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Das jüdische Echo · 1927-11-04 · 44 (4.11.1927) · p. Seite 724

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
44 (4.11.1927)
Date
1927-11-04
Page
Seite 724 (sequence 8)
Language
German
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724 Nr. 44 Das Jüdische Echo macht nahm von diesen Protesten keine Kenntnis; sie war es auch, die die Untersuchungskommission daran hinderte, ihre Arbeit aufzunehmen. Noch mehr: Die Militärmacht verbot den Zeitungen, über die Pogrome zu berichten. Dies allein schon beweist ihren Zusammenhang mit den Pogromführern. Der bessere Teil der ukrainischen Bevölkerung schob Petljura die Schuld an den Pogromen zu. Erst als seine Macht infolge der Pogromenanarchie im Sinken war, erließ Petljura Befehle gegen Pogrome; es war zu s p ä t. Herr Dr. Elias Tscherikower sagte am 26. Oktober als Zeuge aus, als Jude und Historiker habe er sich dem Studium der Pogrome gewidmet, unter den gefährlichsten Umständen habe er sein Material gesammelt und es ins Ausland gebracht. Er ist nun Sekretär und Verwalter des Historischen Jüdischen Archivs. An der Hand von Daten, Ziffern und Dokumenten weist der Zeuge nach, daß die Pogrome von Offizieren der regulären Armee Petljuras nach einheitlichem Plan und in Verfolg einer bestimmten Politik inszeniert worden sind. Die Behauptung, daß Petljura nicht über die Macht verfügte, ist grundfalsch. Wo es galt, seine eigene Position zu befestigen, schreckte Petljura nicht davor zurück, die äußerste Energie zu entfalten und sogar höhere Militärs hinrichten zu lassen. Nur gegenüber Judenmördern zeigte Petljura eine große Nachsicht. Ein Minister des Kabinetts Petljura hat dem Zeugen mitgeteilt, Petljura habe in Gegen¬ Ererbte Eigenschaften zeigen sich oft erst lange nach der Geburt. Auch neue Dinge täuschen vielfach durch äußeren Glanz über die wirkliche Qualität.—Tradition, langjährige Erfahrung und Weltruf der Schwechten-, Schiedmayer S. 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Trotz unserer Sympathien zum ukrainischen Volk, fuhr er fort, und trotz des Bewußtseins unserer schweren Verantwortung gegenüber den drei Millionen Juden, die noch heute mitten unter dem ukrainischen Volke leben, gingen wir zum Prozeß, weil wir als Resultat eines fünfzehnmonatigen Studiums zu der Überzeugung gelangten, daß Petljura die Hauptverantwortung trug. Erschütternd war die Aussage des Zeugen Jacob Safra, dessen einziger Sohn vor den Augen des Vaters getötet wurde und der geschworen hat, an Petljura Rache zu nehmen. Er bat das Gericht, mit Schwarzbart die Verantwortung teilen zu dürfen, da Schwarzbart ihm nur in der Ausführung der Tat zuvorgekommen sei. Nach der Einvernahme Motzkins und Safras nahm der Prozeß eine sensationelle Wendung. Torres, der Verteidiger Schwarzbarts, erklärte, die Verteidigung, die noch sehr viele Zeugen ins Treffen zu führen habe, wolle den Prozeß nicht ins Unendliche gehen lassen und sei bereit, auf die Einvernahme ihrer übrigen Zeugen zu verzichten, wenn auch die Zivilpartei auf die Verhörung von weiteren Belastungszeugen verzichtet. Daraufhin erklärte der Anwalt der Petljura- Partei, Campinchi, er nehme den Vorschlag von Torres an. Das Gericht faßte sonach den Entschluß, das Zeugenverhör als beendet zu erklären und den Advokaten das Wort zu geben. Plädoyers und Freispruch Den Geschworenen wurden die folgenden fünf Fragen vorgelegt: 1. Ist Schwarzbart schuldig, auf Simon Petljura geschossen zu haben? 2. Haben die Schüsse den Tod Petljuras verursacht? 3. Hatte Schwarzbart die Absicht, Petljura zu töten? 4. Hatte Schwarzbart mit Vorbedacht gehandelt? 5. Hatte er Petljura in einen Hinterhalt gelockt? Es begannen hierauf die Plädoyers der Zivilankläger und des Verteidigers. Zunächst sprach der Advokat Wilm, dessen Rede voll von antisemitischen Ausfällen war und der nachzuweisen versuchte, daß Schwarzbart Mitwisser gehabt und als Agent der russischen Sowjets gehandelt habe. Er könne somit nicht als der idealistische Rächer seines Stammes angesehen werden, als den die Verteidigung ihn im Laufe der Zeugenvernehmung hinzustellen versucht habe. Petljura bezeichnete er als den Held der Ukraine, als edlen Märtyrer, dessen Andenken man jetzt zu beschmutzen versucht. In Wirklichkeit war Petljura nicht für die Pogrome verantwortlich, da selbst 350 Mann deutsche Truppen nicht imstande gewesen seien, sie zu verhindern. (Bekanntlich setzten die Pogrome erst ein, als die deutschen Truppen die Ukraine verlassen hatten und Petl-

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