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Das jüdische Echo · 1927-09-09 · 36 (9.9.1927) · p. Seite 572

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
36 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
Seite 572 (sequence 4)
Language
German
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572 Nr. 36 Das Jüdische Echo heuer schwierige und delikate Rolle. Es ist möglich, daß ich nicht die Qualifikation dazu habe, aber ich erlaube mir, den Zweifel auszusprechen, daß die anderen die besondere Qualifikation dazu haben,. Mir ist der Zionismus genau so verständlich wie irgendeinem in diesem Saal, und ich verstehe es sehr gut, daß das jüdische Nationalheim nicht identisch ist mit der Mandatarmacht. Ich verstehe aber auch, daß es zum großen Teil unsere Aufgabe ist, die Sache so zu leiten, daß man die Mandatarmacht in ein Minimum von Verlegenheit bringt. Antwort an Jabotinsky — Zölle und Steuern Die Legion Jabotinsky hat sich einen großen Zwang angetan. Wenn es so weiter geht, wird er uns allen, auch mir, noch viel zu gemäßigt werden. Das Ganze ist reduziert worden auf einen Unterschied nicht qualitativer, sondern quantitativer Art. Was den großen Komplex von Fragen betrifft, die sich auf Schutzzoll, Steuern usw. beziehen, so weiß Jabotinsky genau, daß wir seit Jahr und Tag die Regierung drängen, um hier gewisse Veränderungen zu erzielen. Der Vorwurf, den man der Regierung machen kann, ist der, daß es zu langsam geht. Wir haben die Regierung veranlaßt, anstatt empirisch von Fall zu Fall zu entscheiden, ob diese oder jene Industrie geschützt werden soll, die ganze Frage vom Standpunkt des ganzen Landes zu studieren, und wir sind aufgefordert worden, in dieser Beziehung einen Vorschlag zu machen. Dies ist ein politischer Fortschritt. In Palästina werden sich wahrscheinlich hundert kleine Industrien entwickeln, von denen 90 verschwinden werden. Und es ist das Wesentliche, die entwicklungsfähigen Industrien, die übrig bleiben werden, zu schützen. Neulich fuhr ein bedeutender englischer Fachmann durch unsere Kolonien und berichtete, daß unsere Kolonisation wohl teuer sei, aber dies sei eine Kompensation für das menschliche Leid. Wir haben unsere Kolonisation mit einem relativen Minimum von menschlichem Leid gemacht. Wenn die politischen Bedingungen in Palästina anders wären, so wäre die Kolonisation billiger. Die Frage ist, können wir aber diese politischen Bedingungen ändern? Jabotinsky sagt ja, ich glaube vorläufig nicht. Jabotinsky beschuldigt die Exekutive, speziell mich, daß ich den Weg zu Forderungen an die Regierung obstruiere, indem ich immer behaupte, die politischen Bedingungen seien gute. Nicht eine Rede ist von mir gehalten worden, in der ich nicht gesagt hätte: Zwar ist das Mandat noch lange nicht erfüllt, zwar haben wir viele Forderungen zu stellen, aber es besteht kein Grund, daß wir heute nicht im größeren Umfange arbeiten als bisher, wenn wir größere Mittel hätten. Das ist die stets von mir formulierte These, und diese These ist das einzig Richtige in der jetzigen Situation. Bei der letzten A.-C.-Sitzung konnte sich keine politische Kaiser KS'ö* BORAX Heinrich Mack Nacht,. Ulm ö. D. Debatte entwickeln, weil die Herren auch aus Palästina sich bewußt waren, daß die politische Lage weiter gegangen ist als unsere ökonomischen Möglichkeiten. — Ich glaube wirklich nicht, daß die Legion auch nur für einen Moment ein Mittel wäre, um die politische Lage zu verbessern. Der einzige Hebel, den man ansetzen könnte, um eine bessere politische Lage herzustellen, ist die Gewinnung der öffentlichen Meinung, über welche Jabotinsky so wunderbar gesprochen hat. Wir sind überzeugt, wir alle, daß die ganze Palästinapolitik, die ganze Politik des nationalen Heims im Interesse Englands liegt. Unser politisches Vorwärtsschreiten ist eine Funktion unserer Arbeit im Lande. Ich weiß, daß das ein verzauberter Kreis ist. Ich weiß, daß, wenn sehr günstige politische Verhältnisse vorhanden wären, unsere Arbeit leichter wäre und wir mehr erreicht hätten, und daß anderseits, wenn wir mehr erreicht hätten, unsere politischen Verhältnisse günstiger wären. Aber die politische Leitung der zionistischen Bewegung ist nicht dafür verantwortlich, daß in Palästina solche Verhältnisse sind, wie sie eben existieren. Es ist hart, und ich habe immer gesagt: Es gibt keinen „derech hamelech“ nach Palästina. Keiner wird für Sie oder für mich diese Arbeit machen, sondern wir müssen schon selbst diese politischen Bedingungen schaffen. Nun einige Worte zur Frage Jewish Agenc y. Zunächst ein Wort über die Priorität. Wir haben die Priorität auf Palästina nicht aufgegeben, und die anderen hatten sie nie angenommen. Denn wenn die es getan hätten, dann wäre eine Jewish Agency nicht nötig. Es ist möglich, daß die Jewish Agency gewisse Gefahren in sich schließt, aber ich kann mich nicht der naiven Auffassung anschließen, daß wir mit den Nichtzionisten zwar in allen ökonomischen Dingen Zusammenarbeiten sollen, aber nicht in den politischen. Wissen sie denn nicht, daß die ökonomischen Dinge in Palästina aufs innigste mit den politischen Zusammenhängen? Hat nicht Jabotinsky selbst seine Einstellung ganz auf ökonomisch-politischer Grundlage aufgebaut? Wenn es gelingen wird — und ich glaube es— große Summen nach Palästina zu bringen, dann werden die Nichtzionisten die von ihnen investierten Summen mit noch größerer Energie auch politisch verteidigen, als manche andere es tun. Weizmann wird seine Politik nicht ändern. — Appell an den Kongreß, die Krise zu beseitigen Der Kongreß hat eine große Aufgabe zu erfüllen: nur halbwegs den Versuch zu machen, die Krise zu beseitigen. Ich glaube, das übersteigt nicht die Kraft des Kongresses. Wenn sie diese temporäre Unbill beseitigen, hat alles, was in Palästina gemacht worden ist, Hand und Fuß. Wenn sich die Wölke heben wird, so wird man sehen, daß das Grundlegende, was in Palästina geschaffen worden ist, gesund ist. Die Krise ist auch ein Stück Psychose. Man kann sich ins Feuer hineinreden und man kann seine Nerven im Zaume halten, das letzte ist Gebot dieser schweren Stunde Wir haben das Werk auf uns genommen. Wir sind auf die Wanderung gegangen jahraus, jahrein wir suchen im rückwärtigen Teil der Front Ordnung zu schaffen, und es ist Sache desjenigen 1 eiles, der in der vordersten Linie der Frontsteht, mutig zu sein und weiterzugehen. (Langandauernder Applaus. Der Kongreß erhebt sich und stimmt die „Hatikwah an.)

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