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Das jüdische Echo · 1927-09-02 · 35 (2.9.1927) · p. Seite 558

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
35 (2.9.1927)
Date
1927-09-02
Page
Seite 558 (sequence 6)
Language
German
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558 Das Jüdische Echo Nr. 35 erst beginnt, ist die moralische, die befreiende, die umwälzende Wirkung dieser Arbeit gewaltig. Die ganze Welt beobachtet unser Tun und wir können wohl sagen, daß sie in ihrer Mehrheit uns wohlwollend beobachtet. Wir haben von vielen Seiten Ermutigung erfahren und auch die Gegnerschaft, auf die wir gestoßen sind, hat uns nicht geschwächt, sondern stärker gemacht. Wir stehen mitten in dem aufbauenden Freiheitskampf des jüdischen Volkes. Wir sind aus einem Häuflein belächelter Enthusiasten die Träger einer großen Verantwortung geworden. Dieser Kongreß, unser Jubiläumskongreß, muß sich dieser Verantwortung bewußt sein, und sich ihrer würdig zeigen. Ich erkläre den XV. Zionistenkongreß für eröffnet. Sokolows Eröffnungsrede Drei Perioden zionistischer Geschichte Welche Zeit, welche Geschichte rauscht an dem rückwärts gewandten Blick vorüber! Seit der Begründung der Zionistischen Organisation durch den ersten Kongreß ist ein Zeitraum von 30 Jahren verstrichen. Dieser Zeitraum zerfällt in drei Perioden: 1. die Herzlperiode, 2. die Periode Wolfsohn (Köln) und Warburg (Berlin) und 3. die jetzige Periode. Die Herzlperiode war die Schöpfungsperiode des Zionismus. Anfänglich eine winzige Schar, vergrößerten sich die Reihen der Zionisten nach und nach und schwollen in immer schnellerem Tempo zu gewaltigen Zahlen an. Mit Riesenschritten ging die Entwicklung vor sich. Die Finanzinstitute und der Jüdische Nationalfonds wurden begründet. Auch das Programm klärte sich infolge genauer Prüfung und sorgfältiger Untersuchung der realen Verhältnisse. Der Zionismus war nicht mehr eine große Sehnsucht, ein großes Heimweh nach einer besseren, schöneren Welt allein. Es wurde nicht mehr alles in einer Parole konzentriert, es galt schon, aus dem weiten Reich der UmMkIibIwI LfZlaildl im Modehaus itom-iUKO Gedanken in die enge Arena der Tat hinabzusteigen und sich als moralische, volkstümliche Macht zu organisieren und durchzusetzen. Man begann, die zur Realisierung des Programmes notwendigen Momente zu suchen. Man hielt an dem Leitgedanken fest, aber man fand es ungenügend, eine Formel tatenlos zu wiederholen. Neben der gewaltigen politischen Sisyphusarbeit Herzls, die er trotz Enttäuschungen und Rückschlägen, Erschütterungen und Konflikten mit übermenschlicher Zähigkeit geführt hat und die ungeachtet des Mangels positiver Resultate moralisch bahnbrechend war, setzte auch eine praktische Arbeit in Erez Israel ein. In einem harten Seelenkampf hatte sich Herzl zu der Überzeugung durchgerungen, daß man, ohne auf die Gunst der politischen Verhältnisse zu warten,, eine intensive Kolonisationsarbeit unverzüglich fördern müsse. Diese Probleme beschäftigten seinen Geist noch, als der Todesengel mit umgestürzter Fackel an sein Bett trat. Der frühzeitige Tod Herzls war die größte Katastrophe, von der die Zionistische Organisation je betroffen worden ist. Herzl hat uns nicht mehr führen können, aber an seine Stelle ist die Erinnerung getreten, die sich mehr und mehr verklärt hat, in der wir Trost und Ruhe gefunden, die wir lieb gewonnen haben und die uns ein Ersatz für den Verstorbenen geworden ist. Das heilige Vermächtnis Herzls wurde von seinem treuesten Freund und Mitarbeiter, dem unvergeßlichen und verdienstvollen Zionistenführer David Wolfsohn, übernommen und mit hingebungsvollem Eifer und Selbstaufopferung gewahrt. Der Name Wölffsohn ist mit der ersten und zweiten Periode des Zionismus und der zionistischen Kongresse aufs engste verbunden. Er war ein begeisterter Vorkämpfer des palästinischen Ideales, einer der Paladine der ersten Kongresse, ein Mitstreiter und Mitarbeiter für die Gründung unserer Institutionen, die nachher unter seine Leitung gekommen sind, ein willensstarker und kraftvoller Führer und Förderer auf dem Gebiete der Organisation. Auch sein Heimgang bedeutete eine schmerzliche Lücke in unseren Reihen. Die Kölner und die darauf folgende Berliner Periode glänzten nicht durch überraschende Erfolge; aber es waren Zeiten schwerer und segensreicher, stiller Arbeit. Die Organisation wurde gefestigt, ihre Institutionen ausgebaut, die innere Geschlossenheit und das programmäßige Zusammenwirken der Kräfte gesichert, manche Lebenskeime national-kultureller Entwicklung in Erez Israel geschaffen und der Zukunft tüchtig vorgearbeitet. Die dritte Periode, in der wir uns nunmehr befinden, die Periode der Anerkennung und der Verwirklichung des Nationalheims für das jüdische Volk unter dem Mandat Großbritanniens und dem Schutz des Völkerbundes auf der Grundlage internationaler Traktate, hat uns vor ganz neue und epochemachende Aufgaben gestellt. Der Schlüssel zürn Verständnis der Situation, die durch die historischen Erfolge unserer Politik geschaffen worden ist, liegt nicht in dem Überhandnehmen dieser oder jener innerzionistischen parteipolitischen Richtung, dieser oder jener Nuance unserer nationalen, kulturellen oder wirtschaftlichen Einstellung; das entscheidende Moment ist die Entstehung des Nationalheims de jure, der dessen Aufbau de facto folgen muß. Zionismus ist nicht mehr eine Sehnsucht nach einem erdenfernen Paradies, sondern eine Bewegung von Mühe und Arbeit, ein Kampf ums Dasein. Das Land der Verheißung ist ein Land der Erfüllung geworden, un-

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