Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 35 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- Seite 561 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103079-9156846--07974-9080710- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 35 Das Jüdische Echo 561 Opposition zufrieden erklärte. Es wurde der Antrag Grünbaum angenommen, daß für Sonderverbände die Redezeit mit einer Stunde festgesetzt werde und daß auch die programmatischen Redner der Fraktionen eine Stunde Redezeit erhalten. Hierauf begann die Generaldebatte, eingeleitet durch Rabbi Meier Berlin, den Führer der Misrachi: Die Krise ist nicht in Palästina, sondern in der zionistischen Bewegung. Das Unheil kommt nicht vom Mangel an Geld, sondern vom Mangel an Mut. Das Eingeständnis, daß wir am Ende unserer Mittel stehen, bedeutet einen Mangel an Vertrauen zum Volk. Redner führt dies darauf zurück, daß man die religiöse Richtung im Judentum nicht genügend berücksichtige. Als zweiter Redner spricht namens der Hitachduth Dr. Arlosoroff: Er beginnt mit einem vollen Bekenntnis zu Weizmann. Wer aufmerksam zugehört hat, der hat aus dem politischen Bericht des Präsidenten den Ton der Würde vernommen und die Behauptung der politischen Methode gehört, die wir hier als die politische Tradition der zionistischen Organisation kennen. Redner wendet sich ge^en die amerikanischen separatistischen Tendenzen und insbesondere gegen den Vertrag mit der Hadassah, dessen Annahme Präsident Weizmann so warm empfohlen hat. Durch diesen Vertrag wird die Hassadah nicht mehr als ein Organ des Jischuw bestehen, sondern sie wird eine Kanone der amerikanischen Zionisten sein. * Dem Kongreß wohnten u. a. bei die Gattin Sir Alfred Monds, welche dem Präsidium der Wizo- Konferenz angehörte, ferner Fräulein Maxa Nordau, die Tochter des verstorbenen Führers. Morgen findet keine Plenarsitzung statt. Im Stadtkasino werden sich die Teilnehmer des ersten Kongresses zu einer Jubiläumssitzung versammeln. Wahl des Kongreß-Präsidiums Leo Motzkin schlägt namens des Aktionskomitees folgendes Präsidium vor: Präsident: Nahum Sokolow; Vizepräsidenten: L. Motzkin, U. Ussischkin, Rabbi Meier Berlin, Rabbi Max Heller, Miss Henrietta Szold, Prof. Kleinmann, Deputierter H. Farbstein, Dr. Reich, Elieser Kaplan, Dr. Schalit, Podliszewski. (angenommen). Weiter schlägt er folgende Beisitzer vor: Philipp Guedalla, S. Gesundheit, Ab. Goldberg, Dr. Hilfstein, Wertheim, Wladimir Temkin, Dr. Landsberg, Lindenheim, Dr. Rosenblatt, Rabbi Usiel, Rabbi Amiel (angenommen). Als Sekretäre werden vorgeschlagen: Dr. Bernstein, Prof. Brodetsky, Rabbi Brickner, Dow Hos, Dr. Herrmann, Rabbi Hoffmann, Dr. Weisseiberger, Nejfeld, Efter und .Heftmann (angenommen). Präsident Sokolow übernimmt das Präsidium, dankt für die Wahl und erteilt sich selbst das Wort. Begrüßungen Präsident Weizmann teilt mit, daß der Präsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Herr Giuseppe Motta, in einem Entschuldigungsschreiben bekanntgegeben habe, daß er der Eröffnungssitzung nicht beiwohnen könne, da er anläßlich der Sitzung des Völkerbundes am 3. September zu sehr beschäftigt sei. Hierauf begrüßte Präsident Dr. Weizmann die anwesenden Gäste: Dr. Wenk, Präsidenten des Regierungsrates des Kantons Basel-Stadt, den Präsidenten des Großen Rates des Kantons Basel-Stadt, den Stadthalter des Bürgerrates Basel, den Präsidenten des weiteren Bürgerrates Basel, den Rektor der Universität Basel sowie den Vertreter des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes und der Kultusgemeinde Basel. Präsident Weizmann teilt weiter mit, daß der Generalsekretär des Völkerbundes infolge der Tagung des Völkerbundes verhindert sei, an der Eröffnungssitzung teilzunehmen und daß er Herrn S. A. Neymann, Mitglied des Sekretariates, zum Vertreter bestellt und ersucht habe, einen Bericht über den Kongreß zu erstatten. Dr. Weizmann gibt weiter bekannt, daß der britische Gesandte in Bern im Auslande weile, und begrüßt den Vertreter der britischen Gesandtschaft. Er begrüßt weiter die Vertreter der folgenden Staaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Nicaragua, Österreich, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Serbien, Kroatien und Slowenien, Tschechoslowakei, United States of America, Uruguay, Venezuela. Zum Schluß begrüßt er alle übrigen Gäste, die den Kongreß mit ihrem Besuche beehrt haben. Insbesondere gibt er seiner Freude darüber Ausdruck, daß Lady Samuel und Mrs. Dugdale, die Nichte Lord Balfours, den Kongreß mit ihrem Besuche beehrt haben. Basel im Zeichen des Kongresses Die Stadt Basel steht ganz im Zeichen des jüdischen Kongresses. Die Straßen sind stark belebt. Vor dem Hotel „Trois Rois“, in dem die Exekutive untergebracht ist, herrscht reges Treiben. Zahlreiche Läden haben jüdische Embleme an den Eingängen angebracht. Vor dem Messehaus wurden nachmittags die blauweiße und die Schweizer Fahne gehißt. Alle Zeitungen widmen dem Kongreß warme Begrüßungen. Im Mernehaus entwickelt sich das allen Zionisten wohlbekannte Kongreßleben. Alle Hallen und Korridore sind dicht gefüllt. Die Türen sind seit gestern von Ordnern besetzt, alle Schalter in Permanenz. Das Postamt und die Wechselstube sind blockiert. Die Ausstellung jüdischer Kunst und die verschiedenen Palästina-Expositionen erfreuen sich eines lebensgefährlichen Gedränges. Die Haltung der Bevölkerung ist durchaus sympathisch, und man empfindet es mit Stolz, daß der Kongreß wieder nach Basel gekommen ist. Die Vorkonferenzen der Parteien des Kongresses sind in voller Arbeit. Das Aktionskomitee und das Kongreßgericht, das bekanntlich die Mandate zu verisizieren hat, sind seit mehreren Tagen versammelt. UeberkingerSprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel 20542 Ledererstr. 12