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Das jüdische Echo · 1927-10-14 · 41 (14.10.1927) · p. Seite 674

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
41 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
Seite 674 (sequence 6)
Language
German
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674 Das Jüdische Echo Nr. 41 Der Konflikt Weizmann—Stephen Wise| „The New Palestine“, das offizielle Organ der amerikanischen Zionisten, veröffentlicht in seiner Nummer vom 16. September 1927 eine Anzahl von Dokumenten zu dem bekannten Zwischenfall mit Stephen Wise in der politischen Kommission des Zionistenkongresses, die sehr interessant sind und die prinzipielle Stellungnahme Wises und seiner Gruppe in klarem Licht erscheinen lassen. Nachdem Dr. Wise den Kongreß protestierend verlassen hatte, sandten ihm Lipski, der Präsident der amerikanischen Zionisten, und Weizmann Telegramme nach und baten ihn dringend, zurückzukommen. Besonders interessant ist Weizmanns Telegramm, das folgendermaßen lautet: „Habe soeben zu meiner Bestürzung gehört, daß Sie Basel verlassen haben. Kann nicht die Gründe dieses Schrittes verstehen. Sie wissen, daß kein persönlicher Konflikt zwischen uns besteht, wenn auch Meinungsdifferenzen vorhanden sein mögen, welche leicht beseitigt werden könnten. Hoffe, daß Sie nicht unter dem Einfluß von Leuten gehandelt haben, deren Standpunkt im Zionismus Sie sicherlich'nicht beeinflussen kann. Ihre Mitarbeit und Anwesenheit in dieser schweren Zeit ist hier dringend nötig. Wir alle bitten Sie, zu kommen und die Arbeit mit uns zu vollenden. Ihr Schritt wird in einer Weise interpretiert werden, die der Bewegung schädlich ist. Ich bin sicher, daß es nicht Ihre Absicht sein kann, einen solchen Eindruck hervorzurufen. Weizmann.“ Auf die Telegramme von Lipski und Weizmann sandte Wise folgende Antwort, und zwar nur an Lipski: „Mein Austritt aus der amerikanischen Delegation bleibt aufrecht als wohlüberlegter Protest gegen den Versuch der Exekutive, auf die Kongreßkommission Zwang auszuüben und gegen den Standpunkt, der in Cowens Erklärung enthalten war, daß Gedanken- und Aktionsfreiheit auch innerhalb der Grenzen der Loyalität den Mitgliedern der amerikanischen Delegation nicht zusteht. Die Tullin-Guedalla-Resolution war mit meiner Zustimmung eingebracht, sie bezweckte unmittelbar, der bitteren Kritik und dem dauernden Streit über die politische Leitung der zionistischen Angelegenheiten ein Ende zu machen und fernerhin unter der Leitung Weizmanns gemeinsam mit der Mandatarmacht eine Überprüfung der politischen und ökonomischen Grundlagen durchzuführen. Meine Demission als Vorsitzender der politischen Kommission war notwendig, um den angedrohten Rücktritt Weizmanns von der politischen Leitung zu vermeiden, im Interesse der Agency-Verhandlungen und der ökonomischen Krise in Palästina. Der Zwischenfall ändert nichts an meiner Loyalität gegenüber der zionistischen Sache und meiner Private kaufmännische Kurse Fernruf 236 99 gSl |»B Gegründet 1879 RUDOLF DUKlll MÜNCHEN Inhaber und Leiter Diplom-Kaufmann R. Bürck. Jeden Monat beginnen neue Kurse. Beste Referenzen. Auskunft und Anmeldung Prinz-Ludwig-Str. Nr. 3/1, neben der Tonhalle Absicht, dem Zionismus meine volle Unterstützung zu geben. Bitte, meine Mitteilung der amerikanischen Delegation, der politischen Kommission, Weizmann, Tullin und dem Kongreßplenum zu übermitteln. Wise.“ Nach seiner Rückkehr nach Amerika veröffentlichte Dr. Stephen Wise eine Erklärung, der wir folgende interessante Stellen entnehmen: „Der wohldurchdachte Vorschlag der politischen Kommission, deren Vorsitzender ich war, zur Stärkung Dr. Weizmanns für einige Monate ein Komitee zu bilden, welches unter seiner Leitung die politischen und ökonomischen Grundlagen der zionistischen Bewegung in ihrer Beziehung zur britischen Mandatarmacht prüfen und sichern sollte, hatte zur Folge, daß Dr. Weizmann drohte, sich von der Leitung zurückzuziehen. So blieb mir nichts übrig, als selbst als Vorsitzender und Mitglied der politischen Kommission zu demissionieren. Da außerdem eine ganz unberechtigte Desavouierung der Antragsteller seitens der amerikanischen Delegation erfolgte, bin ich auch aus dieser ausgetreten. Diese Dinge werden sich wohl nicht wiederholen, da der Zwang auf die amerikanischen Delegierten wird aufhören müssen. Die amerikanischen Delegierten werden in Hinkunft von den zionistischen Wählern gewählt werden und nicht mehr durch die Konvention ernannt.“ „Dies, ich wiederhole es, bedeutet keinen Bruch mit der Zionistischen Organisation und auch keine persönliche Differenz mit Dr. Weizmann, dessen große Dienste für die zionistische Sache ich nie unterschätzen werde. Dr. Weizmann scheint zu glauben, daß seine politische Wirkungskraft gestört, wenn nicht annulliert wird durch den Mangel an ökonomischer Unterstützung seitens des jüdischen Volkes. Manche von uns, inbegriffen die meisten Palästinenser, sind der Ansicht, daß die ungenügende ökonomische Unterstützung in hohem Maße aus unserem ungenügenden politischen Fortschritt in Palästina resultiert. Die denkbar schlechteste Behandlung jeder Schwierigkeit besteht aber in einer unangreifbaren politischen Diktatur.... Ich bin ein Zionist und bin es gewesen seit der Gründung der Bewegung. Ich kämpfte nicht gegen die Bewegung oder ihre Leitung. Im Interesse der zionistischen Sache und ihrer Leitung stehe ich auf der Wache gegen gewisse Tendenzen, welche unvereinbar sind mit dem immanenten demokratischen Charakter der zionistischen Bewegung.“ Gründung einer Ärbeiterkolonie für jüdische Durchwanderer Am Sonntag, dem 25. September, trat der gesamte Vorstand der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, der sich aus Vertretern der Landes¬ und Provinzialverbände zusammensetzt, auf Einladung der Gemeinde Leipzig in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtstraße 1, zusammen. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war der Diskussion über die praktische Durchführung der seinerzeit von der Generalversammlung der Hauptstelle beschlossenen Gründung einer jüdischen Arbeitsstätte für Durchwanderer auf landwirtschaftlich-gärtnerischer Basis gewidmet. Die Aussprache wurde durch ein einführendes Referat von Dr. Max Kreutzberger (Berlin) eröffnet. Die Vorschläge des engeren Vorstandes basierten insbesondere auf einem Gutachten, das der Berliner Güterdirektor Dyk seinerzeit erstattet hatte, und das durch Ausfuhrungen von Pastor Braune, dem Geschäftsführer der Arbeiterkolonien der Inneren Mission,

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