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Das jüdische Echo · 1927-10-14 · 41 (14.10.1927) · p. Seite 679

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
41 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
Seite 679 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 679 innerung geblieben war — die Blätter hat der Schmutz und der Staub aufgefressen, und aus den Näpfen starrten bloß noch schmutzige Stengel, von denen niemand weiß, wozu sie dienen —, so hat doch das „Sommerparadies“ einen so festen Ruf im ganzen Viertel, daß von weit und breit Besucher zur „Erholung“ kommen. Weil es eben im Freien steht, wurde es so berühmt. Viele Juden versuchten, dem „Sommerparadies“ Konkurrenz zu machen, doch sie konnten es nicht; denn keiner konnte ein Stückchen freien Platzes in dem ganzen Viertel finden, wo er ein zweites „Sommerparadies“ hätte aufstellen können. Im Sommer ist das „Sommerparadies“ eine Eis¬ und Sodawasserhalle. Wenn aber Sukkoth-Zeit kommt, so verwandelt sich das Sommerparadies in eine Laubhütte. Zum ersten Male geschah dies folgendermaßen; Als die Vereinigung „Ansche-Emeß“ in Professor Landhaus’ Tanzsaal ihr Bethaus eröffnete, wo ihre Mitglieder an jedem Freitag abend und Sabbatmorgen ihre Andacht verrichteten, da suchte sie eine Laubhütte für ihre Mitglieder, wo sie am Morgen an den Sukkoth-Tagen Kiddusch machen könnten. Der Tanzsaal besaß keinen Balkon, und in der ganzen Gegend ringsum gab es keinen leeren Platz, um dort eine Laubhütte aufzustelien. Da kam der Schammes auf eine Idee; er ging zu dem Juden aus Odessa, dem Besitzer des „Sommerparadieses“, und mietete das Sommerparadies für die Sukkoth-Tage. Zwei kleine Dachfenster hatte das Paradies von früher her, also hatte der Schammes nichts weiter zu tun, als ein wenig Reisig aufzulegen, und die Laubhütte war fertig. Die Laubhütte im „Sommerparadies“ war ein Riesenerfolg. Hinein kamen nicht bloß die Mitglieder der Vereinigung „Ansche-Emeß“, sondern alle Juden aus der Umgegend, welche eine Laubhütte für den Kiddusch am Freitagmorgen suchten. Im nächsten Jahre überlegte der Jude aus Odessa: „Wozu brauche ich die Vereinigung „Ansche-Emeß“? Ich werde selbst aus dem Paradies eine Laubhütte machen und den Gewinn aus dem Feiertagsgeschäft selber einstecken.“ Einige Tage vor Sukkoth heftete der Odessaer Jude ein großes Plakat an sein „Sommerparadies“: Laubhütte zu vermieten! 25 Cents für einen Kiddusch. Schönste Laubhütte von Groß-Neuyork! Billiger als überall! Und als die Juden aus der ganzen Umgebung das Plakat lasen, erinnerten sie sich, daß Sukkoth- Zeit sei. Sie dachten an ihre Laubhütten in der alten Heimat, in denen sie behaglich gesessen hatten, schmackhafte Fische und Fleisch gegessen und sich zusammen gefreut hatten; und jeder hatte Sehnsucht nach einer Laubhütte, nach frohen, hellen Festtagen. Viele erinnerten sich ihrer Kinderjahre, als sie dem Vater geholfen hatten, eine Laubhütte zu bauen. Seit sie in Amerika waren, hatten sie keine mehr vor Augen gesehen. An den MODELLHAUS SOPHIE OELDENBERGER HAUS FÜR FEINSTE DAMENMODEN MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 40 TELEPHON 27168 Tagen vor dem Feste kamen die Leute und lösten sich die Karten. Und am ersten Sukkoth- Morgen kam ein Zug von Juden aus dem ganzen Viertel mit Weinflaschen und Gläsern in die Laubhütte, um Kiddusch zu machen. Das Innere war nicht sehr geräumig, es konnte nicht viel Leute auf einmal fassen; und da waren viele Juden, von allen Vereinigungen des Viertels und auch solche, die einfach die Sehnsucht hertrieb, am Sukkoth- Fest in einer Laubhütte zu sitzen. So stellten sie sich denn mit den Flaschen und den Bechern in den Händen in einer langen Reihe vor der Laubhütte an. Der Jude aus Odessa aber stand bei der Tür und achtete darauf, daß jeder Eintretende ihm die Karte vorzeigte. Eine Kuriosität des jüdischen Kalenders In neuen Jahre (5688) tritt im jüdischen Kalender ein Kuriosum auf, das unter dem Fachausdruck „Dechijath Betutakpat“ bekant ist. Zu dessen Verständnis möge folgende Darstellung dienen: Der jüdische Kalender ist an den Lauf des Mondes gebunden. Ihm liegt der synodische Monat, die Wiederkehr der nämlichen Mondphase, zugrunde. Nach einer mittleren Berechnung beträgt dieser Monat 29 Tage 12 Stunden 793 Chalakim (Teile), wobei die Stunde in 1080 Chalakim geteilt wird. Für die Bestimmung des ersten Tages des Monates ist der Molad. das ist die Konjunktion, die Stellung in einer Linie des Mondes zwischen Sonne und Erde, maßgebend. Zwölf synodische Monate ergeben ein Mondjahr. Um aber die Differenz zwischen Mond- und Sonnenjahr auszugleichen, wurde ein 19jähriger Schaltzyklus eingeführt, in dem die Jahre 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19 je 13 Monate haben. Wenn man nun feststellen will, ob ein beliebiges Jahr ein gewöhnliches oder ein Schaltjahr ist. dividiert man die betreffende Jahreszahl durch 19. Ergibt die Differenz eine der erwähnten Zahlen, so sind sie Schaltjahre, die dazwischenliegenden Divisionsreste ergeben gewöhnliche Jahre zu zwölf Mondmonaten. In der Regel soll Neujahr am Tage des Molad Tischri gefeiert werden. Zum System des jüdischen Kalenders gehören aber vier Dechijoth (Vertagungsfälle) und deswegen muß der Neujahrsbeginn häufig auf den folgenden oder zweitfolgenden Tag verschoben werden. Diese Dechijoth führen die Namen: 1. Dechijath Adu 2. Dechiiah wegen Molad Jach oder Saken, 3. Dechijath Gatrad und 4. Dechijath Betutakpat. Dechijath Adu: Tritt der Molad an einem ersten, vierten oder sechsten Tage der Woche ein, so wird Neujahr auf den folgenden Tag verlegt. Dechijah wegen Maold Jach: Wenn die Konjunktion nach 18 Stunden des Tages — der jüdische Tag beginnt um 6 Uhr abends — eintritt, wird Neujahr auf den nächsten Tag verlegt; ist dieser einer von den erwähnten Tagen, auf die Neujahr nicht fallen darf, so wird es auf den zweitnächsten Tag verschoben. Dechijath Gatrad: Findet der Molad Tischri an einem Dienstag schon vor neuen Stunden, 204 Chalakim statt, müßte Neujahr auf Mittwoch verlegt werden. Da aber nach der ersten Dechijah Rosch haschanah nie auf einen Mittwoch fallen darf, so wird Neujahr am Donnerstag gefeiert. Diese Dechijah kommt nur in einem gemeinen Jahre in Anwendung. Ereignete sich der erwähnte Molad in einem Schaltjahre, so wird Neujahr am Tage des Molad bestimmt.

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