Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 35 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- Seite 560 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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560 Das Jüdische Echo Nr. 35 Die Aufgaben des Kongresses Die Zionistische Organisation, die in den dreißig Jahren ihres Bestehens nicht tot geredet und nicht tot geschrieben werden konnte, beginnt in treuer Erinnerung ihrer Vergangenheit mit frischem Mut eine neue Periode. Sie tritt in diese Periode ein mit sieghaftem Bewußtsein innerer Erstarkung, mit selbstbewußter Genugtuung über errungene und in sicherer Hoffnung zukünftiger Erfolge, mit dem erhabenen Gefühl maßgebenden Einflusses auf das jüdische Volk und auf weite, edeldenkende Kreise der Menschheit und mit dem festen Entschuß, diesen Einfluß für den Aufbau Erez Israels geltend zu machen. Es ist die Pflicht der Gegenwart, das Erbe unverkürzt der Zukunft zu überantworten, dem Kongreß seinen ursprünglichen historischen Sinn zu wahren, die temporäre Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse durch Tüchtigkeit, Ausdauer, Charakterstärke und größeren Opfersinn zu besiegen. Das Mißlingen eines wirtschaftlichen Planes hat immer etwas Schmerzhaftes, es wirkt aber verschieden. Der Schwache gelangt dadurch in eine Gereiztheit, der Starke tritt wohl einen Schritt zurück, behält aber das Ziel fest im Auge und sieht, auf welchem anderen Wege er es erreichen kann. Aus der Unbefriedigtheit müssen sich stärkere Kraftanstrengungen erheben. Wir hoffen zuversichtlich, daß das jüdische Volk seine ganze Kraft in begeisterter Hingabe in den Dienst seiner großen Sache, einer Sache der Menschheit und der Zivilisation, einer Sache seiner Rettung und seiner Ehre, stellen wird. Wir müssen und werden Erez Israel weiterbauen, bis es zu einem großen und wirklichen nationalem Heim wird. Wir werden dafür jedes Opfer bringen und jede Kraftanstrengung vollführen. In diesem Geiste müssen die verschiedenen Parteien und Richtungen im Zionismus, ja, im ganzen jüdischen Volke, unzertrennlich verknüpft sein. Unser einmütiges Zusammentreten, unser unbeugsamer Wille wird den Sieg im Kampf der Arbeit bringen. Das walte Gott! Zweite Sitzung Zu Beginn der Vormittagssitzung erstattete Rechtsanwalt Gronemann (Berlin) als Vorsitzender des Kongreßgerichtes Bericht über die Kongreßwahlen. Präsident W e i z m a n n gab programmatische Erläuterungen zu dem gedruckt vorgelegten Bericht der Exekutive. Die politische Situation befindet sich in einer steten Entwicklung. Die Exekutive hat in den letzten Jahren besonders die Beziehungen zum Völkerbund sowohl durch eine Vertretung in Genf als bei den Regierungen gepflegt. Mit der palästinischen Regierung schweben Verhandlungen über die Staatsländereien; der Standpunkt der Palästinaregierung ist jedoch darin nicht befriedigend. Sodann über Private kaufmännische Kurse Fernruf 23 6 99 Gegründet 1879 RUDOLF DUKlIi MÜNCHEN Inhaber und Leiter Diplom-Kaufmann R. Bürck. Jeden Monat beginnen neue Kurse. Beste Referenzen. Auskunft und Anmeldung Prinz-Ludwig-Str. Nr. 3/1, neben der Tonhalle Steuerfragen. Die steuerliche Behandlung der jüdischen Siedlung ist zweckmäßig und nimmt auf die Entwicklungsjahre keine Rücksicht. Auch ist es nötig, vorkommende Ungerechtigkeiten in der Einschätzung abzustellen. Auch ist es nötig, eine stärkere Berücksichtigung der industriellen Entwicklung im Steuersystem des Landes herbeizuführen. Es besteht bereits jetzt Aussicht, industrielle Schutzzölle zu erwirken. Die finanzielle Lage ist unbefriedigend. In den letzten Jahren haben die faktischen Einnahmen die Schätzungen nicht erreicht und im Jahre 1927 ist das Defizit auf 151 000 Pfund (über 3 Millionen Mark) angewachsen. Der Kongreß muß für das kommende Jahr die Tilgung der Hälfte dieses Defizits ermöglichen. Die Einnahmen des kommenden Jahres sind auf 450 000 Pfund (etwa 9 Millionen Mark) veranschlagt. Von ihnen sind aber vorweg verschiedene eingegangene Verpflichtungen sowie 70 000 Pfund zur Tilgung des Defizits abzuschreiben. Es bleibt der relativ kleine Betrag von 225 000 Pfund; davon sind 70 000 Pfund für Arbeitslosenfürsorge zu reservieren. Es ist also stärkste Sparsamkeit erforderlich. Die schwebenden Verhandlungen über eine langfristige Anleihe haben zur Voraussetzung, daß die Arbeit in Palästina auf solider Basis ruht. Von der Krise wird die Landwirtschaft verhältnismäßig am wenigsten betroffen. — Der verbleibende Rest des Budgets ist in erster Linie zur Konsolidierung der bestehenden landwirtschaftlichen Siedlungen zu verwenden. Die Exekutive hat sich seither besonders bemüht, die städtischen Arbeitslosen aufs Land abzuleiten. Eine wesentliche Förderung dieser Bemühungen ist von den kanadischen Zionisten zu erwarten, welche für Bodenkäufe eine Million Dollar zugesagt haben. Die Hauptfrage ist nach wie vor das Arbeitslosenproblem. Ein großer Teil der Arbeitslosen wird durch projektierte Unternehmungen und öffentliche Arbeiten beschäftigt werden, es ist aber auch weiterhin mit einem Uberschuß an Arbeitslosen zu rechnen, der voraussichtlich erst im Laufe von ein bis zwei Jahren beseitigt werden kann. Die Lösung des Arbeitslosenproblems ist die wesentlichste Aufgabe des Kongresses, der nicht auseinandergehen darf, ohne hierin eine Regelung geschaffen zu haben. Zum Schluß verteidigte Weizmann die zionistische Beamtenschaft energisch gegen die immer wieder erhobenen Angriffe. Nahum. Sokolow sprach als zweiter Redner zum Bericht und betonte, daß der Zionismus in den verflossenen zwei Jahren einen Siegeslauf zurückgelegt habe. Beweis sei unter anderem die große amerikanische Delegation auf diesem Kongreß. Sokolow feierte das Palästinawerk in begeisternden Worten. Die Rede erntete stürmischen Beifall des Kongresses. Dritte Sitzung, 31. August nachmittags Die Sitzung begann mit einer Geschäftsordnungsdebatte. Das Präsidium hatte den Beschluß gefaßt, den kleineren Gruppen nur die halbe Redezeit der großen zu gewähren. Dies rief stürmischen Protest hervor. Nahum Goldmann, Dr. Margulies und Jabotinsky erklärten: Wenn dieser Beschluß bestehen bleibt, so würde sich die Opposition an der Generaldebatte nicht beteiligen. Die Sitzung wurde unterbrochen und das Präsidium beschloß ein Amendement, mit welchem sich die