Ausmarsch am 22., Rückkehr am 28. Adar scheni. Einen doppelten Zweck verfolgte diese Wanderung: den Kindern sollte sie ein Vergnügen, den Lehrern jedoch Lehre und Versuch sein. Die Tagebücher der Kinder geben darüber Auskunft, wieweit das erste Ziele erreicht wurde; diese Zeilen sollen berichten, wieweit das erzieherische Ziel der Wanderung verwirklicht wurde. Uns ist klar, daß das „Kinderdorf“ in Shfeyah es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine Zöglinge in landwirtschaftlicher Arbeit zu erziehen; hätte man jedoch vor der Wanderung an die Erzieher die Frage gerichtet; „Sind wir wirklich auf dem Wege, unser Ziel zu erreichen?“ — so zweifle ich, ob man darauf eine klare Antwort gehört hätte. Doch jetzt, nach der Wanderung, dürfen wir behaupten, daß wir uns langsam und stetig unserem Ziele nähern — zum Beweis dafür mögen einige Szenen dieser Wanderung dienen: 1. Mit Sabbat-Ausgang machten wir uns . auf den Weg. Es war schon dunkel. Wir durchwateten 6 oder 7 Wadis (Bäche). Tief sank der Fuß in den Sumpf ein. Rundum Schweigen. Plötzlich stürmten wütende Hunde aus den Beduinenzelten auf uns los, die Schakale heulten — und ruhig, sicher, singend gingen unsere Kinder, wie am hellen Tage, mit festem Schritt, ohne Furcht vor der Dunkelheit, ohne Grauen vor dem Schakalgeheul. Richtige Dorfkinder. . . 2. Mit Morgengrauen kamen wir zum Kischon. Wir suchen eine Brücke und denken an Sisra und sein Heer, die einst, vor vielen hundert Jahren, von der Strömung fortgerissen wurden, Aber schließlich, was brauchen wir eine Brücke? Die Schuhe ausgezogen, die Beine entblößt und hinein ins Wasser! Bis unter die Arme reicht es einigen, aber sie gehen aufrecht und gerade und lachend hindurch, ringen die Kleider aus und rufen froh: „Das ist mal eine Wanderung!“ Kinder, die so die Hindernisse im Leben nehmen, das sind Dorfkinder. 3. Es dehnen sich die Felder des Emek. Nur an wenigen Stellen ist der Boden mit dem primitiven arabischen Pflug primitiv bearbeitet. Das Gespräch der Kinder: Ach, hätte ich solche Erde! Und Wasser in der Nähe, was ließe sich daraus machen! — Eine feine Arbeit, das! Mit den Zähnen könnte ich tiefer graben. — Schaut, die Sonne steht schon fast im Zenith. — So reden die Kinder. — Geplauder von Dorfkindern. 4. Nach langer, ermüdender Wanderung kommen wir nach Nahalal. Die Rucksäcke herunter, Gesicht und Hände von Schweiß und Staub gereinigt, niemand denkt an Essen und an Ruhe. Alles umringt die Zöglinge der landwirtschaftlichen Mädchenschule: Wo ist der Stall? — Wieviel Pferde habt Ihr? — Wieviel Kühe? — Wieviel Dunam Erde? usw. Am Abend hörten1 wir das Referat eines der Bauern, der den Kindern Zweck und System des „Moschaw Owdim“ erklärte. „Man kann sein Wort für voll nehmen“, sagt ein Mädchen, „wir haben doch seinen Betrieb gesehen.“ Plötzlich kommen sie aber mit einer Frage: „Warum macht Ihr alles allein und nehmt Euch keine jüdischen Arbeiter, die bei Euch die Arbeit lernen könnten; auch Eure Produktion würde sich dadurch heben?“ Der Referent wollte den Kindern den Wert der prinzipiellen „eigenen Arbeit“ erklären, hatte aber nicht recht Erfolg. Die Kinder blieben bei ihrer einmal gefaßten Meinung, diese Dorfkinder. 5. In der Hitze marschieren wir weiter. Niemand ist müde. Ab und zu ein stolzes Wort: „So weit das Auge schweift, unser Boden, Nationalfondsboden!“ Mit kindlichem Scharfsinn diskutieren sie über die Wichtigkeit des Nationalfonds, den Wert des Bodens im Leben der Nation und