Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 35 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- Seite 557 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 557 lieh, sie zu übertreiben. Wir haben das Vertrauen; die Fundamente unseres Baus sind fest genug, ihr standzuhalten. Wir werden unsere äußersten Kräfte anspannen, die Krise zu überwinden, aber unser zionistischer Wille wird für keinen Augenblick entmutigt. Was wir jetzt erfahren, hat aber auch seine Lehre in sich — und solche Lehre ist vielleicht nicht zu teuer erkauft. Der Kongreß darf das jüdische Volk innerhalb und außerhalb Palästinas nicht darüber im Zweifel lassen, daß er diese Lehre gezogen hat. Geehrter Kongreß! An dem ersten Tage, als wir uns vor dreißig Jahren zusammenfanden, haben wir klar verkündet, daß wir mit einer Botschaft des Friedens in unsere alte Heimat zurückkehren wollen. Dem sind wir treu geblieben. So wie unser Nationalismus im Innern nicht leere Uberhebung, sondern das Bekenntnis zur geistigen und kulturellen Wurzel unseres Seins, Besinnung auf uns selbst bedeutet, so sind auch die konkreten Auswirkungen unserer nationalen Bewegung keine aggressiven Aktionen gegen andere Völker, sondern aufbauende Taten; die Schaffung einer kulturellen und ökonomischen Wirklichkeit, die die Basis eines höher gerichteten Daseins bilden soll. In diesen letzten Jahren der Aufbauarbeit in Palästina hat sich unsere Überzeugung gefestigt, daß aus unserem Werke zwar vor allem das jüdische Volk, aber auch alle Bewohner des Landes Palästina, in dem wir unsere nationale Heimstätte zu errichten völkerrechtlich befugt sind, Nutzen haben. Wir haben oftmals versichert, daß wir mit unseren arabischen Nachbarn in Frieden und Freundschaft zusammen leben wollen; wir können heute sagen, daß das wirkliche Leben Palästinas die Aufrichtigkeit unserer Gesinnung bereits bewiesen hat. Geehrter Kongreß! Vor kurzer Zeit wurde Palästina von einer furchtbaren Naturkatastrophe heimgesucht. Die Gefühle aller Zionisten, und, man kann wohl sagen, des ganzen jüdischen Volkes, haben sich in jenen Tagen dem Lande und den unglücklichen Opfern zugewandt. In jenen Tagen wurde auch empfunden, was es bedeutet, in einem Lande miteinander zu leben. Die spontane Reaktion auf das Erdbeben hat gezeigt, daß auch wir Juden wissen, was es heißt, Mitbürger zu sein. In diesen Tagen des Schreckens sind die beiden Völker einander näher gekommen, weil über alle Schranken der Politik und der Programme hinaus das unmittelbar Menschliche sein Recht verlangt. Wir sprechen auch an dieser Stelle unser tiefstes Mitgefühl für die Betroffenen aus. Geehrter Kongreß! In dieser Stunde, da wir uns zu schwerer und sorgenvoller Arbeit zusammengefunden haben, gilt unser ganzes Denken den Menschen, die in der vordersten Front unserer Bewegung stehen, den Pionieren, die im Lande an dem Aufbau unseres Werkes schwer und mühevoll arbeiten. Viele unserer Brüder, die ihr persönliches Geschick mit dem Lande unserer Hoffnung verbunden haben, sind heute zu einem Dasein der Untätigkeit verurteilt. Sie leiden nicht nur, weil sie kaum das kärgliche Brot zur Fristung ihres Daseins erhalten können, sondern noch vielmehr, weil die Arbeit, auf die sie ihre Hoffnung setzten und mit der sie den ganzen Sinn ihres Lebens erfüllten, zu stocken scheint. Wir wissen, daß diese Stokkung nur vorübergehend ist, und wir sehen, wie einzelne Teile unseres Werkes sich bereits heute zufriedenstellend und hoffnungsvoll entwickelt haben. Aber wir dürfen nicht zulassen, daß der heutige Zustand länger andauert. Die Zionistische Organisation als die verantwortliche Repräsentantin des zum Aufbau seiner Heimstätte entschlossenen jüdischen Volkes muß alles tun, um die Produktivität im Lande wieder zu beleben. Dies ist vor allem eine Frage der Mittel. Wir haben Arbeitskräfte bereitstehen, die mit größter Selbstlosigkeit an unserem Werke bauen wollen. Aber wir haben nicht die richtige Proportion zwischen Kapital und Arbeit, den beiden Elementen jedes wirtschaftlichen Aufbaus, herzustellen vermocht. Dieser Kongreß darf nicht auseinandergehen, ohne Mittel und Wege gefunden zu haben, die das Los der Arbeitslosen in Erez Israel erleichtern und dadurch gleichzeitig den Umfang unserer zionistischen Tätigkeit vergrößern. Von diesem Jubiläumskongreß soll nicht nur ein Gruß tiefer Dankbarkeit für diese unsere Menschen in Palästina ausgehen, sondern auch ein wohl erwogener durchdachter Plan zur Beseitigung des akuten Notstandes und zur Festigung unseres Aufbauwerkes. Geehrter Kongreß! Unsere Bewegung steht in ihrem dreißigsten Geburtstage mitten im Ernst des Lebens, und wir hoffen und fühlen, daß sie mit der Größe ihrer Aufgaben auch selbst gewachsen ist. Wir haben ein großes Ideal proklamiert und wir sind auf unserem Wege der Verwirklichung ein weites Stück vorwärts gekommen. Langsam werden die Konturen des nationalen Heimes erkennbar. Schon heute, wo die Sache L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpreislage: Mk. 180.- bis Mk. 250.- Kein Anzug über Mk. 280.- V__J