Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 41 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- Seite 672 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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672 Das Jüdische Echo Nr. 4l sische Volk von der Verteidigung Schwarzbarts angeklagt werden. Keineswegs richtet sich die Tätigkeit von Schwarzbarts Verteidigern gegen die Unabhängigkeitsbewegung des ukrainischen Volkes. Es handelt sich auch nicht darum, für die hunderttausend hingeschlachteter Juden der Ukraine Rache zu nehmen. Der Zweck der Verhandlung in Paris, soweit die Juden in Frage kommen, ist, die Wahrheit über die Judenpogrome in der Ukraine ans Licht des Tages zu reißen und eine Aufklärungskampagne größten Stiles durchzuführen. Mit dem Zustande muß ein Ende gemacht werden, daß es nahezu ein mit dem geringsten Risiko verbundenes Geschäft geworden ist, Judenpogrome zu veranstalten. Jüdisches Leben ist nicht vogelfrei! Diesem selbstverständlichen Grundsatz zum Siege zu verhelfen, das ist der Zweck der Verteidigungsarbeit im Prozesse des Schalom Schwarzbart in Paris und das ist der Grund, weswegen der Prozeß am 18. Oktober das Interesse aller Juden in der. Welt verdient, mögen sie sich Zionisten nennen oder wie auch immer sonst. Vor einigen Jahren fand in Berlin ein Prozeß gegen jenen armenischen Studenten statt, der in Charlottenburg den ehemaligen türkischen Innenminister Talaat Pascha ermordet hatte. Talaat Pascha war nach allen Zeugnissen in weit geringerem Maße für die Armenier-Metzeleien verantwortlich als es Petljura für die Judenpogrome gewesen ist. Talaat Pascha war niemals in Armenien, hatte niemals direkten Anteil an den Ausschreitungen der türkischen Soldateska. Er bekam niemals die Führer und Unterführer zu sehen, die die direkten Arrangeure der Metzeleien in Erzerum gewesen sind. Trotzdem aber sprachen die Berliner Geschworenen den armenischen Studenten frei Petljura hat, wenn er auch persönlich niemals die Hand gegen einen Juden erhoben hat, mit dieser Hand Drücke mit jenen Bandenführern ausgetauscht, deren Kleider noch von warmem Judenblut troffen. Petljura nannte sich einen Sozialdemokraten und verlangte für sich die Förderung der fortschrittlichen Völker; seine Verantwortlichkeit ist viel größer gewesen als es die des, Talaat Pascha jemals sein konnte. Wenn es nach Recht und Gerechtigkeit zugehen wird, dann werden sich die Pariser Geschworenen von ihren Berliner Kollegen nicht beschämen lassen. Nicht weil sie, gleich uns, den Mord als solchen billigen, sondern weil sie durch einen Freispruch werden dokumentieren wollen, daß sie den Manen der unschuldigen hunderttausend ermordeten Juden in der Ukraine in Ehrfurcht huldigen. tföuser-$crax bag ^beafatittel für eine natürlitfje §autyfleget ©ino erfolgreiche (Schönheitspflege fceöingt toeicfjeg 2Bafd) toaffer, toelcheS rafch unb fieper erstell ftrirb öurch ber gufafc bon $aifer=a3oras* ^Regelmäßige 23ora£toai<h ungen fcetoirten eine unmerfliche £auterneuerung, all Unregelmäßigleiten inte äRiteffer, liefet, (Sommer fproffen, gelbe Rieden, roetben beteiligt unb ber £ein erscheint in natürlicher (Schönheit, frif<h unb gefunö rein unb flar. ®aifer=58oraj toirb niemals iofe, fonberr nur in ber befannten roten OriginaP^adunc geltet ert toeldje für bie Feinheit ber 2Barc garantiert. — 21u§' führlidje ©ebrauchSantocifung liegt febem Karton bei. Heinrich 2Racf SRachL Ulm a, Der Schwarzbart-Prozeß und die jüdische öilentlichkeit Ein Brief von Professor Dubnow Berlin, 26. September. (JTA.) Der Geschichtsschreiber . der Juden, Prof. S. Dubnow, schreibt der Jüdischen Telegraphen-Agentur: „Wie verhält sich die jüdische Gesellschaft zu dem Prozeß gegen Schalom Schwarzbart, der nach anderthalbjähriger Urtersuchungsdauer Mitte Oktober endlich vor dem Pariser Gericht beginnt? In der ersten Zeit hat man sich in Europa und in Amerika für die Pariser Tragödie stark interessiert. Das Verteidungskomitee in Paris hat für den Verteidiger Schwarzbarts ein ungeheures Aktenmaterial vorbereitet, von dem ein Teil in französischer und in englischer Sprache auch in Buchform veröffentlicht worden ist. Jetzt werden alle Vorbereitungen zu dem großen Prozeß getroffen. Aber die jüdische Öffentlichkeit hat in der letzten Zeit — vielleicht wegen der zu langen Verzögerung des Prozeßbeginns — fast daran vergessen, daß, in eine enge dünkte Zelle eines Pariser Gefängnisses eingeschlossen, ein Mensch sitzt, der sich für die Ehre des jüdischen Volkes geopfert hat, daß das ganze Volk daran interessiert sein muß, wenn es gilt, offen vor aller Welt die Motive zu seiner tragischen Tat zu werten und all das aufzudecken, was er durch seine Tat dem menschlichen Gewissen in Erinnerung bringen wollte. Vor 15 Jahren hat der Beilis-Prozeß in Rußland' die gesamte jüdische Welt in Aufruhr gebracht. Das Volk fühlte, daß man es als Ganzes auf die Anklagebank setzen wolle, und spie seinen Ekel den niederträchtigen Verleumdern ins Gesicht. Und doch war jener Prozeß nur eine der Hunderte Blutbeschuldigungen, die man im Verlauf von sieben Jahrhunderten gegen uns in Europa geschleudert hatte. Die gebildeten Kreise hatten schon längst von dem barbarischen Aberglauben sich abgewendet. Schwarzbart hat durch seine verzweifelte Tat der Welt in Erinnerung rufen wollen, daß drei Jahre hintereinander in der Ukraine jüdisches Blut unschuldig geflossen ist und daß die Verbrecher, die diese Massacres organisiert haben, dem Gericht nicht überanwortet wurden und noch heute frei und unangefochten in Europa herumwandeln und sogar noch „hohe Politik“ machen dürfen. Schwarzbart wollte, indem er den Hauptschuldigen, Petljura, gerichtet hat, dem Weltgericht alle jene Verbrecher, die das Judentum der Ukraine verwüstet, Zehntausende Männer, Frauen und Kinder abgeschlachtet, geschändet und verstümmelt hatten, dem Weltgericht ausliefern. Der Prozeß Schwarzbart in Paris muß zu einem Gericht des Weltgewissens über jene werden, die die unmenschlichen Taten vollbracht haben. Die ukrainischen Chauvinisten sind bestrebt, aus dem blutigen Attaman Petljura einen Volkshelden zu machen, dessen sich auch die besseren Ukrainer nicht zu schämen brauchten. Sie möchten vertuschen, was wir aufdecken wollen: die schreckensvol^te Tragödie in der jüdischen Geschichte. Die jüdische Gesellschaft darf dies nicht geschehen lassen. Mit Tausenden Dokumenten und lebendigen Zeugen müssen wir festna,geln, was in den Jahren 1913 bis 1920 ein einem europäischen Lande geschehen konnte. In einem unserer alten Märtyrer-Gebete heißt es: „0 Erde, nicht decke mein Blut zu, nicht solle es einem Ort geben, wo mein Schrei