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Das jüdische Echo · 1927-11-04 · 44 (4.11.1927) · p. Seite 727

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
44 (4.11.1927)
Date
1927-11-04
Page
Seite 727 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 727 liberalen Weltkonferenz behandelt hat). Die Gemeinde selbst kann nicht ausstoßen, aber der einzelne kann austreten, wenn er seine Ansprüche nicht befriedigt glaubt, die nicht weiter reichen als Stimm- und Steuerzettel. So hängt die Stabilität der Gemeinde vom Einheitswillen der einzelnen ab, und dieser muß auf beiden Seiten zu der Erkenntnis führen, daß die Traditionellen nicht „zurückgeblieben“ und die Liberalen nicht „zerstörungssüchtig“ sind. Neben Seligmann und Baeck hätten vor allem Markus Horowitz und Nehemia Nobel dieser Anerkennung des gegenseitigen guten Willens zum Judentum die Bahn gebrochen. Die Toleranz der Liberalen müsse soweit ,gehen, daß sie auch die Grenze anerkenne, die für die Toleranz der Orthodoxie — wenigstens theoretisch — in dem ihr unabänderlich erscheinenden Religionsgesetz gegeben sei. Wahre Demokratie bedeute immer Auswägung zwischen Einzel- und Gemeinschaftswillen, sie werde ein einiges Judentum schaffen, in der Gemeinde, im Vaterlande' und in der ganzen Welt. Die zum Teil sehr heftige Diskussion des Nachmittags kann hier nur ganz andeutungsweise wiedergegeben werden. Wichtig ist zunächst, daß die Berliner Sonntagsgemeinde („Reformgemeinde“) zum ersten Male offiziell an den Beratungen durch Prediger Dr. Lehmann beteiligt war, womit „die Einheit des Liberalismus von links bis rechts“ sich herstellt, wie R.-A. Dr. Stern es in dem betreffenden Passus seiner Begrüßungsrede nannte. Gegen die akademische Haltung Dienemanns, gegen die „Behutsamkeit“ Rabbiner Dr. Seligmanns (Frankfurt a. M.), der in seiner Begrüßungsrede als Vorsitzender des liberalen Rabbinerverbandes auf den noch nicht lange zurückliegenden Konflikt zwischen liberalen Rabbinern und Laien in sehr vorsichtiger Form zurückgekommen war, und gegen den Einheitsstandpunkt Dr. Blaus wandten sich in zum Teil sehr scharfer Weise u. a. Rabbiner Dr, Salomonsky (Berlin), R.-A. Stern und Lehrer Falkenberg, der von der Praxis des Gottesdienstes Berlin-Norden erzählte. Auch Rabbiner Dr. Gottschalk (Frankfurt), dessen Rede, wie die fast aller anderen, ehrliches inneres Ringen verriet, gehört grundsätzlich zu dieser Gruppe der schärferen Tonart sowohl in religiösen wie in politischen Fragen, einer Gruppe der die Rückgewinnung der Indifferenten zum Hauptziel und damit zur Formbestimmung ihrer jüdischen Gegenwart wird. Gegen Keren Hajessod und Zionismus polemisierten Dr. Frank (Köln) und Dr. B il 1 i g h e i m e r (Mannheim), der zwar Bub er und Brod „ohne die nationalen Verbindlichkeiten“ für den Liberalismus fruchtbar machen wollte, aber anderseits rühmend auf die Entnationalisierungsarbeit des badischen Gebetbuches hinwies. Erst ganz am Ende erreichte die Debatte ihren Höhepunkt mit der Rede Dr, Salzbergers, der über eine Grundfrage der Konferenz sprach, nämlich über das ostentative Fehlen der jungen liberalen Rabbiner. „Diese fürchteten mit Unrecht, man werde gegen Zionismus und Orthodoxie sprechen, denn die Liberalen haben wohl unterdessen eingesehen, wieviel echte Religiosität bei vielen Zionisten zu finden sei und eint wie berechtigter Kern auch ^r^xct in# ^offmtfctmcr ^egr. 15Z4 giüftolung ®el. 20519 ^efiöen^ffraße 14/15_ Deutsche Nenwäsclnrei ©. m.h.H. FELIX BRANDN ER * MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden wnd Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage im Konservatismus stecke. Sie fürchteten aber mit Recht, man werde noch mehr reformieren, noch mehr hebräisch abschaffen.“ Hier erhob sich eine solche Bewegung des Unwillens in der Versammlung, daß der Vorsitzende eingreifen mußte und daß Dr. Salzberger sich zu der Bemerkung genötigt sah: „Ich bitte Sie, soviel Liberalismus zu besitzen, auch einen anders gerichteten Redner anzuhören.“ Er verlangte dann jüdisches Lernen, keinen überwuchernden Individualismus, eine Begrenzung der — vorher zur Sprache gekommenen — religiösen Eigenformen eines Teils der jüdisch-liberalen Jugend im Sinne der Tradition und kam zu dem Ergebnis: „Wir stehen gänzlich außerhalb des großen jüdischen Stromes.“ In viel weniger scharfer Weise, aber doch noch bemerkenswert genug, hatte schon vorher Rabbiner Dr. S e 1 i g m a n n (Frankfurt a. M.) für sich als den Schöpfer des Gottesdienstes derKönigsteinerstraße, von dessen Werden: er sehr interessant erzählte, das Recht in Anspruch genommen, „konservativ zu sein“, den Kult der liberalen Jugend einen „Phantasiekultus“ zu nennen und, bei aller Freiheit des einzelnen, für die Institutionen zu fordern, daß sie „auf dem historischen Gemeinschaftsboden des Judentums bleiben“. Im traditionslosen Amerika sei vielleicht radikale Reform und liberale Sondergemeinde angebracht, hier nicht. Immerhin möge die Gemeinde Berlin der Sonntagsgemeinde endlich entgegenkommen — dann werde sie positiver werden — ebenso wie auch die liberalen Rabbiner keinen als Juden verfemen, der die Speise- oder die Sabbatgesetze nicht hält, „so sehr wir es wünschen, daß man sie hält“. Diesen konservativen Stimmen traten nun in den allerletzten Reden der Debatte R.-A, Dr. Geiger (Frankfurt a. M.) und Generalsekretär Götz (Berlin) überaus scharf entgegen, beide auch mit schroffsten Erklärungen gegen den Zionismus, der Zweitgenannte allerdings, wie R.-A. Stern feststellte, nur für seine Person, nicht offiziell für die Vereinigung. In den Schlußworten der Referenten wiederholte sich noch einmal die Zweispaltung der Tagung: Dr. Blau rühmte das Frankfurter System konservativer und liberaler Selbstbestimmung; als er aber rhetorisch fragte: „Ist uns je ein liberales Bedürfnis nicht befriedigt worden?“ rief ihm Dr. Geiger entgegen: „Dutzendweise!“ Das Schlußwort Bayers wandte sich gegen Salzberger, das Dienemanns wiederum gegen Geigers Versuch', die Zionisten auszuschließen, so daß die Einheit zweier Resolutionen (einer zur Kultusfrage und einer für die Herausgabe kurzer Werbebroschüren) die tiefen Gegensätze nur äußerlich überdeckte. (Unsere Stellung zu den auf dieser Tagung behandelten Fragen ergibt sich zur Genüge aus dem Artikel über den Vortrag Dr. Elk. Red.) ^bcrren-Q^e(3T^RänIcl ^laßanferftgung

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