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Das jüdische Echo · 1927-10-07 · 40 (7.10.1927) · p. Seite 656

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
40 (7.10.1927)
Date
1927-10-07
Page
Seite 656 (sequence 4)
Language
German
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656 Nr 40 Das Jüdische Echo Lehrerkollegium, an dessen Spitze der ausgezeichnete und vielbewährte „Seminaroberlehrer“ Stoll steht, die glänzende Tradition der Anstalt aufs treueste wahren und wahrhaft als „Mehrer des Reiches“ bezeichnet werden können. Das dokumentierte sich aufs neue anläßlich der Einweihung der neuen Seminarsynagoge. Nachdem der bisherige Betraum für Internatszwecke der stetig wachsenden Schülerzahl in Anspruch genommen werden mußte, hat man einen bisher unbeachteten und unbenutzten Gebäudeteil der Anstalt zu einem wahrhaften Schmuckkästchen des Seminars umgewandelt. Mit erlesenem Geschmack haben Künstler und Bauleitung: Regierungsbaumeister Lehritter und Kleinsterker, Maler Menna, die verschiedenen Firmen der Stadt, durch ihre Arbeiten und Lieferungen hier einen licht- und luftdurchfluteten Betraum vornehmsten Stils geschaffen. Die Bedeutung für die ästhetische Erziehung der jungen Leute der Anstalt und damit für die Wirkung draußen in den Gemeinden ist unabsehbar. Da wird sich praktisch an den jungen Menschen der Sinn der Hiddur Mizwoh erfüllen. Reiche Ansätze sind dazu vorhanden. Ist doch die feine Beschriftung der Wände von zwei Zöglingen der Anstalt (Nathan Lischner und Salo Lauber, beide aus Fürth), die drei Wochen ihrer Ferien dafür opferten, ausgeführt worden und lag die Leitung der Chöre bei dem Seminaristen Frankfurt aus Nürnberg. Die Leitung des kantoralen Teils der Feier lag in den Händen des Würzburger Oberkantors Herrn Eschwege, eines ehemaligen Schülers der Anstalt, der die Sologesänge meisterhaft vortrug. Reicher Blumenschmuck, durch Friedhofsgärtner Behrens in Würzburg ausgeführt, erhöhte die prachtvolle Wirkung des Raumes. Wirkte so der äußere Rahmen erhebend und feierlich, so ergriffen uns die rednerischen Darbietungen in steigendem Maße und bewirkten einen tiefen unvergeßlichen Eindruck. im Modehaus Kurzwaren fkmdKliufa «txl audi Schuldirektor Stoll begrüßte die Gäste und zahlreichen Vertreter von Körperschaften Würzburgs und Bayerns und gab eine kurze Geschichte der Anstalt, — an deren gegenwärtigem Blühen er selbst einen erheblichen Anteil hat, wollen wir hinzufügen. Der treue Gönner, Freund und Förderer, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt, überbrachte die Glückwünsche der bayerischen Rabbinerkonferenz, Herr Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt in München als deren Vorsitzender die Grüße der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und erinnerte in ergreifenden Worten als alter Würzburger an die mächtige Wirkung der Persönlichkeit des Gründers der Anstalt und gedachte in Liebe und Treue seiner sonstigen Würzburger Lehrer. Herr Justizrat Dr. Haas, erster Vorsitzender der Kultusgemeinde Würzburg, sprach im Namen der jüdischen Gemeinde freundliche Worte und Segenswünsche aus. Ihm folgte Herr Oberlehrer Dingfelder in München für den Jüdischen Lehrerverein in Bayern als dessen Vorsitzender. Unter Gesang des Seminarchores erfolgte nun die Einbringung der Torarollen mit den üblichen Hakafoth. In geistreichen Ausführungen zeigte Herr Seminarrabbiner Dr. Neubauer den Zusammenhang zwischen G’tteslehre und Gebet und entzündete dann das Ner tamid. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Hanover, der Vorsitzende des Kuratoriums. Seine prachtvollen Ausführungen gipfelten in dem Gedanken, daß die ästhetische Wirkung auf die Verinnerlichung zu wirken berufen sei — nach dem biblischen Worte der Verbindung japhetitischer Schönheit mit dem Geiste Sems — und in der Mahnung an die jungen Menschen der Anstalt, diese Wirkung hinauszutragen an die Stätten ihrer einstigen Wirksamkeit. Für die Feier war eigens ein hebräisches Seelengebet auf die Namen der beiden großen Gründer und Führer der Anstalt — am Eingang des Raumes ist ihnen eine Tafel gewidmet — verfaßt worden, das von Herrn Oberkantor Eschwege in seelenvoller Vortragsart dargeboten wurde. Ein stimmungsvoller Chor schloß die Feier, die alle Teilnehmer aufs tiefste ergriffen hat. Die Errichtung dieses neuen Betraums bildet einen weiteren Markstein auf dem Wege des Aufstieges, den die Anstalt geht. Wir sind dessen sicher, daß die jüdische Gesamtheit auch weiterhin in opferfreudiger Weise wie bisher mithelfen wird, die teilweise noch ungedeckte Finanzierung zu bewerkstelligen. Der Rohbau erforderte 4000 Mark, die Einrichtung etwa 11 000 Mark: Spenden früherer Schüler und vor allem der Verkauf von „Bausteinen“ haben schon jetzt einen Teil der Kosten gedeckt, der Rest wird sicher gerne herbeigebracht werden. Der Anstalt rufen wir mit dem Psalmisten zu: Z’lach, rchab al dwar emeth! Bemerkun gen Neues Studentenrecht in Preußen Der preußische Kultusminister Dr. Becker ist festgeblieben: er hat sein im Februar gegebenes Versprechen eingelöst und zum 1. Oktober eine neue Verordnung über die „Studentenschaft“ herausgegeben, deren für die Zusammensetzung der preußischen Studentenschaften wichtigste Paragraphen besagen:

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