Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 41 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- Seite 675 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 675 ergänzt worden war. Auf Grund dieser Gutachten war in Aussicht genommen der Ankauf eines Gutes von etwa 2000 Morgen, das Beschäftigung der Wanderer in Landwirtschaft und Gärtnerei und die Anlage einer Reihe von gewerblichen Nebenbetrieben gewährleisten würde. Die zum Ankauf notwendige Summe würde sich auf 200 000 RM. belaufen, wobei noch 100 000 RM. notwendiges Betriebskapital hinzukämen. An der Aussprache über dieses Projekt beteiligten sich alle anwesenden Vertreter des Reichsvorstandes. Dr. Straus (München), Dr. Oppenheim (Mannheim), Dr. Ollendorff (Berlin), Dr. Stein (Königsberg) sprachen sich für die Ergänzung des vorliegenden Projektes durch Anregung und Unterstützung von gewerblichen produktiven Fürsorgemaßnahmen innerhalb der Gemeinde selbst aus. S. Adler-Rudel (Berlin) wies darauf hin, daß gewerbliche Gründungen der Gemeinde nie einen solchen Umfang annehmen könnten, wie ihn der Bedarf und der Notstand der Wanderfürsorge Deutschlands erforderlich macht. Er wies des weitern auf die mannigfachen Schwierigkeiten hin, denen derartige Gründungen innerhalb der Gemeinde selbst begegnen müßten. Auf Vorschlag von Dr. Straus (München) wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: I. Der Hauptvorstand beauftragt den engeren Vorstand, das Projekt der Schaffung einer landwirtschaftlichen Arbeitsstätte zur produktiven Beschäftigung jüdischer Durchwanderer der Verwirklichung zuzuführen. Zu diesem Zweck soll im Zusammenwirken mit geeigneten Sachverständigen ein konkreter Vorschlag ausgearbeitet und der nächsten Sitzung des Hauptvorstandes zur Beratung und Beschlußfassung unterbreitet werden. Es soll ferner die Aufbringung der Mittel zur finanziellen Durchführung des Projektes im Wege der freiwilligen Beiträge von einzelnen, den Gemeinden, Landesverbänden und Wohlfahrtsorganisationen sowie durch Aufnahme von Krediten sofort in die Wege geleitet werden. Die Mitglieder des Hauptvorstandes werden in ihren Gemeinden und Verbänden sich nachdriicklichst für die Förderung des Werkes einsetzen. II. Der Hauptvorstand ersucht den engeren Vorstand, die Frage der Produktivierung der Durchwanderer in dezentralisierten Arbeitsstätten einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, die Erfahrungen, die in verschiedenen Gemeinden gemacht wurden zu sammeln, auf Grund, derselben Richtlinien für die Schaffung, den Betrieb und die Finanzierung solcher Einrichtungen für örtlich oder provinzial begrenzte Gebiete aufzustellen und für deren Verwirklichung durch . die Zeitschrift der Hauptstelle sowie die sonstige jüdische Presse und durch aufklärende Vorträge einzutreten. Der Vorstand beschäftigte sich des weiteren mit dem Etat der Hauptstelle sowie mit einer Fülle technischer Fragen. Schließlich wurde noch eine Wanderordnung für jüdische Durchwanderer beraten, die eine einheitliche Fürsorge für alle Durchwanderer innerhalb Deutschlands garantieren soll. Ein antisemitischer Landgerichtsrat Berlin. Der Landtagsabgeordnete Herrmann (Breslau) hat dem preußischen Justizminister Dr. Schmidt von dem folgenden Vorfall Kenntnis gegeben: „... Am 23. September 1927 suchte ich um 19.15 Uhr die angesehene und solide Weinstube von Schroeder (in Breslau) auf.... Gegen 23 Uhr rief Herr Landgerichtsrat Gellin irgend etwas Beleidigendes über die Juden laut in das Lokal. Es ist wegen der allgemeinen Unterhaltung' und der spielenden Musik nicht möglich gewesen, diese Beleidigung einwandfrei festzustellen. Da aber daraufhin sofort Stille in dem kleinen Raume eintrat, war das Nachfolgende, mit überlauter Stimme und ohne jede Veranlassung Gerufene deutlich zu verstehen. Herr Landgerichtsrat G. schrie: „Das ,Berliner Tageblatt4 ist das größte Schundblatt! Es ist ein ganz gemeines Judenblatt! Es wird nur von Juden geschrieben! Ein solches gemeines Judenblatt dürfte gar nicht geduldet werden! Es tut mir leid, daß es noch existiert! Alle Juden sind Betrüger! Mir können sie gar nichts tun! Juden sind immer aggressiv!“ usw. Ich bin daraufhin an den Tisch getreten, da ich erfahren hatte, daß der Beleidiger Richter sei und habe ihm in höflicher Form folgendes erklärt: „Ich bin Mitarbeiter des ,Berliner Tageblattes4 und nehme an diesen Beleidigungen einer angesehenen Zeitung Anstoß und bitte, zwecks Austausches unserer Namen in den Vorraum des Lokals zu kommen.“ Herr G. hat dies unter persönlichen Beleidigungen: „Sie Jude! Sie sind wohl auch ein solcher Jude!“ usw. abgelehnt. Herr G. setzte die Äußerungen, laut schreiend, fort. Es war unvermeidbar, daß eine ungeheure Erregung entstand. Es ist, was ich ebenfalls feststellen will, von unserem Tische erwidert worden: „Das will ein deutscher Richter sein! Wir verbitten uns Ihre Beleidigungen! Es ist ein Skandal, daß solche Menschen als Richter amtieren können! Das Geld wird von der Republik genommen, aber gegen die Bevölkerung Beleidigungen ausgesprochen“ usw. Da die Beleidigungen fortgesetzt wurden, entfernte ich mich, um zur Feststellung der Personalien einen Schupobeamten zu holen. Beim Eintreffen mit dem begleitenden Beamten verließ Herr G. gerade das Lokal. Der Schupobeainte hat Die Wäscherei der Münchener Hausfrau ist ein mit allen neuzeitlichen Mitteln auf das hygienischste eingerichteter Betrieb. Streng getrennte Behandlung jedes WHscheaPostens. Größte Mietwäscherei Münchens Wir laden die Hausfrauen ein, d. bill., schonendste und dabei müheloseste Verfahren zum Reinigen der Wäsche praktisch kennenzulernen. Jede Hausfrau ist begeistert von der schönen Einrichtung Viele Anerkennungsschreiben. 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