Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 37 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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592 Das Jüdische Echo Nr. 37 Schöpferin und Präsidentin der „Hadassah, Womun’s Zionist Organisation“, verfügt durch diese Organisation über großen Einfluß vor allem in Amerika und hat auch bei dem Aufbau der sanitären Einrichtungen der Hadassah Erfahrungen und Ansehen in Palästina gewonnen; Henry Sacher endlich, als dessen besondere Aufgabe in der Exekutive man die Sanierung der Institutionen, die Balanzierung des Etats und die Rationalisierung der Verwaltung bezeichnet, hat sich nach der „Jüdischen Rundschau“ als alter englischer Zionist und früherer Redakteur des „Manchester Guardian“ große Verdienste um den Zionismus dadurch erworben, daß er zur öffentlichen Diskussion des Zionismus als Kriegsziel beigetragen hat. Heute gilt Sacher als einer der tüchtigsten Rechtsanwälte Palästinas; er vertritt u. a. auch die Angelegenheit der Ruthenberg-Gesellschaften. Sacher scheint also alle Voraussetzungen zu erfüllen, die man an einen Wirtschaftsreorganisator in Palästina stellen kann; seine Arbeit wird ihm trotzdem nicht leicht werden. Das Budget, das vom Kongreß in seiner letzten Sitzung angenommen wurde, läßt nämlich trotz der beim ersten Eindruck erstaunlich hohen Gesamteinnahmensumme von annähernd 1 Million Pfund für die eigentliche Kolonisationsarbeit nur einen relativ und absolut ungenügenden Betrag zur Verfügung. Es gehen nämlich davon ab die Einnahmen des Nationalfonds in Höhe von £ 300 000.—, die bestimmungsgemäß für den Bodenkauf verwendet werden müssen, es gehen ferner davon ab für die Zionistische Organisation £ 38 000.—, so daß noch die Einnahmen des Keren Hajessod in Höhe von £ 631 832.— verbleiben, die man auch als das eigentlich budgetfähige Einkommen bezeichnen kann. Von diesen werden verwendet; Für die Abdeckung des Defizits im Gesamtbeträge von £ 151 000.— £ 70 000.—; für Rückzahlungen auf Vorschüsse £ 54 500.—; für die landwirtschaftliche Kolonisation mit Einschluß der Versuchsstation und der Beteiligung an verschiedenen Gesellschaften £ 146 000.—; für das Arbeitsdepartement £ 65 000.—; für das Schulwesen £ 53 000.—; für das gesamte Gesundheitswesen (also mit Einrechnung des Hadass.ah-Budgets) £ 119 000.—; für die Immigration £ 10 000.—; der Rest verteilt sich auf kleinere Departements (Sonderbeiträge für religiöse Erziehung, religiöse Angelegenheiten, Universität und Nationalbibliothek, Technikum in Haifa, Handel und Industrie) und die Verwaltung. Wie mit diesen beschränkten Mitteln hausgehalten werden soll, das können sich im Augenblick nur wenige vorstellen; ganz besonders einschneidende Kürzungen mußten bei den drei wichtigsten Departements, der landwirtschaftlichen Kolonisation, der Arbeit und dem Schulwesen gemacht werden. Abnorm hoch erscheint der für sanitäre Ausgaben angesetzte Betrag; es ist aus diesem Grunde sehr verständlich und begrüßenswert, daß der Kongreß eine Resolution der Gesundheitsr kommission angenommen hat, die eine allmähliche Überführung dieser Arbeit in die Hände lokaler Organe und die stärkere Anteilnahme der Regierung erstrebt. Das Departement für Handel und Industrie soll lediglich x 4000.— erhalten; das ist, wenn man weiß, wie notwendig und nützlich gerade auf diesem Gebiete systematische Arbeit wäre, nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein es liegt im Prinzip der Konsolidation, daß nichts Neues begonnen werden darf, bis das Alte ganz auf eigenen Füßen steht und bis entsprechende Mittel vorhanden sind. Und so muß man sich eben der Hoffnung hingeben, daß es einmal der neuen Exekutive gelingen wird, in der nächsten Arbeitsperiode die Konsolidierung bereits angefangener Arbeiten durchzuführen und daß zum anderen durch eine Anspannung aller Energien endlich auch größere Beträge für neue Arbeitszweige freigemacht werden können. Dr. Weizmann hat vor seiner Wiederwahl einige Erklärungen abgegeben, die in dieser Beziehung einschneidende Bedeutung gewinnen. Er hat seine Hoffnung ausgedrückt, daß es gelingen werde, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit außerhalb des Budgets größere Mittel zu erhalten; er hat aber auch betont, daß die Exekutive das von der Budgetkommission festgesetzte und vom Kongreß beschlossene Budget nur unter der Grundvoraussetzung durchführen könne, daß die Einnahmen den vorgesehenen Ausgaben entsprächen. Die Exekutive müsse berechtigt sein, das Budget mit der tatsächlichen Lage in Einklang zu bringen und die zu diesem Zwecke notwendigen Änderungen vorzunehmen. Das hat sie zwar bisher unter dem Druck der Tatsachen auch schon getan, sie hat sich aber doch so weit an das Budget gehalten, daß man als das Ergebnis dieses Verfahrens die schwebende Schuld von £ 150 000.— buchen darf. Der Kongreß hat nun einen Antrag der Budgetkommission angenommen, der die Exekutive ermächtigt, angesichts der Lage in Palästina Veränderungen der einzelnen Posten bis zu zehn Prozent im Rahmen des Gesamtbudgets vorzunehmen. Ohne daß dies ausdrücklich festgestellt wird, scheint der Kongreß damit sagen zu wollen, daß der Exekutive weitergehende Änderungen nicht gestattet seien. Zwischen diesem Beschluß und der Erklärung Dr. Weizmanns besteht u. E. eine prinzipielle Differenz, die doch noch einmal geklärt werden müßte. Die Erklärung Dr. Weizmanns mit ihrem unbedingten Festhalten an dem Prinzip, nicht mehr auszugeben als eingenommen wird, muß in der augenblicklichen Situation dem formalen Budgetrecht des Kongresses vorgezogen werden. Man kann sich nicht einfach über die gegebenen Bedingungen hinwegsetzen und auf die zionistische Organisation finanzpolitsche Grundsätze anwenden, die anderswo vernünftig und angebracht sind, ihr aber nur Schaden bringen. Auch in dieser Frage ist übertriebene Skepsis nicht nötig: die Einnahmen des Keren Hajessod sind wirklich so angesetzt, wie es die nüchternste Überlegung erforderte; es ist daher auch die Hoffnung berechtigt, daß das für das nächste Jahr aufgestellte Minimalbudget eingehalten werden kann. * Motzkin hat in seiner Schlußansprache den XV. Kongreß den besten, ernstesten und bedeutungsvollsten seit dem Kriege genannt. Mit Recht. Auch ohne daß man dem sogenannten „offiziellen“ Optimismus verfällt, darf man sagen, daß dieser Kongreß vielleicht einen Teil der Eigenschaften gezeigt hat, die seinen großen Führer Weizmann elnen unerschütterlichen Sinn für die Wirklichkeit, die es zu erkennen und zu besiegen gilt; ein Verantwortungsbewußtsein, das ihn auch den ernstesten Belastungsproben standhalten ließ, Vertrauen auf die Kraft des zionistischen Gedankens und einen hoffnungsvollen Mut auf eine freundlichere, freudigere Zukunft. LE.