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Das jüdische Echo · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 37 16. September 14. Jahrgang Die Ergebnisse des XV. Zionistenkongresses Nicht wie vorgesehen am 9., sondern erst am 11. September konnte der Kongreß seine Beratungen beenden, eine Reihe von Nachtsitzungen und .überstürzten Abstimmungen waren nötig geworden; wichtige Gegenstände mußten dem A.-C. zur endgültigen Beratung und Beschlußfassung übergeben werden. Der Kongreß steht einer solchen Menge von Aufgaben gegenüber, daß ihre Bewältigung normalerweise in dem kurzen Zeitraum von 14 Tagen gar nicht vorausgesetzt werden dürfte; es muß als ein Zeichen von äußerster Kraftanstrengung, als ein Symbol stärkster Disziplin des größten Teils der Kongreßdelegierten betrachtet werden, daß es gelungen ist, den XV. Kongreß mit einer Verlängerung von nur zwei Tagen zu Ende zu führen und doch wenigstens die wichtigsten Probleme zu lösen. Dabei darf freilich nicht vergessen werden, daß eine Frage, von der man annehmen sollte, sie habe das Interesse des Kongresses im besonderem Maße erregt, dievFrage der Kongreßreform nämlich, unseres Wissens nur von einem Mitglied der Exekutive, Felix Rosenblüth, angeschnitten wurde. Negativ hat man allerdings eine Anregung zur Kongreßreform bereits entschieden; der Kongreß ist in seiner großen Mehrheit nicht gewillt, auf das Budgetrecht zu verzichten, obwohl er tatsächlich dieses Recht nur formell besitzen und ausüben kann. Es mag vielleicht nicht überflüssig sein, sich einmal zu vergegenwärtigen, was alles der Kongreß während seiner kurzen Tagung zu erledigen hatte. Neben einer Reihe von demonstrativen Veranstaltungen, wie der feierlichen Eröffnung, der Gedächtnisversammlung an den ersten Zionistenkongreß, der Totenehrung, die sicherlich bei der heutigen Regelung zu kurz kommen, stehen im Vordergrund die parlamentarischen Verhandlungen: die im Plenum erstatteten Kommentare der leitenden Politiker und Administratoren, der Fondsdirektoren, zu den meist gedruckt vorliegenden Berichten der einzelnen Verwaltungszweige usw.; die Generaldebatte, die den Parteien Gelegenheit zur Auseinandersetzung untereinander und mit der Exekutive gibt, die Beratungen der Kommissionen und Subkommissionen, von denen nur der Permanenzausschuß, die politische, die Organisations-, die Erziehungs-, die Gesundheits-, die Kolonisations-, die Immigrations-, die Arbeits-, die finanzpolitische, und last not least die Budgetkommission genannt seien; die Erstattung der Berichte dieser Kommissionen und die Beschlußfassung über die von ihnen eingebrachten Anträge; schließlich die Wahl einer Exekutive — man wird nach dieser bloßen Aufzählung verstehen, daß viele Gegenstände, die Anlaß wochenlanger Auseinandersetzungen sein könnten und müßten, nur oberflächlich gestreift werden und „durchgepeitscht“ werden müssen. Trotz vieler formalen Schwierigkeiten, trotz einer unglaublichen Überlastung an Arbeitsstoff ist der Kongreß nicht, wie der XIV. in Wien, auseinandergegangen, ohne eine neue Exekutive gewählt zu haben. Wer den Wahlkampf miterlebt hat, und wer während des Kongresses etwa die Meldungen über den Zwischenfall mit Stephen Wise in der politischen Kommission las, der mag geglaubt haben, daß es um die Person und das politische System Weizmanns gehe; allein, obwohl Jabotinsky in seiner großen Rede mit blendender parlamentarischer Taktik und großem Suggestionsvermögen Wise gegen Weizmann auszuspielen versuchte, dachte im Ernst niemand an eine Kandidatur gegen Weizmann. Nicht die Zusammensetzung der Londoner Exekutive war es, die den Kongreß solange beschäftigte: es war die Bildung der Palästina-Exekutive, die Schwierigkeiten über Schwierigkeiten bereitete, die bald an dem Widerstand des Misrachi, bald an dem Einspruch der Arbeiterparteien scheiterte. Sie besteht nunmehr, wie wir an anderer Stelle melden, aus Colonel Kish, Henry Sacher und Miß Henrietta Szold. Van Vriesland, der zuerst als Dritter in Aussicht genommen war, wurde sowohl von den Misrachisten als auch von den Arbeiterparteien heftig abgelehnt; er wird indessen, da Sacher auf seine Mitarbeit nicht verzichten wollte, als treasurer (Schatzmeister) außerhalb der Exekutive tätig sein. Die Wahl der Palästina-Exekutive erfolgte mit 83 gegen 62 Stimmen. Dafür stimmten nur die Allgemeinen Zionisten, dagegen Misrachi, Revisionisten und Radikale; die Arbeiterparteien enthielten sich der Stimme und ermöglichten damit erst diese Wahl. Diese Haltung der Arbeiterparteien, die unter Hintansetzung eigener Interessen und trotz großer, gewichtiger Bedenken sich bereit fanden, die Situation zu retten, wenn sich die neue Exekutive nur zu gewissen Grundprinzipien ihrer Arbeit bekennen würde, verdient restlose Anerkennung. Auch sind ihre Forderungen: Anerkennung der Histadruth Haowdim als Vertretung der Arbeiterschaft, Anerkennung des Prinzips der organisierten Arbeit bei nationalen Arbeiten, wirklich nicht übertrieben. Ob der Misrachi bei konsequenter Durchführung der auf diesem Kongreß angewandten Taktik — er stemmte sich gegen van Vriesland aus Gründen, die ohne irgendwie sachlicher Natur zu sein, nicht einmal in van Vrieslands Person liegen; er forderte von der zu wählenden Exekutive für seine Unterstützung Garantien, die alle von den zionistischen Fonds abhängigen Siedler in ihrer persönlichen Freiheit weitgehend beschränkt hätten — ob der Misrachi damit nicht seiner eigenen Idee untreu würde, kann einmal dahingestellt bleiben; daß er diesen Kongreß ungewöhnlichen Belastungsproben ausgesetzt und seine Arbeit sehr erschwert hat, ist sicher. Man erwartet von der neuen Exekutive nicht wenig. Sie bedeutet jedenfalls einen Sieg des Konsolidierungsgedankens, der als die Richtlinie ihrer Tätigkeit sich nunmehr auch in der Praxis durchzusetzen und zu bewähren hat. Was ihre Mitglieder anlangt, so ist Colonel Kish seit Jahren Mitglied der Exekutive und nahezu allgemein anerkannt und geschätzt; Miß Henrietta Szold, die

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