Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 40 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- Seite 664 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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664 Das jüdische Echo / Blätter für die jüdische Frau Nr. 40 oberste Instanz vorlegen. Der Gedanke einer ständigen Organisation aller Frauenverbände in Palästina hat auch auf dieser Wizo-Konferenz keine volle Verwirklichung gefunden. Die Vorbedingungen aber wurden geschaffen, daß de facto eine intensive Fühlungnahme aller Frauenverbände untereinander gegeben ist. Es wurde die Gründung eines besonderen Kontinentalbüros mit dem Sitze in Prag beschlossen, das ermöglichen soll, Kreise für die Palästinaarbeit heranzuziehen, die ihr bisher fernstanden und das die einzelnen Gruppen in der Diaspora mit Nachrichten aus dem Lande und Anregung für fruchtbare Arbeit versorgen soll. Der Schwerpunkt der Wizo, welcher bisher in London gelegen ist, soll allmählich nach Palästina übergeführt werden. Nachdem in den letzten Monaten bereits eine Landesorganisation der Wizo gegründet worden ist, wurde nun eine Palästina- Exekutive geschaffen, die dem Land in der Leitung der Angelegenheiten einen größeren Einfluß verschaffen soll. Allerdings müssen alle Vorschläge für Arbeiten in Palästina von der dortigen Exekutive erst dem Londoner Büro unterbreitet werden, welches sie gemeinsam mit Sachverständigen der Zionistischen Organisation prüfen wird. Diese Maßnahme leitet ihre Berechtigung daher, daß die Palästinaexekutive, die so inmitten aller jüdischen Nöte ihren Sitz hat, manchmal eben infolge ihrer Nähe sich Aufgaben zuwenden könnte, die, in ihrer Art gewiß dringend, doch den Ablauf der geplanten Wizoarbeit stören könnten dadurch, daß das Budget nicht eingehalten bzw. anders als vorgesehen verwendet würde. Es ist interessant, die Stellung von Frau Helene Hanna Thon, der Vorsitzenden der Histadruth Naschim Iwrioth, die sich in gewisser Opposition zur Wizo befindet, kennenzulernen. Sie führt aus, daß es sonderbar erscheinen müsse, daß auf den Konferenzen der Wizo die Mehrzahl gerade der palästinischen Frauen nicht vertreten ist. Diese letzte Konferenz hat darin einen Unterschied gemacht, es sind zwar nicht alle Frauenorganisationen auf ihr vertreten gewesen, aber wenigstens ein wichtiger Teil, die Arbeiterinnen-Organisation. Dagegen waren die ganzen Vereinigungen der bürgerlichen Frauen auch dieses Mal ohne Vertretung. Frau Thon betont wieder, daß dieser Sachverhalt eine Folge der einseitigen Stellungnahme der Wizo ist. Die Wizo hat sich vorläufig als einzige Aufgabe die Ausbildung der weiblichen landwirtschaftlichen Arbeitskräfte gestellt und ist infolgedessen in ein enges Verhältnis getreten zu den Arbeiterinnen-Organisationen, der Moazat-ha-Poaloth. Der größte Teil ihres Budgets kommt deren Unternehmungen und Interessen zugute, während die palästinischen Frauenorganisationen, die über nicht so reiche Mittel verfügen wie die Wizo, den Arbeiterinnen in erster Linie nur ihre persönliche tätige Mitarbeit in ihren Institutionen anzubieten haben. Die bürgerlichen palästinischen Frauenvereinigungen haben sich darum bewußt ein anderes Feld für ihre Betätigung gewählt und beackern das nicht minder ausgiebige der sozialen Fürsorge, hauptsächlich in den Städten. Sie bemühen sich vor allem um die Tausende von chassidischen und orientalischen Frauen, - um Frauen der 4. Alijah, die den Jischuw in ungeheurer Weise belasten, da sie an keinerlei produktive Arbeit gewöhnt sind. Sie zu solcher zu erziehen und sie auch in geistiger Hinsicht zu heben, haben sich die palästinischen Frauenorganisationen zum Ziel gesetzt. Sie wollen auf diese Weise ihren Teil am Aufbau des Landes beisteuern. Die IV. Konferenz der Wizo war aufs beste vorbereitet. Sie zeigte das allseitige ernste Bemühen um gegenseitiges Verstehen. Sie hat den Horizont der Wizo bedeutend geweitet. Möge der V. Konferenz Vorbehalten bleiben, die Zusammenfassung aller auf Palästina gerichteten Frauenverbände und die Schaffung planmäßiger Korporationen zu vollenden. F. G. Resolutionen der IV. Wizokonferenz 1. Keren Hanaschim L Die Weltorganisation der Zionistischen Frauen gründet zum Zwecke ihrer Aufbauarbeit in Palästina einen Fonds, an dessen Aufbringung die neutralen und zionistischen Verbände teilnehmen. II. Zusammenarbeit mit Nichtzionisten In der Arbeit für den Keren Hanaschim haben neutrale und zionistische Verbände gleiche Pflichten und Rechte. Der Mitgliedsbeitrag wird außerhalb des Budgets von allen Mitgliedern in gleicher Weise eingehoben und berechtigt alle in gleicher Weise zu einer Vertretung auf der Konferenz. Die Exekutive übernimmt die Ausarbeitung der diesbezüglichen Statuten. Die Festsetzung der Höhe des Organisationsbeitrags für die verschiedenen Länder wird der Finanzkommission überlassen. Die Delegierten der neutralen Verbände zur Konferenz haben Abstimmungsrecht in Fragen, welche die gemeinsame Palästinaarbeit betreffen. III. Keren Kajemeth Die Wizo, welche ihre Hauptaufgabe darin sieht, der Regeneration des jüdischen Volkes durch die Rückführung seiner Frauen zur Landwirtschaft voranzuhelfen, beschließt anläßlich des 25jährigen Jubiläums des Keren Kajemeth eine verstärkte Anstrengung zu machen, um die Arbeit für die Galuth Haaretz (Befreiung des Bodens) unter den jüdischen Frauen zu fördern. Zu diesem Zwecke wählt die Konferenz eine Keren-Kajemeth-Leiterin an der neuen Exekutive welche Leiterin für die Ausführung des Konferenzbeschlusses die Verantwortung übernimmt und im Einvernehmen mit der Exekutive alle praktischen Wege festlegt. GENERALVERTRETUNG JotvHäusler Thiersthstr. 20:Teh26482 u.296995