Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1927-10-07 · 40 (7.10.1927) · p. Seite 659

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
40 (7.10.1927)
Date
1927-10-07
Page
Seite 659 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103079-9156851--08042-9080778
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 40 Das Jüdische Echo 659 Zionistische Ortsgruppe München Am Samstag, dem 8. Okt., abends 830 Uhr, erstatten die Herren Dr. IGNAZ EMRICH cand. med. vet. ERICH DEUTSCH den Bericht über den XV. Zionistenkongretj im K. J. V .-Lokal, St.-Anna-Strafe 6/0 Was hat ihnen nun aber dieser Verzicht genützt? Nichts. Und die Lehre aus diesen Vorgängen: es kommt wenig darauf an, was die Juden tun oder unterlassen; sie müssen stets gewärtigen, daß man sie angreift, da ein Anlaß für die Antisemiten immer leicht gefunden ist. Dem Böswilligen wird man eben nie einen Beweis erbringen können, dem er glaubt, und für die Verständigen und Loyalen sind Beweise nicht nötig, die in Verzicht, in der Aufgabe von Rechten, Sitten, charakteristischen Eigenschaften und in der übereifrigen und aufdringlichen Betonung loyaler Gesinnung gipfeln. Eine wirksame Verteidigung gegen solche Angriffe aber wird die einzelne jüdische Gruppe nur dann führen können, wenn sich die Juden der ganzen Welt zusammenschließen und Mittel und Wege zum Selbstschutz suchen. Und an einem solchen Zusammenschluß sollte sie auch die Furcht vor einer böswilligen Auslegung, vor Behauptungen von mangelndem Patriotismus nicht hindern, — wie am besten die Vorgänge in der Türkei beweisen. I. E. Aus der jüdischen Welt Die Berliner Rathenau-Gedenkfeier Berlin, 30. September. (JTA.) Am 29. September, dem Tage, da Walther Rathenau 60 Jahre alt geworden wäre, veranstaltete das Kuratorium der Walther-Rathenau-Stiftung im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates eine Gedenkfeier, zu der sich eine erlesene Gemeinde von Freunden und Verehrern Rathenaus eingefunden hatte. Vom Reichskabinett waren Reichskanzler Dr. Marx und Reichswehrminister Dr. Geßler, vom Preußischen Kabinett Handelsminister Dr. Schreiber erschienen. Das Auswärtige Amt war durch den Gesandten v. Freytag vertreten. Man bemerkte mehrere Staatssekretäre, zahlreiche Vertreter der Länder, der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden, mehrere führende Parlamentarier und Vertreter von Kunst, Wissenschaft und Literatur. Staatssekretär Meißner erschien in Vertretung des Reichspräsidenten. Nach Ansprachen von Ministerialdirektor Brecht und Reichskunstwart Dr. Redslob ergriff Reichskanzler Marx das Wort und sagte u. a.: Mit tiefer Bewegung gedenken wir des großen Mannes, der heute seinen 60. Geburtstag gefeiert hätte. Von seinem Eintritt in das Kabinett rechnen wir einen neuen, entscheidenden Abschnitt unserer Geschichte. Die Welt verstand Deutschland nicht mehr. Walther Rathenau wurde Deutschlands Dolmetscher. Mit der Verständigung auf wirtschaftlichem Gebiete einen praktischen Anfang zu machen, war sein Streben. Sein Ziel war, den guten Glauben im Verkehr der Völker neu zu begründen. Wir wollen danken, daß er gelebt hat, und ihm wie einem Lebenden Huldigung zu seinem 60. Geburtstage bringen; denn der Tod war nicht die Schranke seines Seins. Er lebt fort, er wirkt weiter. Der Tod hat sein Werk nicht beendet. Seine Politik wird fortgeführt. Sein literarisches Vermächtnis spricht zu den Lebenden. Und noch ein Drittes: Sein Tod hat dem deutschen Volke die Augen geöffnet über den furchtbaren Fluch der Blindheit und Gewalt. Hierauf sprach Gerhart Hauptmann. Ich habe, sagte er, in Walther Rathenau einen nahen und nächsten Freund verloren. Walther Rathenau war ein vollbürtiger, wahrer und tiefer deutscher Patriot, wenn es je einen gegeben hat. Zum Schluß sprach der Dichter Verse allerpersönlichster Huldigung für den Toten. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten beglückwünscht den Reichspräsidenten Berlin, 2. Oktober. (JTA.) Am 1. Oktober, dem Vortage seines 80. Geburtstages, nahm der Reichspräsident v. Hindenburg Glückwünsche und Glückwunschadressen von den Vertretern der Reichsverbände und auch des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten entgegen. Die Legende vom Kalb in Gelnhausen vor dem Reichsgericht Leipzig, 30. Sept. (JTA.) Wie seinerzeit berichtet, hatte der Tierarzt Dr. Lindemann in Gelnhausen eine Beleidigungsklage gegen den israelitischen Schächter Sigmund Marx und den Metzgermeister Ludwig Reis angestrengt, weil diese eine Schilderung Lindemanns über den Verlauf einer Schächtung in Gelnhausen in einer öffentlichen Erklärung als eine bewußte Verleumdung bezeichnet hatten. Das Schöffengericht Hanau hatte die Beklagten freigesprochen, die Strafkammer sie zu je 150 RM. Geldstrafe verurteilt. Das Reichsgericht hat das Urteil der Strafkammer aufgehoben und an die frühere Instanz zurückverwiesen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.