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Das jüdische Echo · 1927-10-07 · 40 (7.10.1927) · p. Seite 661

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
40 (7.10.1927)
Date
1927-10-07
Page
Seite 661 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 66 t General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128 / Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle Ohne diesen ist aber der Strauß mangelhaft und daher unbrauchbar. „Mein lieber Herr“, sprach er zu dem Wirt, „wo kann ich hier in der Gegend einen Weidenbaum finden?“ „Einen Weidenbaum, Rabbi?“ erwiderte der Wirt. „Solche wachsen hier wahrlich nicht; ich habe auch noch nie einen gesehen.“ Rabbi Jannaj glaubte fast schon, daß der Eigentümer des Meierhofes gar kein Mensch, sondern nur der Satan in Menschengestalt sei, der ihn nur deshalb mit solch schönen Worten zurückgehalten habe, damit er den Feiertag nicht so begehen könne, wie es sich gehört. Weil er sich aber der Lehre erinnerte, daß es überhaupt keinen Satan gibt, nur jenen, der in uns selbst wohnt, bat er den Wirt innerlich um Verzeihung und machte sich auf den Weg, um in der Umgebung nach einem Weidenbaum zu suchen. Er wanderte lange kreuz und quer, bis er endlich ungefähr anderthalb Stunden vom Meierhof entfernt, am Ufer einer winzigen Wasserader, den gesuchten Weidenbaum fand. Er dankte Gott und nachdem er vom Baum bereits einige Äste abgeschnitten hatte, sprach er erleichtert aufseufzend: „Gott segne diesen Weidenbaum, weil er es mir möglich gemacht hat, das Gebot meines Gottes zu erfüllen.“ Aber der Rabbi begnügte sich nicht damit. Er trug Steine zusammen und errichtete um den Baum herum einen hohen Zaun, damit nicht weidendes Vieh oder Hasen seinen Stamm, seine Rinde beschädigen könnten, dann schrieb er den Segen auf ein Stückchen Pergament und heftete das faustgroße Pergament an einen Zweig des Baumes. Rabbi Jannaj ben Rabbi Simeon hatte noch in derselben Nacht einen Traum. Er träumte, er sei vor das Bes Din Zeedek, das Gericht, hingetreten und habe sich selbst zweier großer Sünden angeklagt. „Sprich“, sagte der Vorsitzende, „welche Sünde hast du begangen, Jannaj?“ „Ich war ungerecht zur Palme, zur Zeder und zur Myrthe. Auch diese haben mir, ganz so wie der Weidenbaum, die Mizwah möglich gemacht und ich habe dennoch bloß dem Weidenbaum gegenüber dem großen Danke meiner Seele Ausdruck verliehen.“ „Weiter“, sagte der Vorsitzende. „Ich habe aber eine noch größere Sünde begangen als diese, indem ich von Gott so etwas erbat, was ich nach den menschlichen Begriffen gar nicht hätte bitten dürfen. Ich habe ihn um seinen Segen für den Weidenbaum gebeten, wo doch dieser weder Blüten noch Früchte trägt. Auch sein Holz ist zu nichts zu gebrauchen, womit sollte ihn also der Schöpfer segnen?“ Das Bes Din Zeedek, das Gericht, zog sich zur Beratung zurück, dann verkündete es vor Rabbi Jannaj seinen Beschluß. „Daß du dem Weidenbaum deinen Dank ausgesprochen hast, war wohlgetan. Von Palmen und Zedern gibt es ganze Wälder in dieser Gegend, auch Myrthen gibt es so viele, daß sie für zehn Städte genügen würden, aber Weidenbaum fand sich nur ein einziger vor! Was aber das anbelangt, Jannaj, daß du den Schöpfer um seinen Segen für den Baum gebeten hast: kannst du denn wissen und können wir denn wissen, womit Gott segnen kann? Nicht nur mit Früchten oder mit nach Honig riechenden, herrlichen Blüten kann der HERR segnen; der HERR kann auch mit anderem segnen... Er wird es schon wissen!“ Es wurde Morgen, Rabbi Jannaj erwachte. Und kaum hatte er gebetet und mit dem Feiertagsstrauß den Segen gesprochen, kam der Wirt totenbleich zu ihm hineingestürzt. „Rabbi“, sprach er keuchend in Todesängsten, „fliehe, denn Bal-Keesches ist hier. Saul Bal-Keesches, der Räuber! Dich sucht er, den Hebräer, der gestern mittags bei dem Weidenbaum war.“ „Woher weiß er, daß ich dort gewesen bin?“ „Die Spuren deiner Füße auf dem Wege haben ihn hierher zu mir geführt, fliehe.“ „Es wäre vergebens, denn er würde mich einholen, wohin immer ich auch liefe. Sage ihm lieber, daß ich hier bin... ich will von ihm selbst hören, was er will? Ich habe weder Geld noch Schmuck... Ich habe nichts. Nur mein Glaube ist mit mir und mein unerschütterlich großes Vertrauen zu Gott.“ Diese letzteren Worte hatte auch schon Saul Bal- Keesches gehört, denn er war da in das Zelt getreten, nachdem er den Hebräer, den er suchte, hier vermutete. Aber er kam mit leeren Händen zu dem Rabbi; seine fürchterliche Waffe, den Bogen, mit welchem er auch in einer Entfernung von fünfhundert Sching sein Opfer sicher traf, hatte er draußen zurückgelassen. NRAPTPA MR ZCUC SCHELLINGSTRASSE 39 / TELEPHON 237 41/29073

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