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Das jüdische Echo · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · p. Seite 593

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage 593 Die Verhandlungen des XV. Zionistenkongresses Fortsetzung der Berichte aus Nr. 36 Das Gesundheitswesen In der 12. Sitzung vom Donnerstag vormittag referiert Dr. A. Katznelson über die von der Gesundheitskommission dem Kongreß unterbreiteten Resolutionen. Die Palästinaexekutive wurde einstimmig beauftragt, auf diesem Gebiete eine völlige Einheitlichkeit unter Initiative des Jischuw herzustellen. Es ist die eventuelle Übernahme der Leitung des Sanitätswesens durch den Jischuw vorzubereiten. Weiters wird die Anteilnahme der Regierung an der finanziellen und praktischen Sicherung des Gesundheitswesens sowie die Herstellung einer ständigen Kooperation gefordert. Der Vertrag zwischen der H adassah und der Palästinaexekutive, welchen Weizmann befürwortet und Arlosoroff bekämpft hatte, wurde vom Plenum zur Kenntnis genommen, jedoch nur als Provisorium. In der erfolgten Vereinheitlichung der palästinischen Krankenkassen erblickt der Kongreß einen Fortschritt zur Konsolidierung der sozialen Fürsorge im Lande. Der Kongreß sprach sodann an Nathan und Lina Strauß den Dank für die Errichtung des Gesundheitszentrums aus. Einsetzung einer Hnlcihe- Kommission und Errichtung eines Kontrollamtes In der 13. Sitzung wurde über den Bericht und die Resolutionen der finanzpolitischen Kommission verhandelt. Der Referent, Dr. Rottenstreich, der Vorsitzende dieser Kommission, begründete eine Reihe von Resolutionen. In seiner einleitenden Rede wies er auf den steigenden Überschuß der Palästinaregierung hin, der, wie die Regierung selbst anerkannt hat, nur der jüdischen Einwanderung zuzuschreiben ist. Trotzdem habe die Regierung keinen Schritt unternommen, um das Einströmen ausländischen Kapitals zu ermöglichen. Unabhängig von unseren Bestrebungen müssen wir die Palästinaregierung veranlassen, das Aufbauwerk auch in dieser Richtung zu unterstützen. Die Zionistische Organisation muß alles tun, um die Arbeit und das Aufbautempo anzufachen. Es wurde sodann im Prinzip die Wahl einer Anleihekommission mit dem Siitze in Europa und einer Subkommission in Palästina beschlossen. Die Resolutionen wurden angenommen. Beim letzten Punkt, der das Verbot von Sondersammlungen ausspricht, kam es zu einer Kampfstimmung, bei welcher dieser Beschluß mit dem Amendement zur Annahme gelangte, daß von dem Verbot die bereits bestehenden Sonderfonds ausgenommen sind. Dafür stimmten 116, dagegen 97 Delegierte. Des weiteren wurde ein sehr wichtiger Beschluß, betreffend die Errichtung eines Kontrollamtes gefaßt, für welchen sich insbesondere Delegierter Stricker in der Kommission und auch im Plenum eingesetzt hatte. Dieses Amt soll einer Obersten Rechnungskammer gleichkommen. Der Bericht lautet: Der Kongreß errichtet ein Kontrollamt zum Zwecke der Kontrolle aller mit Einnahmen und Ausgaben verbundenen zionistischen oder von der zionistischen Organisation abhängigen oder ihr verantwortlichen Institutionen.. An der Spitze dieses Kontrollamtes steht der Kontrolleur. Zu den Agenden dieses Amtes gehört die Gewährleistung einer korrekten Geschäftsführung, die Sicherstellung der Durchführung der Kongreßbeschlüsse, die Gewähr für ein reibungsloses Zusammenarbeiten, ferner Vereinfachung und Verbilligung des Gesamtapparates. (Zum Kontrolleur wurde, wie man liest, inzwischen Herr S. Schocker, Zwickau, vorgeschlagen.) Die politischen Beschlüsse In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag fand die 1 4. S i t z u n g des Kongresses statt. Zunächst erstattete Kurt Blumenfeld sein Referat über „Zionismus und die jüdische Gegenwar t“, dessen Inhalt wir noch nachtragen werden. Dann fand die Wahl der Anleihekommission statt, die aus den Herren Feiwel, Viktor Jacobson, Naiditsch, Rufeisen, Zlatopolsky, Bernhardt, Rottenstreich, Stricker, Dr. Barth und Locker zusammengesetzt wurde. Der Kongreß ging nunmehr zur Beratung der Resolutionen der politischen Kommission über. Die Sitzung hatte einen dramatisch bewegten Verlauf, besonders die Beschlüsse über die Jewish Agency entfachten stürmische Emrörung bei Radikalen und Revisionisten, Stricker und Grünbaum ließen sich zu dem unerhörten Ausruf hinreißen: „Die Majorität des Kongresses lehnt den Primat Palästinas ab.“ Die Resolutionen wurden von den Berichterstattern Dr. Nurock und Ben-Zwi begründet; der erste Teil, die sog. Präambel, lautet: Die in Palästina seit Jahrzehnten, insbesondere seit der Balfour-Deklaration unter zionistischen Auspizien geleitete Aufbauarbeit hat die Grundlage des Jüdischen Nationalheims geschaffen. Damit wurde der Mandatarmacht sowie der öffentlichen Meinung der Welt bewiesen, daß das jüdische Volk fähig und entschlossen ist, der ihm durch das Mandat auferlegten schweren Verantwortung gerecht zu werden. Die Mandatarmacht hat sich während dieser Anfangsperiode im wesentlichen auf die Einrichtung einer ordnungsmäßig arbeitenden Verwaltung und die Wahrung der öffentlichen Sicherheit beschränkt und damit zwei der fundamentalen Vorbedingungen für die gesunde Entwicklung Palästinas geschaffen. Der Kongreß hält es jedoch für nötig zu betonen, daß die Tätigkeit der Palästina-Verwaltung in ihrem passiven Verhalten zum Jischuw und zu den Leistungen des jüdischen Volkes weder dem Geiste noch den besonderen Bestimmungen des Mandats entspricht. Den großen Wert des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina, das dem ganzen Lande in seiner wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung zum Vorteil dient, wird diesem Verhalten keineswegs

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