Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 40 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 40 7. Oktober 14. Jahrgang Einweihung der neuen Seminar» Synagoge in Würzburg Wiirzburg, 18. September. Die weit über Bayern und Deutschland hinaus rühmlichst bekannte israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg feierte heute die Einweihung einer neuen Synagoge in ihrer Anstalt. Diese Weihestunde gestaltete sich gleichzeitig zu einer eindrucksvollen Gedächtnisfeier für den Gründer der Anstalt, Rabbi Seligmann Bär Bamberger s. A. und dessen Sohn und Amtsnachfolger R. Nathan Bamberger s. A. Mit scharfem Blick für die Bedürfnisse der Zeit und der Zukunft hatte 1864 R. Seligmann Bär Bamberger, der „alte Würzburger Rab“, die israelitische Lehrerbildungsanstalt ins Leben gerufen und unter unendlicher Mühe und aufopferndster selbstlosester Hingebung erhalten und geführt und geleitet bis an sein Lebensende im Jahre 1878. Noch heute erfüllt es uns mit Staunen, wie der vielbeschäftigte Mann zu all seinen Lasten auch noch diese auf sich nehmen konnte. Seine rabbinische Tätigkeit führte ihn jahraus jahrein unverdrossen und ohne Rücksicht auf die so schwierigen Verkehrsverhältnisse seiner Zeit durch die vielen Gemeinden seines weiten Distrikts; überall war er Lehrer, Vater, Berater und Freund der Gemeinden und mit liebevoller Hingebung widmete er sich bei seinen Schulprüfungen jedem Kinde. R. Seligmann Bär hat sich durch diese herzliche Hingebung Schüler herangezogen für seine J e - schibah in Würzburg, die im übrigen von vielen Schülern des In- und Auslandes zahlreich besucht war und aus der eine Reihe hervorragender Rabbiner und Gemeindeführer hervorgegangen ist, die überall draußen ihres hochverehrten und geliebten Meisters Lehren verbreiteten, vor allem aber für „Lernen“ in seinem Sinne wirkten und nach seinem großen Beispiel Wohltätigkeit und edle Menschlichkeit gegen jedermann pflegten. Der damalige Jeschibah-Betrieb allein hätte schon ausgereicht, ein Leben zu erfüllen. Trotzdem entfaltete R. Seligmann Bär eine reiche literarische Tätigkeit, die Halacha und Agadah, Bibelexegese und jüdisch-hebräische Literatur in gleichem Maße umfaßte. Vor allem aber sorgte er mit seinen Werken fürs praktische Leben des Judentums; eine Saat streute er aus, die sofort aufgehen und weiterwirken sollte. Seine reiche jüdische Persönlichkeit stellte ihn ganz von selbst an die Spitze der Palästinatätigkeit in der Form der „Chalukah“ und mit A k i - bah L e h r e n s. A. und anderen Großen seiner Zeit wirkte er unendlich segensreich für Palästina. Daneben sorgte er im Inlande für Wohltätigkeit und Einzelfürsorge in unerschöpflicher Güte und Menschenliebe. Ein reicher Briefwechsel verband ihn mit den Großen seiner Zeit, besonders mit seinen früheren Lehrern der „Fürther Jeschibah“, zu denen er mit Ehrfurcht und Liebe aufblickte und die ihn schätzten und verehrten als ausgezeichneten Schüler. Über alles ging ihm aber die Gründung der Lehrerbildungsanstalt. In ihr wollte er den Gemeinden nach den veränderten Bedürfnissen, die er richtig erkannte, Führer schaffen, die, ausgerüstet mit reichem Torawissen im Verein mit einem schätzenswerten Maß weltlicher Bildung, auf das religiöse Leben Deutschlands einen unauslöschlichen Einfluß ausübten und ausüben. R. Seligmann Bär schuf das alles in schlichter Selbstverständlichkeit, als Ausfluß seiner wahrhaft frommen Persönlichkeit, in seltener Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, getragen vom Geiste einer lauteren, nur der Wahrheit und Geradheit dienenden Gesinnung. Und weil all sein Wirken aus diesem Geiste der Wahrheit und selbstlosen Hingebung für Jirah und Emunah geboren war, hielten seine Schöpfungen allen Stürmen Trotz, sie trugen sich selbst fort in die Zukunft. Der Sohn und Amtsnachfolger R. Nathan Bamberger war bis zur Selbstverleugnung bemüht, das Werk seines großen Vaters fortzusetzen und zu erhalten, immer geleitet von dem Gedanken: so hat es der Vater gewollt und getan. Bis ins hohe Alter hinein unternahm R. Nathan Bamberger beschwerliche Reisen zur Beschaffung der Mittel für die Anstalt; unablässig war auch er für Erez Israel tätig und aus seiner Feder flössen jüdische wissenschaftliche Werke. Als selbstlose Persönlichkeit, ausgerüstet mit großem Bekiuth, das man selten wieder finden wird, voll Güte und Freundlichkeit, war er wie der Vater besonders dem „Seminar“ zugetan und konnte das fünfundzwanzigjährige und fünfzigjährige Bestehen der Anstalt feiern. Die selbstlose Sachlichkeit und Wahrheit der Schöpfungen und des Schaffens dieser Männer zeigte sich daran, daß nach ihrem Tode keine Erschütterung eintrat. Ihr Werk stand in sich gefestigt da, unabhängig von dem Stamm der Nachfolger. Es wächst und blüht und steigt unablässig in Seinem Ansehen und in seiner Bedeutung für die deutsche Judenheit und ist ein wahrer Kiddusch 'Haschern und unverwüstliches Denkmal jener großen Gründer und Leiter. Mit Dankbarkeit und Genugtuung kann festgestellt werden, daß die heutigen Männer der Leitung des Kuratoriums wie der Anstalt, die Herren Rabbiner Dr. Hanover und der Schuldirektor Herr J. S toi 1 sich ihrer Vorgänger würdig zeigen und, irn Verein, mit den weiteren Mitgliedern des Küfätöriums und einem glänzenden