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Das jüdische Echo · 1927-09-02 · 35 (2.9.1927) · p. Seite 559

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
35 (2.9.1927)
Date
1927-09-02
Page
Seite 559 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 559 genügend, fragmentarisch, durch tausend Widerstände gehemmt, von tausend Gefahren bedroht und wiederum von günstigen Kräften gefördert, von großen Anläufen und unvermeidlichen Rückschlägen hin und her gedrängt, aber Erfüllung! So ist das Gesetz des Lebens! Jede große Wahrheit hat in ihrer Entwicklung zunächst einen harten Kampf um ihr Daseinsrecht zu führen. Der Zionismus hat die erste Entwicklungsphase bereits überschritten, ja, der Kampf ist schon so weit vorgedrungen, daß man zur Entscheidung antreten mußte. Man konnte nicht im Warteraum der Weltgeschichte noch länger sitzen bleiben. Man mußte daran gehen, das Potenzielle zu aktivieren. Hier liegt die Größe der Situation, hier ist das Befreiende, das Beglückende, zugleich aber auch das Schwere, das Verantwortungsvolle. Der Zionismus wird aus diesem Endkampfe siegreich hervorgehen. Aber um diesen Sieg zu ermöglichen und zu beschleunigen, muß viel Großes, Tüchtiges und Lebenskräftiges in Erez Israel geleistet werden. Es geht nicht mit einem „Es werde“! Das höchste Gut, ein Vaterland, muß mit den höchsten Opfern bezahlt werden. Das ökonomische Gesetz der Reaktionen nach großen Erfolgen ist ein hartes Gesetz. Wir können es nicht ändern, und kein einziges Volk auf Erden kann es ändern. Man muß temporäre Mißerfolge mit in den Kauf nehmen. Die verschiedenen Etappen müssen durchgemacht werden. Die qualvollen Wehen sind nicht Todeswehen; sie sind Wehen des Werdens. Der Kampf mit der Assimilation . Unser Kampf gegen die Assimilation, jetzt schon ein dreißigjähriger Krieg, den der Zionismus geführt hat und führen muß, hat hier begonnen. Einer der größten Geister, die das moderne Judentum hervorgebracht hat, einer der sprachgewaltigsten Menschen, die je gesprochen und geschrieben haben, Max Nordau, hat hier diesen Krieg erklärt. Wie der junge Abraham die Götzenbilder seiner Umgebung, zerschmetterte er die Fettiche eines absterbenden Judentums: die innerliche Untertänigkeit, das Kleinsein, das Versinken, das Beugen des Genicks, das Lecken des Prügelstocks, die ewige Flucht vor dem eigenen Ich, den Affentrieb einer kläglichen Nachahmung. Die scharfen Sentenzen von der moralischen Judennot, von dem „Bauch- und Auchjudentum“, die Max Nordau geprägt und mit grandioser Wucht in die Öffentlichkeit geschleudert hat, waren nicht bloß eine pikante Würze für Feinschmecker polemischer Rhetorik; sie waren vielmehr, wie der Zionismus selbst, uralte Wahrheiten im neuen Gewände. Die Assimilation herrschte damals fast noch unbeschränkt. Sie entfremdete, erstickte; ihre Politik war ein unwürdiges Versteckspiel. Wo es galt, kühn aufzutreten, verkroch sie sich zwerghaft und feige. Sie verstand nicht, daß es nicht genügt, sich fremde Namen aufzukleben, wie eine Etikette, daß dies kein anderes Blut in den Adern fließen läßt und daß man notwendigerweise das bleibt, als was man geboren ist. Da hilft keine eigene Willenswahl? dieser Freiheit gegenüber steht das ewig bindende, das selbstlos Nationale, und alle persönlichen Tendenzen zerschellen an dem sittlichen Lebensgesetz des Volkes. Jüdische Art war der Assimilation eine ferne, verschollene Kultur, über die sie sich erhaben dünkte: die Bibel — ein Buch mit sieben Siegeln, die nationale hebräische Kultur — eine Pharaonen-Grabkammer, Palästina — ein Märchenland, Zionismus — eine rückständige Verirrung, Eitelkeit und Größenwahn, vielleicht ein letztes Aufflackern des fliehenden nationalen Lebens. Alles Positiv-Jüdische kam ihr als unklare Träumerei vor. Hochmütig kümmerte sie sich in der Regel um diese Träumereien blutwenig; geschah dies zuweilen, so konnte man mit Erstaunen sehen, wie kalt und freudlos, ohne Schauder und ohne Ehrfurcht, das heiligste Ideal nicht nur eines alten Volkes, sondern auch von Millionen jetzt lebender Söhne dieses Volkes, zergrübelt und lebendig zergliedert wird. Ein Judentum, das für sich denkt, für sich lebt, für sich will und für sich handelt, war in den Augen der Assimilation eine Chimäre. Sie hatte das jüdische Volk nicht gesehen. Ihre Schwäche war der Irrtum, daß alles Volksleben sich in der Tageshelle abspiele, das Verkennen der unbewußten, unter dem Bewußtsein arbeitenden Lebens- und Seelenkräfte, die aus dem ewigen Geheimnis des Lebens hervortauchen und über sich selbst hinausweisen, in eine Welt, in der der historische Impuls wirksam wird. Der schöpferische Lebensdrang der Rasse, die bildende Kraft des Stammes, die unüberwindliche Macht des Blutes waren ihr eine terra incognita. Ihre ganze Weisheit war die Kunst des „Mimikry“. Sie wollte mit Gewalt nachahmen und hatte doch kein Verständnis für den inneren Sinn des Nachzuahmenden. Sie schwärmte für die Verbrüderung mit den Völkern. Sie begriff nicht, daß man durch Absonderung zur Gemeinschaft gelangt. Die erschreckenden Folgen dieser Tendenz traten wie die Feuerzeichen eines Menetekel ein. Nach innen Zerissenheit, Selbstentäußerung, Indifferentismus, Renegatentum insbesondere der Jugend, die sich von der Assimilation ganz hinaus ins Fremde flüchtete, wie lose Zähne aus dem Munde eines Greises fallen. Nach außen schmähliche und schnöde Zurückweisung der Assimilations-Zudringlichkeiten seitens der umwobenen Völker. Und doch wollte diese Tendenz führend bleiben. Dieser Schmach mußte ein Ende gesetzt werden. Dieser Sauerteig mußte aus dem Hause ausgefegt werden, bevor wir das Fest der Freiheit feiern durften. Deshalb mußte Nordau seine blitzende Geißel gegen die Assimilation schwingen. Man darf ohne Übertreibung sagen, daß der Siegeslauf Herzlscher Gedanken nicht so leicht gewesen wäre ohne die kongeniale Mitarbeit Nordaus, der das Herzische Edelmetall mit unübertrefflicher Kraft in große rhetorische Form umzugießen verstand. Wäscherei der Münchener Hausfrau Größte Mietwäscherei Münchens, hygienische und modernste Anlage Jeder Posten wird gesondert behandelt! Zeitersparnis; in etwa 11U Stunden wird jedes Quantum in Ihrer Anwesenheit gereinigt. Geldersparnis; Billiger als im eigenen Haushalt. Trommel von RM. 3.70 an.„‘ Größte Schonung derWäsche; Kein Bürsten und Reiben mehr. Jede Hausfrau ist begeistert. Trockengelegenheit, elektrische Dampfmange stehen zur Verfügung. Unser Auto holt und bringt die Wäsche kostenlos. Besichtigen Sie unsere Musterwäscherei Wir übernehmen jede Art von Wäsche zur gebrauchsfert. Lieferung Wäscherei d. Münchener Hausfrau HOCKER & BÄUERLE Landwehrstr.57/59, T 596 858

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