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Das jüdische Echo · 1927-11-04 · 44 (4.11.1927) · p. Seite 728

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
44 (4.11.1927)
Date
1927-11-04
Page
Seite 728 (sequence 12)
Language
German
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728 Das Jüdische Echo Nr. 44 Studentenunruhen in Ungarn Budapest, 24. Oktober. (JTA.) Die von der klerikalen und rechtsradikalen Presse geschürte Hetze gegen die von der Regierung angekündigte Abänderung des Numerus clausus hat bereits die ersten Früchte getragen. Die antisemitischen Hochschulvereine veranstalteten heute in den verschiedenen Fakultäten der Universität sowie in der Technischen Hochschule lärmende Kundgebungen gegen die geplante Maßnahme, wobei es zu Überfällen auf die jüdischen Studierenden kam. Der Kameradschaftsverband, verstärkt durch dunkle, nichtstudentische Elemente, veranstaltete förmliche Hetzjagden auf jüdische Hörer, von denen immer einer oder zwei von 30 bis 40 Rowdies angefallen, verprügelt, beschimpft und aus den Hörsälen auf die Straße gejagt wurden, wo eine weitere Verprügelung stattfand. Mehrere jüdische Studenten trugen schwere Verletzungen davon. Einer der Mißhandelten wurde im bewußtlosen Zustand in das Krankenhaus gebracht. Besonders wild ging es in der Technischen Hochschule und in der philosophischen Fakultät zu. Die jüdischen Hörer wurden aus den Lehrsälent herausgeschleppt und unter fortwährenden Mißhandlungen durch die Aula auf die Straße getrieben. Unterrichtsminister Graf Klebelsberg erklärte, er werde die Ordnung an der Universität unter allen Umständen zu erhalten wissen. Budapest, 30. Oktober. (JTA.) Nachdem die Unruhen am 27. und 28. Oktober angedauert hatten, enthielten sich am Samstag die Studenten jeder öffentlichen Kundgebung, da die Führer der Studentenschaft ein schriftliches Versprechen gegeben hatten, daß die Ordnung nicht gestört werden würde. An mehreren Stellen hielten die Hochschüler im engen Kreise Besprechungen ab, in denen beschlossen wurde, die Aktion gegen den Numerus clausus auf gesellschaftlichem Gebiete weiterzuführen. Bezeichnend für die erregte Stimmung ist folgender Vorfall: Ein jüdischer Student hatte im Biologischen Institut einen Platz belegt, worauf ihm die Studenten mit Schmähungen die Tür wiesen. Er kehrte mit dem Rektor zurück, der auf das gesetzliche Recht des Studenten, bei den Vorlesungen zu erscheinen, hinwies und den Dozenten ersuchte, die Vorlesung zu beginnen. Die Studentenschaft verließ daraufhin lärmend den Saal, so daß nur der Dozent und der jüdische Hörer zurückblieben. Letzterer mußte OmNMi SCHELLINGSTRASSE 39 / TELEPHON 237 41/29073 vom Pedell durch die Untertunnellung der Universität in Sicherheit gebracht werden. Auch in Debreczin vermieden die Studenten es, öffentliche Kundgebungen zu veranstalten und Legitimierungen vorzunehmen, doch beschlossen sie, die Hörsäle zu meiden, wenn jüdische Studenten sich zu den Vorlesungen einfinden sollten. Die jüdischen Studenten zogen es vor, den Vorlesungen fernzubleiben. An der Universität Szegedin hat der Rektor Dr. Reinhold die Vorlesungen auf acht Tage suspendiert. Aus der jüdischen Welt Dr. Weizmann kommt im November nach Deutschland Berlin, 27. Oktober. (JTA.) In der gestrigen Pressekonferenz der Z. V. f. D. sprach sich deren Vizepräsident, Herr Dr. Martin Rosenblüth, über die innerzionistische Arbeit in Deutschland aus. Er teilte mit, daß Dr. Weizmann. der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, in der zweiten Hälfte des November in Berlin eintreffen und auch eine Reihe anderer deutscher Großstädte besuchen wird. Er wird bei Veranstaltungen aus Anlaß der zehnten Jahresfeier der Balfour-Deklaration und bei der Keren-Hajessod-Aktion mitwirken. (Wie wir hören, wird Herr Prof. Dr. Weizmann auch nach München kommen, und zwar voraussichtlich am 21. November. D. Red.) Ein Erlaß des Innenministers Grzesinski gegen die Friedhofschänder Berlin, 27. Oktober. (JTA.) Da sich die Fälle gehäuft haben, in denen auf Friedhöfen Beschädigungen und Zerstörungen vorgekommen sind, hat der preußische Innenminister Grzesinski. die Polizei zu verschärftem Einschreiten veranlaßt. Sämtliche Fälle von Friedhofschändung müssen sofort der zuständigen Landeskriminalpolizei mitgeteilt werden. Falls sich aus dem Tatbestand kein hinreichender Anhalt für polizeiliche Nachforschungen ergibt, so ist unverzüglich durch eine öffentliche Bekanntmachung eine angemessene Belohnung für die Namhaftmachung der Täter auszusetzen. Festsitzung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Berlin, 31. Oktober. (JTA.) Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, die im November d. J. auf ein arbeitsreiches 25jähriges Bestehen zurückblickt, veranstaltet aus diesem Anlaß am Mittwoch, dem 16. November d. J. (Bußtag), nachmittags 6 Uhr im Logenhaus zu Berlin, Kleiststraße 10, eine Festsitzung. Die Begrüßungsrede wird der Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Prof. Dr. M. Sobernheim, halten. Prof. Dr. Elbogen wird über „Aufgabe und Leistung der Gesellschaft“ sprechen. Dr. Tassilo Hoffmann wird einen Vortrag mit Lichtbildern über das folgende Thema halten: „Jacob Abraham und Abraham Abramson — 55 Jahre Berliner Medaillenkunst (1755—1810)“. Es folgt ein zwangloses Beisammensein, Die Eröffnung der Religionslehrer-Bildungsanstalt in Berlin Berlin, 26. Oktober. (JTA.) Am Montag, dem 24. Oktober 1927, fand im Musiksaal der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die feierliche Eröffnung der vom Preußischen Landesver-

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