Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 44 (4.11.1927)
- Date
- 1927-11-04
- Page
- Seite 730 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103079-9156854--08100-9080836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
750 Das Jüdische Echo Nr. 44 I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Nohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostilmstickereien Burgstraße16/3 Knopflöcher Telephon 22975 warum er Volkseigentum sein sollte — so reden Dorfkinder über den Boden. 6. Das Kinderdorf in Giy’ath Hamoreh, ein Institut, das Shfeyah gleicht. Neugierig betrachten die Kinder alles und stellen Vergleiche an. Disziplin, Ordnung, Sauberkeit, hier und' zu Hause. Aber Boden, ach, wieviel Boden, und was für Boden! Tausend Dunarn haben sie —. und wir so wenig und so felsig! „Darin ist uns Giv’ath Hamoreh sicher überlegen“, und ihr Kinderherz schmerzt. Auch in ihrem Schmerz sind sie Dorfkinder. 7. Nachdem wir noch einige Kwuzoth besucht hatten, kamen wir bei Nacht nach Beth Alpha, der letzten Station im Emek. Wiederum ein Referat für die Kinder, voller Begeisterung über die soziale Bedeutung der Kwuzah. Wie hätten Stadtkinder oder selbst unbefangene Erwachsene gestaunt! Unsere Kinder saßen zuerst ruhig da, aber die Fragen lagen in. der Luft, und langsam fing es an: „Richtig, es ist schön, wenn Menschen wie Brüder leben, richtig, in der ,Kwuzah Hagiv’- ah‘ herrscht Ordnung, und man sieht gute Arbeit. Aber trotzdem, ich wollte, die Erde, die ich bearbeite, soll dem Keren Kajemeth und mir gehören. Nur ich würde wirklich wissen, was die Erde verlangt, und wenn der Boden so vielen Menschen gehört, so gehört er eigentlich keinem. So läßt sich schwer arbeiten. Trotzdem kann man die Nachbarn wie Brüder lieben: vereint beten wir zu Gott um Regen, gemeinsam singen und tanzen wir nach getaner Arbeit, zusammen halten wir Wacht nach der Ernte, und auch der Verkauf der Produkte kann gemeinsam sein. Heißt nicht auch das „Einigkeit“?“ Dort, im großen Speisezimmer der Kwuzah hörte man mit Interesse diese Philosophhie des Dorfkindes. 8. Von Beth Alpha ging’s per Bahn nach Haifa, Die Stadt machte keinen Eindruck auf sie, wohl aber das Meer. Bei unserer Bootfahrt hörten wir Rufe der Verwunderung: Soviel Wasser! — Da verstanden wir die Sehnsucht nach Wasser des palästinischen Bauernkindes, sein Gebet um Wasser. Noch eines gefiel ihnen in Haifa: der persische Garten. Vor vielen Jahren lebte hier der „persische Profet“, der Frieden und Liebe unter den Sterblichen verkündete und deshalb verfolgt wurde. Seine Anhänger in Amerika setzten ihm und seinen Schülern — Sohn und Schwager — die in Haifa begraben sind, ein eindrucksvolles Denkmal in Akko. Ein prachtvoller Blumengarten, der schönste im ganzen Lande, umzieht das Gebäude. „Was waren diese Perser gegen unsere Väter?“ sagte ein Junge. „Und habt Ihr das Grab Rahels gesehen, in welch traurigem Zustand es ist?“ „Der schöne Bau und all die Pracht imponieren mir nicht“, war die Antwort eines anderen, „aber eines finde ich schön: daß man heiligen Toten ein lebendiges Denkmal setzt, einen prächtigen Garten pflanzt, in dem alles lebt.“ Als ich diese Worte hörte, wurde mir klar, daß diese Kinder auch in der Höhe des Todes das Leben suchen — und finden. Nur Dorfkinder werden in all dieser Pracht die Erde und wiederum die Erde suchen. 9. Nachdem wir noch in Akko die landwirtschaftliche Versuchsstation der Regierung besichtigt hatten, fuhren wir nach Hause. Alles ist glücklich, endlos sind die Erzählungen der zurückgekehrten Kinder über ihre Eindrücke, wir aber hören freudig zu und fühlen: „Dorfkinder, jüdische Dorfkinder!“ Gemeinden-u. Vereins-Echo Jüdischer Jugendverein München. Der rührige Verein legt sein soeben erschienenes Mitteilungsblatt (Novembernummer) vor, aus dem wiederum seine vielseitige Tätigkeit ersichtlich ist. Dem Mitteilungsblatt entnehmen wir. daß am Sonntag, dem 6. November, die Delegiertentagung des Bayerischen Landesverbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands hier in München stattfindet. Anläßlich der Tagung spricht Herr Rabbiner Dr. R ü 1 f (Bamberg) am Sonntag abend im „Bayerischen Hof“ über den ..Talmud als Angriffsobjekt unserer Feinde“, ein Vortrag, der allgemeines Interesse finden dürfte. Diskussionsabende und Geselligkeit haben sich — an den Dienstag- und Donnerstagabenden — im Klubheim, St.-Anna-Straße 6/0, konzentriert. Hervorgehoben sei die historische Arbeitsgemeinschaft (Mittelalterliche Geschichte der deutschen Juden), unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Klugmann, Beginn jeweils Dienstag 21 Uhr pünktlich. Sonst wechseln Vortragsabende, musikalische Vorführungen, gesellige Unterhaltung usw. in bunter Folge. Eine Literaturgruppe, Leichtathletik- und Schwimmabteilung vervollständigen den Arbeitskreis des Jüdischen Jugendvereins. Jüdisches Kammerorchester München. Die Proben finden künftig im Jüdischen Kindergarten (Herzog-Rudolf-Straße 3, rechts neben der Synagoge), und zwar jeden Mittwoch, abends 8 Uhr bis 11 Uhr, statt. Nächste Probe: Mittwoch, den 9. November, abends 8 Uhr, Die Leitung. Bar Kochba München. Trainingszeiten. Jugend I: Dienstag 7.30 bis 9 Uhr. Jugend II: Dienstag 6 bis 7.30 Uhr, Samstag Treffen bei Hermann Renka, Hans-Saohs-Straße II. Sonntag, dem 6. November: Fahrt ins Isartal. Fahrkarte nach Grünwald, Treffpunkt 8.30 Uhr am Ostfriedhof (Trambahnhäusl). Mitzunehmen: Maccaroni, Butter, Eier und Sportgeräte. Jüdischer Kulturverein .1. L. Perez. München. Nach längerer Sommerpause wollen wir unsere Arbeit wieder aufnehmen. Gestützt auf die Notwendigkeit des Bestehens unseres Vereines und auf dem Willen unserer alten und neuen Chawerim wollen wir unser Bestreben, allen Interessenten jüdische Literatur, Gesang und Musik systematisch zu vermitteln, fortsetzen. Unsere bisherige Arbeit und öffentlichen Abende haben unseren Verein auf ein vielerseits anerkannt hohes Niveau erhoben, das für uns weiter verpflichtend ist und das zu erhalten und zu erhöhen mit zu unserer weiteren Arbeit gehört.