Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 36 (9.9.1927)
- Date
- 1927-09-09
- Page
- Seite 575 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 575 Dr. Hindes entwickelt das Programm von „Eth Liwnoth“ Dr. Hindes (Polen) präzisiert die Stellung der Gruppe „Et Liwnoth“. Es ist nicht richtig, daß wir auf einem Klassenstandpunkt stehen. Es ist ein Prinzip jeder Kolonisation, das Gleichgewicht zwischen der Menschenwelle und der Kapitalswelle herzustellen. Wir haben jetzt dafür zu sorgen, daß endlich für Kapital freie Bahn gemacht wird. Der Primat gebührt den Fragen, die sich auf den Aufbau Palästinas als eines nationalen jüdischen Heims beziehen, d. h. in erster Reihe der Frage der Kolonisation. Der Kongreß steht im Zeichen eines kleinen Budgets. Unsere Perspektivlosigkeit ist die Ursache der Mißerfolge des Keren Hajessod. Wir müssen also vor allem eine klare Perspektive der Kolonisationsarbeit haben, weil von ihr der Keren Hajessod und unser Budget abhängt. Die Jewish Agency ist als Grundlage für eine gemeinsame Arbeit von Zionisten und Nichtzionisten für den Aufbau Palästinas eine Notwendigkeit, die von der Entwicklung diktiert wird. Unsere wirtschaftliche Arbeit kann nicht zum Erfolg führen, wenn sie von Parteien gemacht wird. Wir glauben, daß eine gewisse Entpolitisierung unserer wirtschaftlichen Arbeit im Wege der Jewish Agency eine Notwendigkeit ist. Es war für uns heute eine Überraschung, von Jabotinsky zu hören, daß er wenigstens prinzipiell auf demselben Standpunkt steht. Auf jeden Fall muß Klarheit geschaffen werden, ob die Opposition wirklich geneigt ist, eine wirtschaftliche Agency restlos zu unterstützen. Auf dem Gebiet der Außenpolitik teilen wir nicht Jabotinskys Maximalismus. Aber die Politik, die wir in Palästina treiben, ist entschieden zu schwach. Unsere Exekutive ist in wirtschaftlichen Fragen daltonistisch und verteidigt nicht unsere Wirtschaft in Palästina selbst vor den größten Gefahren und Angriffen seitens der Administration. Wir fordern da besseren Schutz und aktivere Politik. — Der Redner entwickelt eingehend das Kolonisationsprogramm seiner Gruppe und schließt: Ich sehe nur eine Möglichkeit: wir müssen das Privatkapital nach Palästina bringen. Wir müssen unser Menschenmaterial mobilisieren und starken Menschen den Weg in die Exekutive bahnen. Ein Waad-Leumi-Haus in Jerusalem Jerusalem, 2. September. (JTA.) DerWaad Leumi (Jüdischer Nationalrat für Palästina) verhandelt wegen des Ankaufs eines großen Gebäudes im Zentrum Jerusalems, das ihm als Sitz dienen soll. Auch der Waad Hair beschloß den Ankauf eines Hauses. Ächte Sitzung Die Deklarationen in Basel Die Abendsitzung begann mit einem Nachruf Sokolows für die Toten der letzten Kongreßperiode, wobei er besonders des Dichters Zangwill und des italienischen Politikers Luigi Luzatti gedachte. Sodann folgten, wie allen früheren Kongressen die Deklarationen der oppositionellen Gruppen. Herr Solowejtschik verlas namens der Radikalen eine Deklaration, in welcher sie ihre Opposition gegen den gegenwärtigen Kurs der zionistischen Politik eingehend begründen. Die Deklaration schließt mit den Worten: „Das Programm, das der Präsident der Organisation und der Präsident der Exekutive dem Kongreß vorgelegt haben, bedeutet die Fortsetzung des bisher auf allen Gebieten gescheiterten Systems der herrschenden zionistischen Politik. Wir lehnen dieses Programm in seinen wichtigsten Richtlinien ab und werden gegen die Wiederwahl der beiden Präsidenten und ihre Betrauung mit der Leitung der zionistischen Politik stimmen.“ Dr. Lichtheim verlas eine kurze Deklaration der Revisionisten, in der erklärt wird, daß sie der gegenwärtigen Leitung, falls sie wiedergewählt wird, ihr Mißtrauen zum Ausdruck bringen. Sodann ergriff Jabotinsky das Wort zu einer Erklärung, die er verlas. Sie bezieht sich auf den Vorhalt des Präsidenten Weizmann in seiner Rede von Samstag nachts, warum Jabotinsky seine Rede nicht gehalten habe, bevor er das Weißbuch unterschrieb. Jabotinsky erklärt, er sei am 17. Juni 1922 in den Nachmittagsstunden nach einer achtmonatigen Propagandareise aus Amerika und direkt zu Weizmann beschieden worden. Dort sei ihm das Weißbuch vorgelegt worden, von dem er früher nichts gewußt habe. Weizmann habe ihm erklärt, wenn das Weißbuch nicht bis zum 18. Juni, das ist am nächsten Tag, in den Morgenstunden der englischen Regierung übergeben sei, so trete ein Ultimatum der englischen Regierung in Kraft, wonach das Mandat geändert werde. Unter diesem Zwang und in dem Bewußtsein, gemeinsam mit seinen Kollegen eine Schlacht zu verlieren, habe Jabotinsky nach den Zusicherungen Weizmanns, daß alles Erdenkliche geschehen sei, das Weißbuch mitunterschrieben. Er bedauere seine damalige Loyalität nach der jüngsten Rede Weizmanns. BUICK die Weltmarke in 127 Ländern vertreten Der moderne, populärste 6-Zylinder Meues Modell 1927 bereits lieferbar Vertretung: BAYERN-AUTO G.m.b.HPaul-Heyse-Str. 9,Tel 58422 / g',",',"»* Werkst.: Lands- 82a /Tel.60256