Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 34 (26.8.1927)
- Date
- 1927-08-26
- Page
- Seite 548 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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548 Nr. 34 Das Jüdische Echo Der bekannte jüdische Gelehrte Dr. J a q u e s S e g a 1 wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Dr. Segal ist in Safed (Palästina) geboren und studierte an der Sorbonne. Später arbeitete er als Bakteriologe im Lister-Institut zu London und kam 1922 wieder nach Paris. Bei Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem vertrat er die französische Regierung. Dr. Segal nimmt seit seiner Jugend tätigen Anteil an der zionistischen Arbeit und ist jetzt Mitglied des Zentralkomitees der Zionisten-Revisionisten. In Duderhof in der Nähe von Leningrad verstarb gestern im Alter von 68 Jahren der Direktor des Ethnographisch - Anthropologischen Museums von Leningrad, Prof. Lew Sternberg, ein weit über Rußland hinaus bekannter jüdischer Gelehrter. Die amerikanische Zionistische Organisation hat bekanntlich eine Aktion zur Gewinnung von mindestens 2000 lebenslänglichen Mitgliedern, die je 100 Dollar für den Reserve-Fonds zu leisten haben, eingeleitet. Unter den Personen, die sich bis jetzt als lebenslängliche Mitglieder haben eintragen lassen, sind zu nennen: Herr und Frau Nathan Straus, Herman Bernstein, Irma Lindheim, Norvin R. Lindheim, Frau I. C, Guggenheimer, Louis Lipsky, Henriette Szold, Fr. Archibald Silverman. Man hofft, bis 15. September die Quote von 2000 lebenslänglichen Mitgliedern voll zu haben. ln der ersten Augustwoche wurden in Nahalal die ersten Weintrauben für den Transport nach England verpackt. Den Transport der Trauben hat die palästinische Regierung übernommen unter der Bedingung, daß bei Erzielung eines Preises von mehr als 3 Piaster pro Kilo die Transportkosten aus diesem Mehrertrag gedeckt werden sollen. Gleichzeitig hat die Regierung Trauben im Gewicht von einer Tonne in Nahalal gekauft, um Untersuchungen über die beste Verpackungsmethode anzustellen. (Ziko) M. Kalvarisky, E. Wikkansky und M. Aleinikoff wurden zu stellvertretenden Mitgliedern der Exekutive während der Anwesenheit der palästinischen Exekutivmitglieder in Basel ernannt. Feuilleton Warum ging ich zum ersten Zionistenkongress? Von Leib Jaffe (Jerusalem) Das Berliner Büro der Zionistischen Vereinigung hat im Jahre 1922 ein Sammelbuch herausgegeben, das unter dem Titel „Warum gingen wir zum ersten Zionistenkongreß“? Beiträge zahlreicher Teilnehmer des ersten Kongresses bringt und die Stimmung vor diesem die Judenheit aufwühlenden Ereignis vergegenwärtigt. Wir entnehmen der Sammlung, die vor dem XV., dem Jubiläumskongreß besonderes Interesse verdient, den folgenden schönen Aufsatz. L. Jaffes. Die Red. Es war Dämmerungszeit in unserer Bewegung. Es war eine Zeit von Tohuwabohu, von Sprengung der Grenzen, von Anfang und Ende, von Bau und Zerstörung, von Alter und Jugend*. Einige Jahre zuvor war Pinsker gestorben. Vor seinem Tode sah sein brechendes Auge noch, wie sein Traum verrann und in der grauen Arbeit des Alltags verödete. Wenigen nur leuchtete noch das Licht der schönen Idee, schwer und bedrückend waren die Tage nach dem Hinscheiden Pinskers. Wir waren noch jung, fast Kinder, als wir in die Chibath-Zion-Bewegung hineinkamen. Unsere Arbeit bestand hauptsächlich im Träumen, im Bücherschmökern, in Vorlesungen und in Geldsammlungen für den Jischub Erez Israel. Besonders eifrig sammelten wir für die Schule in Jaffa, die für uns das Symbol der Wiedergeburt der hebräischen Erziehung und der hebräischen Sprache war. Wir gründeten einen Verein mit einem monatlichen Mitgliedsbeitrag von 10 Kopeken. Ende jeden Monats kamen wir zusammen, machten die Rechnung über das gesamte Geld und stellten eine Liste der Zahlen auf. Wir wußten, daß diese Arbeit klein und armselig war, daß so unserem Volke * Ch. N. Bialik. nicht geholfen werden konnte, aber wir trugen in diese winzige Arbeit Poesie und Schönheit hinein und den Schwung unserer Begeisterung. Da besuchte Motzkin, der Führer der Verbindung der jüdisch-nationalen Studenten in Rußland, unsere Provinzstadt. Wir luden ihn in unseren Verein ein, wo Klausner und ich über die Wiederbelebung Palästinas und die Wiedergeburt der hebräischen Sprache referierten. Motzkin hielt eine Ansprache, die für uns eine Enttäuschung bildete und die unseren Einfluß auf die Jugend schwächte. In klaren, nüchternen Worten, die keine Rücksicht auf den Zuhörerkreis nahmen, sagte er uns, daß unsere zionistische Bewegung, so wie sie war, verfault sei, und daß man neue Wege suchen müsse. Damals hörten wir zum ersten Male das Wort „Zionismus“. Wir hatten nicht den Mut, mit unserem Gaste zu disputieren, der aus einem Zentrum des neuen Zionismus kam. Seine Worte schmerzten und demütigten uns und zerstörten das, was wir für unsere Jugend aufgebaut hatten. Wir wußten damals nicht, und vielleicht wußte auch Motzkin nicht, daß Pinsker in seinem Gespräch mit Lilienblum über den Zustand der Chibath-Zion-Arbeit das Wort „Fäulnis“ angewendet hatte. Was für neue Wege er von uns verlangte, hatte uns unser Gast nicht gesagt. Tiefer als je lastete auf uns das Gefühl der Kleinlichkeit unserer Arbeit, das wir immer empfunden hatten. Wir wußten, daß dies nicht der Weg war; unsere Begeisterung konnte uns nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß unsere Bewegung weiterhin in ihren engen. Grenzen verlaufen sollte. Pinskers „Autoemanzipation“ war das Buch der Bücher unserer Chibath-Zion-Bewegung, und wir fühlten den Abgrund, der zwischen unserer Arbeit und dem Schwung dieses Buches und der Träume Pinskers lag. Wir fühlten uns Flügel wachsen, aber wir konnten in dem engen Raume, in dem wir uns bewegten, nicht flie-