Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 39 (30.9.1927)
- Date
- 1927-09-30
- Page
- Seite 641 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 641 allem: Mütter! An euch ist es, in euren Kindern das Verantwortungsgefühl für das eigene Geschlecht und für die künftigen jüdischen Generationen zu erwecken und zu stärken. Der Wohlfahrts-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden geht in Gemeinschaft mit gleichstrebenden großen Organisationen voll Ernst an die Bearbeitung dieser Aufgaben. Er ist sich bewußt, daß ihre Lösung noch viel Zeit und Arbeit erfordern wird. Unlösbar aber müssen sie bleiben, wenn die Juden Deutschlands ihnen nicht das nötige Verständnis entgegenbringen. Darum, Glaubensgenossen, achtet von nun an mit erhöhter Aufmerksamkeit auf alle Fragen der jüdischen Bevölkerungspolitik, arbeitet in euren Gemeinden an ihnen mit und benutzt im Kreise eurer Familien und eurer Bekanntschaft jede Gelegenheit, um Gleichgültige und Ununterrichtete mit Hilfe des von uns zur Verfügung gestellten Materials darüber aufzuklären, daß es augenblicklich keine wichtigere Frage für uns geben kann, als einen ausreichenden Nachwuchs in körperlicher und geistiger Frische heranzuziehen! An die Rabbiner und Lehrer ergeht der Ruf, in gottesdienstlichen Veranstaltungen und öffentlichen Versammlungen im Sinne unseres Aufrufes zu wirken, den Gemeindevorständen erwächst die Pflicht, ihre Kraft einzusetzen für die Erneuerung eines gesunden Familienlebens. Ein Schofarruf! Am Versöhnungstage lasset Schofartöne in eurem ganzen Lande ergehen. Heiligt das fünfzigste Jahr, rufet im Lande Freiheit allen seinen Bewohnern aus. Ein Jobeljahr ein Jahr des Heimbriipgens ist es: ein solches Lahr sei es auch! Kehret ein jeder zu seinem Grundbesitz und ein jeder zu seiner Familie zurück. (Wajikroh 25, 9 und 10.) Der heiligste Tag im religiösen ist auch der heiligste Tag im nationalen Begreifen des Judentums. Der Sabbat der Sabbate in den Tagen des einzelnen jüdischen Menschen bedeutet auch den Sabbat von je sieben Jahreskreisen in den Jahren der jüdischen Gesamtheit auf dem Boden von Erez-Jisrael. Individuelle Freiheit braucht soziale Freiheit! Soll der Tag der Versöhnung seine Fittiche über alle Seelen in Jisrael ausbreiten, dann muß vorher die Seele des Volkes Israel auf dem Boden des Landes Israel, von allen Schlacken befreit ihrer Bestimmung treu geworden sein. Der Sabbat der Sabbate der Tage muß mit dem Sabbat der Sabbate der Jahre, das religiöse Einzelempfinden muß mit der Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit der jüdischen Allgemeinheit auf dem jüdischen Boden eins geworden sein — und der Traum der Besten von Geschlecht zu Geschlecht ist nicht mehr Traum. Daß an jedem siebten Tage der Mensch sich von den Fesseln des Existenzkampfes freimache, ist heute endlich Gemeingut der Menschheit geworden, nachdem wir Juden zwei Jahrtausende zerstreut unter der Menschheit ihr den Sabbat vorgelebt haben. Wie aber der Existenzkampf selber der menschlichen Freiheit würdig sei, wie die Idee des Jobeljahres zum Siege komme, dies zu beweisen scheint heute der Sinn unserer Aufgabe als BeispieJvolk unter den Völkern geworden zu sein. Mit der ganzen Menschheit befindet sich auch das jüdische Volk in einer Übergangsperiode größter Änderungen. Seine völkerrechtliche Anerkennung als ein Volk und die völkerrechtliche Anerkennung seines Anspruches auf das Land, aus dem es vor zwei Jahrtausende in die Verbannung ziehen mußte, weil es der Idee des Jobeljahres nicht diente, diese beiden Postulate dienen als Wegweiser nach einer neuen Richtung, die die jüdische Geschichte nunmehr genommen hat. Der Anfang ist gemacht. Nun gilt es der Konsequenzen aus diesem Anfang. Der Wille des jüdischen Volkes darf heute nur das eine Ziel kennen, Scholle auf Scholle in Erez-Jisrael zu erwerben, damit wieder auf dem Boden von Erez-Jisrael das Jobeljahr entstehe als Wahrzeichen, wie Gottes Vo'lk die soziale Frage löst. Der Anfang ist gemacht, doch der Weg zwischen Anfang und Ziel kann lang und kurz sein. Möge auf dem ganzen Erdenrund überall, wo Juden weilen, der Schofarruf laut gehört werden, in die Herzen dringen und sich zu Taten gestalten, damit der Tag, an dem zwischen Dan und Berseba zum Jobei ertönt, näher komme. Wie stellt sich aber der einzelne in den Dienst der großen Sache? Was kann er, dessen Kräfte ganz andere Interesse in Banden halten, was kann er, der für die Gegenwart mit allen Fibern seines Ichs besorgt sein muß, für ein Werk tun, dessen Auswirkungen in der Zukunft liegen? Was er tun kann? Das eine kann er jedenfalls tun: sich intensiv finanziell für die Organisation interessieren (wir meinen den Keren Kajemeth, den Jüd. Nationalfonds), die den Kauf von Boden in Erez-Jisrael als Besitz der jüdischen Gesamtheit betreiben, dann hat er den Jobel-Schofarruf des Yersöhnungstages verstanden. L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten H auptpr eisla ge: Mk. 180.^ bis Mk. 250.- Kein Anzug über Mk. 280.- ___y v