Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 41 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- Seite 680 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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680 Das Jüdische Echo Nr. 41 Dechijath Betutakpat: Diese Dechijah, für unsere Klarlegung die wichtigste, findet statt, wenn der Molad Tischri .eines gemeinen Jahres, das unmittelbar auf ein Schaltjahr folgt, Montag von 15 Stunden 589 Chalakim an eintritt. Neujahr wird auf den nächsten Tag verschoben. Diese Dechijah kommt nun nach 170 Jahren im nächsten Jahre wieder in Anwendung. In dem Zeiträume, der zwischen zwei „Dechijoth Betutakpat“ liegt, von 5519 bis 5688, fällt Neujahr nur 65mal auf den Moladtag; die erste Dechijah kommt 64mal, die zweite 13mal. die erste in Verbindung mit der zweiten 19mal und die dritte siebenmal vor, während die vierte, die „Dechujath Betutakpat“, nur zweimal in den erwähnten Jahren sich ereignet. Wann diese vierte Dechijah nochmals eintreffen wird, ist noch fraglich. Zwar tritt der Molad Tischri im Jahre 5935 (2174) am Montag, 15 Stunden 446 Chalakim ein, es fehlen aber noch 143 Chalakim, damit die „Dechijath Betutakpat“ in Anwendung kommen sollte, so daß Neujahr in diesem Jahre am Montag gefeiert werden wird. Ich habe mich lange bemüht, den Wiedereintritt dieser Dechijath zu finden, komme aber nun zu der Schlußfolgerung, daß dies erst nach vielen Jahrhunderten der Fall sein wird. Das ist allerdings jetzt von keiner praktischen Bedeutung. Rabbiner Dr. A. H. Teller. Oberkantor Alter (Hannover) kommt nach München Jüdischer Gesangverein München Personalia (Unlieb verspätet.) Am 4. September verschied dahier im hohen Alter von 84 Jahren Frau Rosa Neuburger, eine geborene Müchnerin, Tochter des aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde München des vorigen Jahrhunderts (1820- 1860) rühmlichst bekannten Abraham Fraenkel, des Gründers der nunmehr fast hundertjährigen Firma A. Fraenkel und Schwiegermutter des unvergeßlichen Kommerzienrats Sigmund Fraenkel. Der äußere Lebensgang dieser einzigartigen Frau ist vielleicht für die Allgemeinheit nicht von besonderem Interesse. Sie hat das Glück gehabt, ein seltenes Alter zu erreichen und an ihrem Lebensabend noch von einer Schar hcranwachsender Urenkel umgeben zu sein. Aber wenn heute allgemein die Familienforschung als ein wesentliches Kultur- und Geschichtsinteresse betrachtet wird, so muß doch in diesem Fall die Öffentlichkeit von einer Persönlichkeit Näheres erfahren, welche die Geschichte unserer jüdischen Gemeinde fast während eines Jahrhunderts in ihrem ganzen Wesen und Wirken widergespiegelt hat. Diese Frau hatte nicht ihresgleichen in unserer Gemeinde. Von einer ungewöhnlichen umfassenden Bildung — sie sprach und schrieb fließend drei fremde Sprachen — war diese seltene Frau ein ganz wunderbares Beispiel harmonischer Verbindung von Geistes- und Herzensgröße. Hochgebildete Männer und Frauen drängten sich jederzeit dazu mit ihr in Verkehr zu treten. Mit ihren so hohen menschlichen Tugenden verband sich ein Gemüt von solch zarter inniger jüdischer Frömmigkeit, daß eine unvergleichliche Harmonie aus ihrer Seele strömte. Eine ganz persönlich wirkende übrigens von ihrem ihr längst im Tod vorangegangenen Manne Isidor Neuburger s. A. lebhaft unterstütze Wohltätigkeit, eine ungemein liebenswürdige Gastfreundschaft, eine zugleich mit Verstand und Gemüt in der jüdischen Öffentlichkeit geübte Fürsorgetätigkeit lösten ihren Zauber auf jedermann aus. Ihre Sprache war formvollendet und ihre Worte druckfertig. Wenn sie auch körperlich in den letzten zwei Jahren dem Siechtum verfallen war, so arbeiteten Geist und Gemüt bis zum seligen Ende in größter Frische fort. Das Hinscheiden dieser Patriarchin ist daher nicht nur als Verlust für die Nächsten, sondern für die ganze jüdische Gemeinde, ja für das deutsche Judentum zu betrachten. Einerseits deshalb, weil eine solch edle Vereinigung von Geistes-, Herzens¬ und religiöser Bildung heute kaum mehr anzutreffen ist — haben doch die Münchner Familien, mit welchen sie einst groß geworden war, mehr oder minder sich von jüdischen Interessen abgewandt — anderseits weil überhaupt in unserer Zeit die absolute Harmonie von allgemein hoher menschlicher Bildung mit tiefstem jüdischem Wesen legendär geworden ist. Möge dieses leuchtende Beispiel, wie es in den Annalen unserer Gemeinde einzig dasteht, auch nach außen wirken und auch Fernerstehenden zu Bewußtsein bringen, welch wunderbarer Harmonie eine jüdische Seele fähig ist. Nepos. Gemeinden-u. Vereins-Echo München. Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltete am Samstag, 8. Oktober, im K. J. V.-Lokal einen Berichtsabend über den 15. Kongreß. Als erfreuliches Zeichen der Anteilnahme nicht nur des engeren zionistischen Kreises ist der starke Besuch des Abends festzustellen. Den Hörern wurde durch die klare und eindrucksvolle Darstellung des Herrn D r. E m r i c h . der als Berichterstatter dieses Blattes und als Protokollführer der Budgetkommission einen tieferen Einblick in den Gang der Verhandlungen nehmen konnte, eine deutliche Vorstellung vom Kongreß übermittelt. In Spezialfragen des landwirtschaftlichen Aufbaus wurden seine Ausführungen wirkungsvoll ergänzt von Herrn Erich Deutsch, der durch seine eigenen wissenschaftlichen Vorkenntnisse auf diesem Gebiete durch seine Mitarbeit am Kongreß als Protokollführer des Kolonisationsausschusses in der Lage war, hierüber eingehend zu berichten. Die Diskussion, deren wichtigste Auseinandersetzung, nämlich die mit der misrachistischen Auffassung einem eigenen Abend durch Referat des Herrn JR. Dr. F r ä n k e 1 Vorbehalten wurde, förderte lediglich eine sowjetfreundliche Äußerung eines Besuchers zutage, die einmütig von den Anwesenden zurückgewiesen wurde. Der äußerst anregende und vorbildliche Verlauf dieser Veranstaltung möge als gutes Vorzeichen die Veranstaltungen dieses Winters einleiten! Z’bi. Vortrag Rabbiner Dr. Max Elk. Herr Rabbiner Dr. Max Elk, Stettin, der von seiner früheren Tätigkeit in München noch in bester Erinnerung ist,