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Das jüdische Echo · 1927-09-09 · 36 (9.9.1927) · p. Seite 576

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
36 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
Seite 576 (sequence 8)
Language
German
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576 Das Jüdische Echo Nr. 36 Die Kommissionen Der gestrige und der heutige Tag waren zur Gänze den Beratungen der Kommissionen gewidmet, welche angestrengt arbeiten. Besondere Bedeutung kommt der finanzpolitischen Kommission zu, welche die bisherige Finanzpolitik zu überprüfen und die Richtlinien für die neue Kongreßperiode zu bestimmen hat. Die Kommission tagt unter dem Vorsitz des Senators Rottenstreich, des Vorsitzenden der Budgetkommission des polnischen Senates, unter dessen Ägide die polnische Dollaranleihe zustande kam. Es haben bisher die Leitung und die von den Arbeitern, den Amerikanern und von der Organisation geleiteten Wirtschaftsinstitute berichtet. Wie wir erfahren, kam man zu dem Resultat, daß bloß die Arbeiterbank tadellos geführt wurde. Bei den anderen Instituten scheint eine Änderung der Finanzpolitik dringend geboten. Über die Modalitäten wird jetzt beraten. Der finanzpolitischen Kommission liegen acht Anleiheprojekte vor, die teils von der Exekutive, teils von Kongreßdelegierten unterbreitet wurden. Wie uns von informierter Seite mitgeteilt wird, besteht auf Grund von Rücksprachen mit den Vertretern einzelner Großmächte die Aussicht, daß eine vom Völkerbund garantierte Anleihe zustande kommt, auf ähnlicher Basis, wie die seinerzeitige österreichische Anleihe kontrahiert wurde. Die Erziehungskommission tagt unter dem Vorsitz des Krakauer Sejmabgeordneten Dr. Osias Thon. Der Leiter des Unterrichtsdepartements der Palästina-Exekutive, Dr. Lourie, erstattete seinen Bericht über den Stand des Schulwerks. Die Vertreter der Misrachi bemängelten, daß das religiöse Moment beim Unterricht in den von der Exekutive sowie von der Arbeiterpartei erhaltenen Schulen vernachlässigt werde. Sie behaupten, daß für das Schulwerk ein weit größerer Betrag aufgebracht werden könnte, wenn das religiöse Moment stärkere Berücksichtigung fände. Delegierter Dr. Goldhammer (Wien) regte an, daß an die Stelle der von der Exekutive, von den Arbeitern und von dem Misrachi geleiteten drei Schultypen eine einheitliche Schule trete und verwies auf das Schulwesen in Deutschland und in der Schweiz, wo aus der parteilosen Schule Anhänger aller drei Richtungen hervorgehen. In der politischen Kommission wird auch von seiten der regierungstreuen Parteien scharfe Kritik geübt. Unter anderem sagte Ben Zwi: „Wir leben in Palästina in einem Staat, in welchem wir eine Minorität sind, ohne die Minoritätsrechte zu besitzen.“ Der Permanenzausschuß berät über die Zusammensetzung der Exekutive. Die Liste der für Palästina vorzuschlagenden Personen bereitet sehr große Schwierigkeiten, dagegen wird bezüglich Londons die Einigung sehr bald erfolgen. Neunte Sitzung Keren Hajessod Hantkes Referat Der Keren Hajessod steht im siebenten Jahre seiner Entwicklung. Diese Entwicklung war weit regelmäßiger, als Freunde und Gegner erwartet haben. In den letzten zwei Jahren hat der Keren Hajessod Bruttoeinnahmen von gegen £ 800 000 gehabt, d. s. etwa zwei Drittel der öffentlichen Gelder, die für jüdische Aufbauzwecke nach Palästina strömen, und etwa 250 000 Beitragende, von denen die Hälfte organisierte Zionisten sind. Wenn man die russische Judenheit, die an der Mitarbeit behindert ist, außer Betracht läßt, so gibt jede jüdische Familie durchschnittlich jährlich 10 Schilling für KH und KKL, wovon 7 Schilling, also gegen zwei Drittel, auf den KH entfallen. Die Tribüne des Kongresses ist der Ort, von dem aus vor allem hervorgehoben werden mag, welche Bedeutung der Keren Hajessod für die Erweiterung des Aktionsradius der zionistischen Bewegung bereits jetzt gewonnen hat. 125 000 KH- Zahler, die nicht der zionistischen Bewegung angehören, bedeuten eine Verdoppelung der finanziellen Kräfte der organisierten Palästinabewegung. Der Versuch, die propalästinensisch gestimmte Judenheit zu positiven Leistungen für Palästina heranzuziehen, obwohl diese Elemente nicht bereit sind, in die Zionistische Organisation einzutreten, ist gelungen. Die Idee der Jewish Agency, die zwar repräsentiert wird durch die Zionistische Organisation, die aber über die historischen Grenzen der Zionistischen Organisation hinausführt und die jüdische Öffentlichkeit ein Idealbild der Zukunft ahnen läßt, hat sich bewährt und ist ins jüdische Leben eingedrungen. Niemand sollte übersehen, daß der Keren Hajessod eine der Grundlagen der zukünftigen Jewish Agency darstellen muß. Ein jedes Volk steht dauernd in Widerstreit der einigenden und trennenden Kräfte. Normal geschichtete und normal wohnende Völker haben sich im Staat einen Zwangsapparat geschaffen, der diesen inneren Widerstand kontrolliert und ausgleicht. Schwierig wird die Lage eines solchen Volkes erst, wenn sein Staat in Gefahr kommt, auseinanderzubrechen. Wir Juden sind in dieser Lage. Der, Streit in unserer Öffentlichkeit ist hemmungsloser, immer sind wir in Gefahr, daß die innerjüdischen Diskussionen zu einer dauernden Schädigung des Volkes durch Abfall führen. Im jüdischen Volke ist es also mehr als anderswo notwendig, den Widerstreit der einigenden und trennenden Kräfte zu beeinflussen. Wenn es dem Keren Hajessod gelingt, eine steigende Zahl von Juden zu Steuerzahlern für den Palästinaaufbau zu einigen, so leistet er damit ein außerordentlich wichtiges Stück nationaler Erziehung. Wir glauben feststellen zu können, daß die Übersiedlung der Leitung des Keren Hajessod von London nach Jerusalem gelungen ist. Die Arbeit des Keren Hajessod hat davon viele Vorteile gehabt. Herr Jaffe und ich glauben, daß es nicht nur Renault Audi Mototechnische Ges., K.-G. di© führenden Weltmarken München / Odeonsplatz 12 Telephon 26 397 und 20654

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